Rezension zu Secret Sins – Stärker als das Schicksal von Geneva Lee
Seitenzahl: 352
Format: Ebook
Preis: 9,99 Euro (Klappbroschur: 12,99 Euro)
ISBN: Ebook: 978-3-641-20879-0
(Klappbroschur: 978-3-7341-0477-0)
Übersetzer: Michelle Gyo
Abgeschlossene Erzählung
Inhalt:
Judes erster Besuch einer
Selbsthilfegruppe, die sich regelmäßig im örtlichen Kirchenkeller
zum Austausch trifft, beginnt mit einem unerfreulichen
Zusammentreffen. Faith hat geträumt und ihm prompt ihren Kaffee über
das Shirt gegossen. Die Junge Frau ist sehr misstrauisch. Sie ahnt,
dass Kerle wie Jude nur Ärger bedeuten. Einen Mann kann sie in ihrem
Leben nicht gebrauchen. Sie hat einen tauben Sohn und weiß ganz
genau, wie zerbrechlich das Leben ist. Judes Auftreten zeugt für sie
davon, dass er nicht neu bei dieser Art von Treffen ist. Er sagt die
richtigen Sachen und nickt in den richtigen Augenblicken mitfühlend.
Doch verleugnen kann Faith das gute Aussehen des Neuen nicht.
Außerdem taucht er immer wieder in ihrer Nähe auf. Er sorgt sich
und müht sich um sie, obwohl sie ihm nicht nur einmal die kalte
Schulter zeigt. Faith aufgestellte Regeln: Kein körperlicher
Kontakt, kein Blickkontakt und stets Distanz wahren, werden auf eine
harte Probe gestellt.
Schreibstil:
In "Secret Sins – Stärker als das
Schicksal" geht es um Menschen, die mit diversen Arten von Süchten zu
kämpfen haben. Dieses Buch zeigt die Machtlosigkeit von Angehörigen
auf und wirft einen Blick auf die Opfer selbst. In dieser Geschichte
geht es um Zerbrechlichkeit und Hoffnung. Ein kleiner Fehltritt, so
begreift man, kann dazu führen, dass die Sucht einen wieder gefangen
nimmt. Ein Herauskommen ist, wenn überhaupt, nur mit einem eigenen
Willen und der Hilfe von Angehörigen/Freunden möglich.
Jude und Faith begegnen sich das erste
Mal bei einem Selbsthilfetreffen für Süchtige. Faith, so ahnt der
Leser bald, hat mit einer Vergangenheit und einem Problem zu kämpfen,
welches sie gerade so in den Griff bekommen hat. Eine Stütze bietet
ihr ihre beste Freundin Amie. Faith und ihr tauber Sohn Max dürfen
bei ihr wohnen. Auch hat Amie dafür gesorgt, dass Faith bei ihr
einen Job gefunden hat. Mit der lockeren Art sorgt Amie dafür, dass
die Schwere, die auf den Schultern ihrer Freundin lastet,
erträglicher wird. Sie schenkt dem Sohn ein Eis außer der Reihe,
welches ansonsten finanziell nicht machbar wäre. Sie besorgt der
Freundin einen Dildo, weil sie entgegen der Meinung von Faith der
Meinung ist, dass da mehr im Bett laufen sollte. Auch ist Amie
entzückt, als sie erfährt, dass es da nun diesen gutaussehenden
tätowierten Mann in der Selbsthilfegruppe gibt, für den Faith mehr
empfindet, als sie sich selbst gegenüber eingestehen will.
Jude hingegen ist vom ersten Moment an
charmant. Er sagt stets das Richtige und müht sich um Faith. Es ist
fast schon unheimlich, wie perfekt er wirkt. Die Haustür und das
Auto sind kaputt? Auch hier steht Jude sofort parat und bietet seine
Hilfe an. Faith meint zurecht, dass zu seinen Bad Boy-Look eigentlich
nur noch ein Motorrad fehlen würde. Und das hat er neben einem Jeep
und einem auf den Klippen gelegenen Häuschen auch. Außerdem
zeichnet er gerne verträumte Motive und singt Lieder für eine
Plattenfirma. Als Jude Max das erste Mal begegnet, widmet er sofort
seine volle Aufmerksamkeit dem kleinen Jungen und gewinnt damit nicht
nur Faiths, sondern auch Max Herz.
Kein Wunder also, dass Faith dem Charme
von Jude nicht widerstehen kann. Es kommt zu prickelnden erotischen
Momenten, die Faith eigentlich unbedingt vermeiden wollte. Es kommt
zu schönen Essen und gemeinsamen Abenden. Beide müssen nicht über
ihre Vergangenheit sprechen, sie wissen, dass es ein Geheimnis gibt
und sie wissen, dass man die Vergangenheit manchmal besser ruhen
lassen sollte. Doch leider lässt sich das, was geschehen ist, nicht
verdrängen. Früher oder später holt einen die Geschichte wieder
ein.
Der Leser begleitet Faith, ihren Sohn
Max und auch die etwas verrückte und liebenswürdige Freundin sowie
Jude in der Gegenwart. Allerdings wirft er auch immer einen kleinen
Blick in die Zeit, als Faith noch eine Jugendliche war. Nach und nach
kommt er hinter ihre Geschichte. Gerade diese Stellen sorgen für
Spannung. Man möchte wissen, was Faith zu der Frau gemacht hat, die
sie heute ist und warum sie solche Angst hat, sich auf andere
Menschen einzulassen. Nebenher ahnt man, dass es im hinteren Teil des
Buches noch zu einem Desaster kommen wird.
Hier wird der Leser nicht enttäuscht.
Bei mir lösten diese Enthüllungen so starke Empfindungen aus, dass
ich Distanz zu der Protagonistin aufbaute und Angst hatte sie nicht
mehr mögen zu können. Doch die Autorin hat auch an dieser Stelle
noch einmal – für mich – Geschick bewiesen. Ganz langsam lässt
sie die Charaktere mit den Geschehnissen zu Recht kommen. Sie
überstürzt nichts und diese Zeit ist es, die auch letztlich mich,
als Leserin, wieder versöhnlich gestimmt hat.
Fazit:
"Secret
Sins – Stärker als das Schicksal" greift ein schweres Thema auf.
Hier haben alle auf
die eine oder andere Weise mit Süchten
und Abhängigkeiten zu kämpfen. Nicht nur der Blickwinkel von Opfern
und Angehörigen
wird beleuchtet.
Anschließend folgt die Rekonstruktion der Fakten aus der Perspektive
der Süchtigen.
In
diesem Werk finden die Menschen Hoffnung
durch Solidarität
und Liebe.
Neben einer wundervollen Liebesgeschichte, ein wenig Erotik,
Freundschaft und einer Mutter Kind-Beziehung, die über allem steht,
sorgen gut geschliffene Charaktere und eine sehr ernste und zugleich
bewegende Hintergrundgeschichte für eine sehr lesenswerte
Geschichte.
Von mir gibt’s hier eine absolute Fünf-Sterne-Empfehlung.
Buchzitate:
Manchmal reicht ein einziger
Augenblick, um das ganze Leben zu verändern. Und die Veränderung
kommt so brutal und unerwartet, dass sie dir die Luft aus der Lunge
presst.
„Ich könnte dich seit
Jahren kennen, und du würdest doch nie all die Augenblicke kennen,
die mich zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin. Die mich zu
der machen, die ich morgen sein werde, oder in fünf Jahren. Niemand
kann je einen anderen Menschen wirklich kennen.“
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Liebe:
Charaktere:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
Ich danke dem Verlag herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
