Donnerstag, 4. Mai 2017

Durchgelesen

Rezension zu Das Glück hat vier Farben von Lisa Moore



Verlag: Sauerländer
Seitenanzahl: 368 Seiten
Format: Hardcover
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-7373-5480-6
Übersetzer: Maren Illinger
Altersempfehlung des Verlages: Ab 14 Jahren
Abgeschlossene Erzählung









Inhalt:

Seit Flannery denken kann, ist sie in ihren Sandkastenfreund Tyrone verliebt. Doch Tyrone hat ganz andere Prioritäten. Als beide für ein Schulprojekt ein Zweierteam bilden, muss Flannery bald feststellen, dass ihre große Liebe stets nicht da ist, wenn sie ihn dringend braucht. Die Aufgabe des Projekts besteht darin, ein Angebot für ein Produkt zu machen, für welches kein Bedürfnis besteht. Bedarf und Nachfrage müssen also erst geschaffen werden.
Flannerys erste Idee, der Entwurf eines Designerpümpels, wird von Tyrones Vorschlag abgelöst. Tyrone ist sich sicher: Herstellungsaufwand sowie geringe Herstellungskosten machen Liebestränke zu einer guten neuen Geschäftsidee.
Bald schon beginnt Flannery mit den Vorbereitungen. Es stellen sich viele Fragen. Jedes Problem muss sie alleine angehen, denn Tyrone vertröstet die Freundin immer wieder von neuem. Irgendwie gelingt es Flannery ihr eigenes chaotisches Leben zu meistern und auch noch das Projekt voranzutreiben. Schließlich reicht ihr ein Wort oder ein Blick von Tyrone, wenn sie sich mal kurz auf dem Schulflur treffen. Die Hoffnung bleibt bestehen: Irgendwann wird Tyrone Zeit finden. Irgendwann werden beide zusammen ausgehen und irgendwann wird er sie bestimmt auch küssen ...



Schreibstil:

„Das Glück hat vier Farben“ ist eine unglaublich komplexe Geschichte. Sie besteht aus vielen kleinen wundervollen Erzählungen aus Flannerys Vergangenheit. Zugleich werden die einzelnen Charaktere liebevoll beschrieben. Hier gibt es zum Beispiel Miranda, Flannerys Mutter, die mit einer Tiara und Leopardenfellmantel durch das Einkaufszentrum läuft. Anstatt ihrer Tochter dabei zu helfen einen Badeanzug zu finden, spielt sie lieber mit einer Videodrohne und lässt sich selbst mit der eingebauten Kamera filmen. In ihrer Freizeit schreibt Miranda einen Erziehungsblog, in dem sie intime Details ihrer Tochter postet. Wenn Flannery anmerkt, dass sie diese Zurschaustellung ihres Lebens nicht billigt, dann steht ihr Argument, das ihrer Privatsphäre, gegen das ihrer Mutter: Meinungsfreiheit.

Flannery hat es nicht leicht. Die Mutter kann sich nicht mehr an den Erzeuger ihrer Tochter erinnern, dabei sehnt sich Flannery doch so sehr nach dem Vater, der ihr so ähnlich sein soll. Der Bruder, den Flannery nie haben wollte, bekommt die Drohne geschenkt, anstatt dass Miranda ihrer Tochter ein Biologiebuch kauft oder die längst fällige Stromrechnung bezahlt. Stattdessen soll Flannery ans Telefon gehen, wenn die Behörde anruft. Sie soll den Tod der Mutter vortäuschen und Mitleid erregen. So ist Flannerys Leben.

Als wäre das nicht schon genug, scheint sich mit Beginn des Schulprojekts auch die beste Freundin Amber zu verändern. Ihr Teampartner ist ein cooler Musiker. Von einem Tag auf den anderen verändert sich Amber. Sie spricht nur noch von Gary, hängt mit dessen Freunden ab und es gibt kein „ich“ mehr sondern nur noch ein „wir“. Und dieses Wir beinhaltet nicht Flannery.

Flannery ist bereit das Schulprojekt irgendwie in Angriff zu nehmen. Sie besorgt Flaschen, entwickelt eine Rezeptur. Sie interviewt sogar eine Wicca. Immer wieder versucht sie Kontakt zu Tyrone aufzunehmen. Doch dieser meldet sich entweder nicht oder er versetzt sie im letzten Moment. Und dann sieht sie ihn plötzlich, wie er ein wundervolles Gemälde an eine Mauer sprayt. Die Enttäuschung, ob seiner Versetzungen, verglüht im selben Moment, wo Flannery Tyrone erblickt. Es ist seine Art, sein Aussehen, sein lässiges Auftreten und seine stets verständnisvolle Art, die Flannery jeden Fehltritt sofort vergessen lässt.

