Rezension zu Du + ich = Liebe von Heike Wanner
Verlag: Edel Elements Seitenzahl: 346
Format: Ebook
Preis: 6,99 Euro
ISBN: 978-3-95530-959-6
Abgeschlossene Erzählung
Homepage der Autorin: http://www.heike-wanner.de/
Aufmachung:
Im hinteren Teil des Buches befindet
sich eine Playlist zum Buch, die auch über Spotify abrufbar ist
sowie ein Interview mit einer Bekannten der Autorin, die sich mit dem
Thema Querschnittlähmung auskennt.
Inhalt:
Nach ihrer Rückkehr an die alte Schule
lernt Nika den querschnittgelähmten und verschlossenen Ben kennen.
Ein erstes Gespräch verläuft eher zäh. Doch Nika gibt nicht auf.
Aus einer gemeinsamen Teamarbeit im Fach Physik entwickelt sich nach
und nach eine Freundschaft und irgendwann auch ein wenig mehr. Bald
schon stehen Nika und Ben für einander ein. Doch das Schicksal
schlägt erbarmungslos zu und stellt die Liebe von Nika und Ben auf
eine harte Probe.
Erweiterter Inhalt:
Nach einem Auslandsjahr kehrt Nika
wieder an ihre alte Schule zurück. Sie möchte wieder Schul- und
auch Klassensprecherin werden. Was sie jedoch nicht möchte, ist die
Beziehung mit ihrem Ex-Freund wieder aufleben lassen. Als dieser sie
an ihrem ersten Tag gleich in ein Gespräch verwickelt, weicht sie
aus. Ihre Ausrede kommt spontan: Sie wäre verabredet. Mit dem
Jungen, der so einsam an einem der Tische sitzt. Schnell stellt sich
heraus, dass der Junge Ben heißt und dass er keinerlei Interesse
hat, andere Menschen kennenzulernen.
Nika jedoch ist niemand, der sich
schnell abwimmeln lässt. Hartnäckig bleibt sie am Ball und
irgendwann hat sie auch Ben soweit, dass er sich ihr öffnet. Erst
verspätet bemerkt sie, dass Ben querschnittgelähmt ist und da hat
Nika schon einen ersten Blick hinter Bens Fassade geworfen. Sie ist
fest gewillt, ein Schulprojekt mit ihm in Angriff zu nehmen und ihn
besser kennenzulernen.
Aus einem Schulprojekt entwickelt sich
zaghaft eine Freundschaft und irgendwann tiefere Gefühle. Bei
Besuchen in Bens Wohnung bleibt es nicht aus, dass Nika irgendwann im
Badezimmerschrank Windeln und Einweg-Katheter entdeckt. Sie
beobachtet, wie Ben, wenn er aufgeregt ist, Spasmen erleidet. Doch
Nika lässt sich nicht abschrecken. Sie recherchiert im Internet,
nimmt die Herausforderungen, die sich ihr stellen, an und ist bereit,
den Alltag mit Ben gemeinsam zu bestreiten.
Hinzu kommt, dass sowohl Ben, als auch
Nika, Mütter haben, die es den Kindern nicht leicht machen. Nikas
Mutter ist nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr die lebenstaugliche
Frau von früher. Sie zieht sich tagsüber fast nur in den Keller
zurück, um dort zu arbeiten. Ihren Kindern gegenüber wirkt sie oft
gleichgültig. Die drei jungen Brüder von Nika haben längst
gelernt, auf ihre Schwester zu hören. Nika ist nur froh, dass ihre
Großmutter ihr eine wertvolle Stütze im Alltag bietet. Doch was
ist, wenn ihre Oma irgendwann verstirbt? Wer wird ihnen dann helfen?
Bens Mutter hingegen hat sich daran
gewöhnt, ihren Jungen zu pflegen und ihm alles Denkbare zu
ermöglichen. Oft fühlt sich Ben in ihrer Gegenwart wie ein
Kleinkind. Bens Mutter ist nicht begeistert, als sie erfährt, dass
Ben eine Freundin hat. Sie fürchtet den Kontrollverlust.
Diese Schwierigkeiten prägen den
Alltag von Ben und Nika und doch sind beide bereit zu kämpfen. Doch
eines Tages passiert etwas, was beide nicht geplant haben und was
selbst die starke Nika zum Einknicken zwingt.
