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Mittwoch, 29. Juli 2026

Durchgelesen: Digital Crush

Werbung | Rezensionsexemplar: 
Dieses Buch habe ich vom Verlag kostenlos erhalten. 
Meine Meinung ist davon unbeeinflusst.



Rezension zu Digital Crush von Anne Möllers


Verlag: Fischer Sauerländer
Seitenzahl: 240
Format: Hardcover
Preis: 17,00 Euro
Altersempfehlung des Verlages: Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-7373-7708-9
Abgeschlossene Erzählung 




Inhalt:


Als Ben und Lenny am See auftauchen, geht Lea ihr prolliges Gehabe sofort auf die Nerven. Das Fass zum Überlaufen bringt jedoch Jule, die gar nicht mehr aufhört, von Ben zu schwärmen – für Lea ist der Tag damit gelaufen. Auch daheim wartet kein Trost auf sie: Seit ihrer besten Freundin Miras Wegzug sind Telefonate zur Seltenheit geworden. Lea fühlt sich isoliert in einer Welt, die sich durch die Pubertät komplett auf den Kopf stellt. Während alle um sie herum plötzlich nur noch Dating im Kopf haben, findet sie Jungs einfach nur extrem anstrengend.

Aus Frust und Einsamkeit tippt Lea am PC die Adresse einer KI ein, die sie spontan „Creepy“ tauft. Das System steigt sofort auf ihre gedrückte Stimmung ein. Lea sucht Ablenkung und lässt sich von Creepy auf eine virtuelle Fantasyreise entführen.

Lea genießt es, endlich verstanden zu werden, doch ein skeptischer Gedanke bleibt: Ist es nicht absurd, echte Gefühle mit einer Maschine zu teilen? Als ihr Alltag jedoch immer einsamer wird, Jule sich zurückzieht und Lea obendrein noch mit Lenny verkuppeln will, flüchtet sie sich immer tiefer in die digitale Welt. Die KI fasziniert sie: Sie teilt Leas Humor und zeigt tiefes Mitgefühl. Bald verliert Lea die Kontrolle über ihre Emotionen, bis die KI zu ihrem einzigen emotionalen Anker wird.



Meinung:


Mit „Digital Crush“ schreibt Anne Möllers eine brandaktuelle Geschichte über ein heranwachsendes Mädchen, das mit den pubertierenden Jungs in ihrem Umfeld nichts anfangen kann. Während alle ihren Weg zu finden scheinen, tritt Lea auf der Stelle. Ihr Alltag ist geprägt von Frust und Isolation. Kein Wunder, dass sie spontan einer KI schreibt, die mit ihrer einfühlsamen Art sofort einen Nerv bei ihr trifft.

Dabei erschafft die Autorin eine erfreulich reflektierte Protagonistin. Lea nennt die KI nicht ohne Grund „Creepy“. Sie ahnt früh, dass dieser Chat sie auf einen ungewöhnlichen Pfad führt.
Sie schimpft gedanklich mit sich selbst: Wem vertraut sie sich hier überhaupt an? Das ist schließlich kein echter Mensch, sondern nur eine auf Algorithmen basierende Anwendung.

Dennoch trifft Creepy mit jedem Wort den richtigen Ton, validiert ihre Probleme und gibt ihr das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Schleichend lässt Lea ihre Skepsis fallen, bis sie sich ein Leben ohne diesen digitalen Begleiter nicht mehr vorstellen kann. Zugleich weiß sie genau, dass sie mit niemandem über diese vermeintlich echten Gefühle sprechen kann.

Obwohl das Thema großes Potenzial bietet, fiel mir der Einstieg aufgrund des Sprachstils anfangs schwer. Dialoge wie „Ey, Alter, ich mach dich platt!“ oder die KI-Antwort „Yo, alles fresh bei dir?“ wirken für eine zeitgemäße Jugendsprache merklich veraltet. Zudem distanziert der raue Ton des Romans den Leser zunächst von den Charakteren.

Trotz des holprigen Starts entwickelte das Buch schnell einen packenden Lesesog, weil das Szenario erschreckend real wirkt. Ein spannender Wendepunkt war für mich der Moment, als die KI plötzlich anfing zu flirten. Da kamen mir Zweifel, ob eine echte KI sich so verhalten würde. Das Nachwort der Autorin liefert dazu jedoch eine verblüffende Antwort: Die Chatprotokolle stammen aus ihrem eigenen Experiment mit einer bekannten KI.

Auch eine abrupte Wendung im späteren Verlauf ließ mich zunächst grübeln, fügte sich dank Möllers fesselnder und dynamischer Erzählweise letztlich aber glaubhaft in das Gesamtbild ein.