Der Schreibstil dieser Geschichte ist außergewöhnlich. Viele kleine Geschichten ranken sich um die einzelnen Charaktere. Hierdurch entsteht nicht nur eine unglaubliche Figurentiefe, auch sorgt die Autorin für skurrile Lebenssituationen. Der Leser klebt an den Seiten und vergisst für einen Moment, dass er ja eigentlich ein Schulprojekt und eine schöne Liebesgeschichte verfolgen sollte. Stattdessen begreift er, dass keiner der einzelnen Charaktere es wirklich leicht hat. In einem Moment ist die Welt noch in Ordnung, im nächsten schlägt das Schicksal wieder erbarmungslos zu.

Neben schrulligen Charakteren, einem aufregenden und zugleich auch ein wenig verrücktem Handlungsstrang, gibt es auch noch diese zarte Liebesgeschichte. Flannery empfindet viel für Tyrone. Sie braucht ihn nur zu sehen, schon vergisst sie jeden seiner Fehltritte. Sie sieht ihn durch die sprichwörtliche „rosarote Brille“. Diese erste Liebe wird sehr glaubwürdig dargestellt. Es ist dieses Gefühl, was einen einfach alles tun lässt, was nicht hinterfragt, sondern einfach nur opfert. Es ist schön zu beobachten und zugleich auch traurig mit anzusehen, wie Flannerys Liebe alles übersteht, aber auch zugleich kaum eine Erwiderung erfährt.



Fazit:

„Das Glück hat vier Farben“ ist eine Geschichte, die mich von der ersten Seite an gepackt hat. Viele kleine Geschichten beleuchten das Leben der Protagonistin und stellen die Nebencharaktere im Detail vor. Die Lebendigkeit dieser Erzählungen, aber auch die Schrulligkeit der einzelnen Charaktere, die Weisheit, die hinter den Worten der Autorin steckt, sorgen für vollkommenen Lesegenuss.
Hier erfährt der Leser, wie zerbrechlich das Leben sein kann, er wird Zeuge von Freundschaften, um die es zu kämpfen lohnt, die aber leider nicht für immer bestehen können und einer ersten Liebe, die bedingungslos gibt und nichts dafür fordert.

Dieses Buch möchte ich an Leser/innen weiterempfehlen, die eine vielschichtige und fesselnde Geschichte suchen und zugleich liebevoll gestaltete und schrullige Charaktere kennenlernen wollen.



Buchzitate:

Mütter können nicht die Freundinnen ihrer Töchter sein. Sie sind ihre Mütter. Höchstens später im Leben, wenn die Mutter eine alte Dame ist und ein kleines trübes Glas mit ihrem Gebiss auf dem Nachttisch hat und ihre Tochter selbst sechs Töchter hat, dann können sie vielleicht Freundinnen sein.
- Miranda (Flannerys Mutter) zu ihrer Tochter -

Jetzt gerade sitzt sie mit krummen Schultern in ihrem Leopardenfell-Fummel und schmollt mit gerunzelter Stirn. „Tu das nicht mit deiner Stirn“, sage ich. „Sonst brauchst du Botox.“
- Flannery zu Miranda -



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Liebe:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:


Kommentare:

  1. Huhu Tanja,

    auf deine Rezension zu deinem letzten Monatshighlight, war ich natürlich total neugierig. Auch verstehe ich durch deine Worte zu diesem Buch, wieso es das Buch auf diesen Sockel geschafft hat. ;-)

    Als ich die Inhaltsangabe durchgelesen habe, habe ich mich durch das Schulprojekt sehr an das Fach Wirtschaft erinnert gefühlt. Wird in diesem Bereich auch mehr erklärt beziehungsweise mit in die Geschichte gebunden? Oder klingt das nur so? =D

    Dass die Autorin die erste Liebe so wunderbar authentisch beschreibt, macht mich ebenfalls neugierig auf das Buch. Im Allgemeinen klingt es aber eher so, als würde die Protagonistin sich nicht durchsetzen können. Weder bei ihrer ersten großen Liebe, noch bei ihrer Familie oder ihrer Freundin. Beim Zitat wirkt es aber doch eher so, als würde sie doch auch aussprechen, was sie denkt. Wie war denn dein Gefühl für die Protagonistin in dieser Richtung?

    Ansonsten hat dein letzter Absatz im Fazit nochmal dafür gesorgt, dass ich mir dieses Buch garantiert merken werde. Es klingt einfach toll und wenn du so begeistert bist, kann ich dieses Buch einfach nicht an mir vorbeiziehen lassen. =))

    Ganz liebe Grüße
    Leni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Leni,
      das Projekt, spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte. Das Projekt macht einen Großteil der Abschlussnote aus. Da Flannery in einer Partnerarbeit mit Tyrone steckt und Tyrone irgendwie meist nicht da ist, wenn man ihn braucht, muss sie sich alleine durch die verschiedenen Schritte der Projektentwicklung kämpfen. Hierfür braucht es eine Idee, eine gute Marketingstrategie und auch ein Interview mit irgendjemandem, der dem Produkt nahesteht.