Eigene Meinung:
Die Geschichte wird aus der Perspektive
von Ben und Nika geschrieben. Beide Charaktere sind mir sehr ans Herz
gewachsen. Nika habe ich für ihren Kampfgeist und für ihre
Hartnäckigkeit bewundert. Bens Behinderung begegnet sie mit
Offenheit. Weder bemitleidet sie Ben noch beschönigt sie seine
Probleme. Bald schon steht sie bedingungslos für ihn ein. Aber auch
Ben ist bald schon bereit zu kämpfen. Sein Alltag gewinnt durch
Nikas Anwesenheit. Er flüchtet sich nicht in Trübsal, sondern nimmt
sein Schicksal an.
Die Art, wie beide Charaktere mit Bens
Lebensumständen, aber auch mit Nikas Problemen im Alltag, mit den
jüngeren Brüdern und der depressiven Mutter umgehen, hat mir sehr
gefallen.
Auch hat die Autorin gut recherchiert.
Sie beschreibt, mit welchen Problemen sich ein querschnittgelähmter
Mensch im Alltag auseinandersetzen muss. Einweg-Katheter,
versehentliches Urinieren beim Geschlechtsverkehr, Windeln tragen,
weil es ansonsten im Alltag zum Malheur kommen kann oder auch Spasmen
in den ungünstigsten Momenten, thematisiert sie in ihrer Geschichte.
Hinzu kommen die Probleme des Alltags. Nicht nur die Mütter stellen
ein Hindernis dar, auch das erweiterte Umfeld, wie die Mitschüler,
betrachten die Beziehung von Nika und Ben mit kritischem Blick. Und
dennoch wirkt das Buch auf keiner Seite düster oder deprimierend. Es
wirkt eher lebensbejahend und mutmachend.
Auch die Liebesgeschichte, die sich
zwischen Nika und Ben entspinnt, hat mir unglaublich gut gefallen. Zu
Anfang sorgte gerade Nikas Hartnäckigkeit für den ein oder anderen
Schmunzler bei mir. Trotz Bens Bemühen, sie abzuwimmeln, bleibt sie
am Ball. Nicht umsonst hat sie einen Kurs in Communication Skills
belegt. Im weiteren Verlauf imponierte mir Bens Schlagfertigkeit. Er
lässt sich nicht durch Sprüche, ob seiner Behinderung runterziehen.
Er kontert geschickt. Nach und nach kommen sich Nika und Ben sehr
viel näher. Langsam, ja nahezu zaghaft, entwickelt sich ihre
Beziehung. Die Art, wie beide miteinander umgehen, war sehr schön zu
beobachten.
Im hinteren Teil des Romans gibt es
einen Tiefschlag, der für eine Menge Spannung sorgt. Ich habe mit
beiden Protagonisten sehr gelitten und für ihre Beziehung gehofft.
Ob es ein Happy End gab oder nicht, das möchte ich an dieser Stelle
jedoch nicht verraten.
Fazit:
Du
+ ich = Liebe ist eine Liebesgeschichte zwischen einem
querschnittsgelähmten Jungen und einem Mädchen, das den tägliche
Kampf
gegen Überforderung und Hilflosigkeit aus ihrer Familie gewohnt
ist. Mehr und mehr
erfahren sie so über das Leben des anderen und die
Schicksalsschläge, die sie beide erlitten haben.
Die
Geschichte beider Protagonisten zeigt, wie man mit Krankheit oder
Schicksalsschlägen
fertig wird. Eine Abhandlung über Lebenseinstellungen
und Wertvorstellungen.
Die Geschichte zwischen Ben und Nika kommt auf keiner der Buchseiten
düster daher. Vielmehr wird durch die Erzählung eine
lebensbejahende Stimmung vermittelt.
Du
+ Ich = Liebe ist eine wundervolle und mutmachende Geschichte, die
ich jedem Leser empfehlen möchte, der eine Liebesgeschichte
der etwas anderen Art sucht.
Buchzitate:
„Kann ich dich mal was
fragen?“, sage ich, während ich ein paar Kissen zur Seite räume
und mich aufs Sofa lege. „Noch was?“, stöhnt er. „Hast du kein
Erbarmen mit mit? Ich glaube, ich bin völlig ausgefragt.“
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Liebe:
Charaktere:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
Ich
danke dem Verlag herzlich für die Bereitstellung des
Rezensionsexemplars