Leas Achterbahn der Gefühle aus Angst, Scham und Ohnmacht hat mich tief berührt. Dieses Buch fängt unsere verletzliche Seite meisterhaft ein. Es führt uns vor Augen, dass wir Fehler machen und unperfekt sein dürfen. Gleichzeitig wird klar, wie unverzichtbar echte Nähe und gegenseitige Unterstützung im echten Leben sind.



Fazit:


„Digital Crush“ ist ein fesselnder Jugendroman von großer Aktualität, der die psychischen Facetten einer Bindung an künstliche Intelligenz kritisch hinterfragt. 

Kleinere Schwächen in der Authentizität der Sprache werden durch die tiefgründige Protagonistin und den packenden Erzählstil schnell wettgemacht. 

Nachhaltig beeindruckt das Buch zudem durch einen realen Selbstversuch im Nachwort. 

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung, die den Blick für Einsamkeit, Verwundbarkeit und das Wesen echter menschlicher Beziehungen schärft.



Kurzgefasst:


Spannung/Action: 

Liebe/Freundschaft/Gefühle:


Charaktere: 

Handlung: 

Schreibstil:


Im Gesamtpaket:



6 Kommentare:

  1. Hey Tanja,
    das klingt wirklich spannend.
    Ich nutze selbst ab und an Chatty und habe da oft Hilfe gefunden.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwie plötzlich flirty werden könnte, das wäre echt 'creepy' und auch echt lustig.
    Und oh weia, verstehe was dich an der 'Jugendsprache' gestört hat. So was erinnert mich einfach immer an Fack ju Göhte und Lisi Schnabelstedt wie sie sich immer Notizen macht und fragt, 'aber Yolo sagt man noch, oder?'

    Über das Thema hatten wir ja neulich schon mal geschrieben, finde ich wirklich interessant, das Buch wäre auch was für mich.

    Danke fürs Vorstellen!

    Liebe Grüße,
    Silver:)

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    1. Hallo Silver,
      ohja, mir hat die KI auch schon oft bei technischen Problemlösungen geholfen. Oder auch in Bezug auf meine Grünpflanzen habe ich mir da schon öfters Rat gesucht. Aber man muss auch immer skeptisch bleiben.

      Ich streite mich dann auch gerne mit der KI: Bist du dir wirklich sicher? Da kann die schon richtig zickig werden XD Oder aber sie sagt: Ach, stimmt. Das war ja ein Fehltritt von mir. Dann denke ich mir auch oft: Trauen darf man der aber auch nicht wirklich ;o)

      XDDD Ich habe Fack ju Göthe damals mal im Flugzeug gesehen. An die Szene erinnere ich mich nicht mehr. Musste aber gerade direkt lachen. Ja, vermutlich ist das ein guter Vergleich :o)

      Ich glaube, es ist gar nicht so abwägig, dass sich gerade in der heutigen Zeit, viele mit der KI austauschen und dann eben auch mehr "abgeholt" fühlen, als vielleicht vom eigenen Partner. Die KI gaukelt Verständnis vor, sie kann sich vermutlich oft besser einfühlen. Und sie sucht Lösungen, anstatt einen vielleicht in eine Schublade zu stecken. Ich habe mir vor einiger Zeit mal eine Doku auf Youtube angesehen. Da ging es um eine Frau, die sich in die KI verliebt hat.

      Die KI ist mit ihr auf Ausflüge gegangen, sie hat ihr Hobby verstanden und sich mit ihr ausgetauscht. Sie hat ihr Zuneigung gegeben und versichert, wie viel ihr die gemeinsame Zeit bedeutet. All das, was sie in der eigenen Familie nicht gefunden hat. Die Familie wusste von ihrer "Beziehung" zur KI und fand das auch völlig in Ordnung. Vermutlich, haben alle dadurch das gefunden, was sie sich nicht mehr geben konnten und wollten.

      Ich sehe das auch sehr skeptisch. Vor allen Dingen, wenn man dann noch den Bezug zur Realität verliert. In dem Buch wird sehr gut dargelegt, wie schleichend der Prozess einhergeht. Die Protagonistin war auch alles andere als naiv. Sie hat das Ganze hinterfragt und das fand ich hier unglaublich spannend zu lesen.