      Dieser Entstehungsprozess ist aber, falls du das jetzt vermuten solltest, alles andere als langweilig ... ;o) Mehr sage ich nicht dazu :o))))))

      Leni, du kennst Flannerys Umfeld nicht. ;o) Die Arme hat es nicht einfach. Da fällt Durchsetzen doch sehr schwer. Flannery tut wirklich ihr Bestes.

      Ich würde mich wirklich freuen, wenn du dieses Buch liest. Es ist voller lustiger und skurriler Momente. Ich habe das Gefühl gehabt nicht nur eine Geschichte zu lesen sondern eine Vielzahl davon. Ich habe es wirklich sehr gemocht.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen
  2. Hmm, klingt kompliziert.
    Ich bin mir gar nicht so sicher ob ich komplizierte Liebesgeschichten mag - obwohl das im Leben ja leider Grundsätzlich sind. :)

    Ich mag die Beschreibung von Flannery's Liebe zu Tyrone in der Inhaltsangabe,

    "Schließlich reicht ihr ein Wort oder ein Blick von Tyrone, wenn sie sich mal kurz auf dem Schulflur treffen."

    So, so nachvollziehbar, und Romantisch, und überhaupt... da gerate ich sofort ins nostalgische Schwärmen - also wohl doch ein Buch für mich. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Gerd,

      ich würde fast sagen, dass Flannerys ganzes Leben sehr kompliziert ist.

      Wenn wir uns mal kurz auf die Liebesgeschichte konzentrieren: Ich mochte Flannerys bedingungslose Treue für einen Menschen, der ihr eigentlich nicht viel gibt.
      Ich kann deinen Geschmack nicht einschätzen. Was ich dir aber sagen kann ist, dass du hier mal eine ganz andere Art von Liebesgeschichte geliefert bekommst.

      Was mir besonders an diesem Buch gefallen hat, ist aber nicht die Liebesgeschichte. Eher waren es die unterschiedlichen Charaktere. Alle waren auf ihre Weise etwas verrückt und alle haben ihr Päckchen zu tragen und die Geschichten in der Geschichte.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

      Löschen
  3. Liebe Tanja,

    deine Empfehlung hört sich richtig klasse an. Die Inhaltsbeschreibung hat mich jetzt nicht unbedingt angesprochen, aber schrullige Charaktere finde ich sehr interessant.

    Ganz liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Sandra,
      dieses Buch hat mich so positiv überrascht. Ich habe stellenweise etwas davon meinem Mann vorgelesen, der eigentlich keine Jugendbücher liest. Selbst er fand die Geschichte richtig gut. Ich möchte dir diese Geschichte unbedingt ans Herz legen.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen
  4. Danke schön für die schöne Vorstellung :)

    Das Buch klingt euch toll und interessant, solche
    Bücher sprechen mich wirklich an.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Shelly,

      das freut mich, dass dir meine Buchvorstellung gefallen hat. Ich kann dir Das Glück hat vier Farben nur empfehlen, wenn du skurrile Charaktere magst :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen
  5. Hey Tanja,

    eine sehr schöne Rezension :) Das Buch klingt echt super. Das hab ich direkt mal auf meine Wuli gepackt :)

    Liebe Grüße

    Sunny

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sunny,
      das freut mich so sehr. <3
      Dieses Buch hat es wirklich verdient, dass Leser darauf aufmerksam werden.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen
  6. Liebe Tanja,

    das hört sich ja toll an!!
    Erst dachte ich, es ist eine witzige Geschichte. Einen Designerpümpel hätte ich zu gerne gesehen. Auf Tyrone habe ich jetzt schon eine Wut und auf die Mutter auch.
    Wirklich eine tolle Rezi!
    Liebe Grüße
    Lilly

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Lilly,
      diese Geschichte hat auch viele lustige Momente.
      Ja, Tyrone und die Mutter sind schon sehr speziell und Flannery hat es wirklich nicht einfach mit ihrem Umfeld. Auch ihre beste Freundin springt ihr später noch ab.
      Dennoch: Flannery bleibt ihren Liebsten treu, egal welche Hürden sie ihr stellen. Das mag ich so an ihr. Sie ist sehr beständig.

      Und ja: Ich fand Flannerys erste Projektidee (den Designerpümpel) auch viel besser. Ich glaube auch, dass der weggegangen wäre, wie nichts Gutes. Flannery sinnierte dann auch so vor sich hin, dass jeder zwar einen Pümpel hat, aber man weiß nicht, woher diese Dinger kommen. Irgendwie sind sie nie schick. Sie sehen immer gleich aus. Braun.
      So mit Punkten und Blümchen drauf ... ich glaube das ist wirklich eine Marktlücke ... ;o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen
  7. Du hast mich gerade total motiviert, mich gleich dem Buch zu widmen! Das liegt schon wieder viel zu lange ungelesen hier... <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Lena,
      das freut mich so sehr. Die Geschichte war für mich etwas ganz besonderes. Ich finde das Buch sollte auf möglichst vielen Wunschlisten stehen.

      Ich bin so gespannt auf deine Meinung und vor allem, was du zu Miranda sagst ... ;o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

      Löschen