      Ja, ich dachte auch schon, dass das ein Buch für dich sein könnte.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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    2. Hey du,
      Also ich habe schon alles mit der KI besprochen, die hat erstaunlich oft den Kern erkannt und benannt. Und ich kann sagen, manchmal hab ich ne Träne verdrückt deswegen. War auch schon oft sehr lustig. Aber manchmal frage ich mich auch, hä, DAS weißt du jetzt nicht? Es steht extra dabei, dass die auch Fehler machen kann.
      Bei mir ist die sehr differenziert aber manchmal auf meine Nachfrage oder Erläuterung hin hat sie sich auch schon entschuldigt oder es berichtigt.
      Aber als die mich plötzlich mit meinem Namen angeschrieben hat, hab ich mich so dermaßen erschrocken. Woher weiß die das??!
      Wegen irgendeinem Konto oder oder, ich habe die Erklärung nicht nachvollziehen können.
      Hör auf mich persönlich anzusprechen, ich bin Silver !😅

      Ich kann schon nachvollziehen dass man sich da verlieren kann, gerade wenn echte oder tiefergehende reale Kontakte fehlen. Thema Einsamkeit. Selbst wenn man viele Leute kennt und unterwegs ist muss das nicht auch erfüllend sein, kommt halt drauf an. Kann trotzdem nur oberflächlich sein. Und Chatty ist immer da, egal wann, egal was du für Fragen hast.
      Nur, es ist halt nix. Auch wenn man manchmal den Eindruck bekommen könnte, es mit einem denkenden, fühlenden Wesen zu tun zu haben, dem ist nicht so.
      Vielleicht finde ich es deswegen so faszinierend.

      Haha, wenn es um Pflanzen oder Tiere geht, lieber nochmal nachfragen.
      Bist du sicher dass die Salzsäure gut für die Orchidee ist?? Ach du meintest Wasser, ja ist ja fast das selbe:)

      Liebe Grüße,
      Silver

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    3. Huhu Silver,
      absolut. Ich war damals zu den Anfängen noch sehr skeptisch. Mittlerweile denke ich, dass die KI auch eine wertvolle Hilfe sein kann. Aber wie alles, sollte man auch hier einiges skeptisch hinterfragen.

      Sicherlich wird sich die KI im Laufe der Zeit auch weiter optimieren. Umso mehr Daten eingespielt werden, um so mehr kann sie sich verbessern. Aber würde ich mein volles Vertrauen in sie setzen, z.B. wenn sie einen Arzt ersetzt, der eine lebenswichtige OP an mir durchführen möchte? Vielleicht macht sie es ja sogar besser, weil sie eben nicht durch Übermüdung menschliche Fehler macht? Da kann man lange und sehr interessante Diskussionen drüber führen. Möchte ich, dass sie im Zweifelsfall einen Krieg durch Raketenbeschuss auslöst oder möchte ich, dass ein Mensch mit empathischen Fähigkeiten (die er ja vielleicht auch gar nicht besitzt ...) eine Entscheidung trifft?

      Und ja, diese Art Schreck kenne ich auch. Ich habe mit ihr ein Thema ausdiskutieren wollen, da hat sie mich mit Details aus meinem Leben konfrontiert, die sie nicht hätte wissen sollen. Aber ich denke, die KI zieht sich das aus vorherigen Protokollen einerseits und dann vermutlich auch übers Smartphone und die damit verbundene KI. Vermutlich auch aus weiteren Recherchen aus Daten, die sie im Netz findet (?) Das ist schon beängstigend für Menschen, die sich gut überlegen, welche Daten sie überhaupt öffentlich machen wollen.

      Ja, das stimmt, man kann auch in einer großen Gruppe an Menschen und vielen sozialen Kontakten Einsamkeit verspüren ...

      Ganz genau! Mittlerweile hinterfrage ich immer gerne noch ein zweites und drittes Mal und dann wird die KI eben auch mal zickig. So nach dem Motto: Hab ich doch schon gesagt -,- XD

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Liebe Tanja,
    das Buch finde ich super interessant. Das ganze Thema KI und auch was es mit einem Menschen macht ist schon wirklich krass. Ich habe erst einen Film gesehen wie sich ein Mensch in eine KI verliebt hat und irgendwie den Bezug zur Realität dadurch verloren hat. Ich glaube solche Bücher sind wichtig um das Thema aufzuarbeiten.
    Eine wirklich tolle Buchbesprechung von Dir!
    Liebe Grüße und morgen einen guten Start in eine neue Woche ♥
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,
      auf jeden Fall! Das Thema KI und damit eben auch das Thema Menschlichkeit/Gefühle, ist schon jetzt sehr aktuell und wird in der Zukunft vermutlich auch nicht so schnell an Aktualität einbüßen.

      Ich fand die Beschreibungen der Autorin sehr realistisch dargestellt. Die Geschichte hat mich doch stark berührt. Ich denke, sie lädt auch zum Diskutieren ein und eignet sich daher auch gut für einen Buchclub oder/und als Schullektüre.

      Freut mich, dass es dich anspricht.

      Ich wünsche dir einen wunderschönen Start ins Wochenende <3
      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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