Rezension zu Der Junge auf dem Berg von John Boyne
Verlag: FischerSeitenzahl: 320
Format: Hardcover
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-7373-4062-5
Übersetzer: Ilse Layer
Altersempfehlung des Verlages: Ab 12 Jahren
Abgeschlossene Erzählung
Inhalt:
Nach
dem Tod beider Eltern muss Pierrot erst seine Freunde und sodann
seine Heimat verlassen. Sein Weg führt ihn in ein Waisenhaus in
Frankreich. Kurze Zeit später meldet sich seine Tante und holt den
Jungen nach Deutschland auf den Berchtesgadener Berghof
– Adolf Hitlers
Sommerresidenz.
Als
Hauswirtschafterin für Hitler, bekleidet diese eine gute Position.
Pierrot soll sich in Gegenwart des Hausherrn ruhig verhalten und
seine eigene Vergangenheit nicht erwähnen.
Bald
schon findet der „Führer“ Gefallen an dem Jungen, der sich so
gut mit seinem Schäferhund versteht. Bald gerät der Junge
unter den Einfluss des charismatischen Despoten. Pierrot
ist es wichtig sich dem Hausherren als würdig und treu zu
beweisen.
Wichtigste Charaktere:
Adolf
Hitler wird aus der Sicht von Pierrot dargestellt. Dieser kann auf
jeden Fall eine Orientierung
in seinem Leben
vertragen und findet schnell Gefallen an der dunklen Vaterfigur.
Pierrot wird Zeit
seines Lebens immer von der Wahrheit abgeschottet. Er verliert schon
früh beide Eltern und weitere Bezugspersonen.
Um Hitler seine
Treue zu beweisen, ist er zu allem bereit – auch zum Verrat.
Die
Abgründe, die sich in diesem Protagonistentyp verbergen und seine
Verführbarkeit
zum Bösen sind eine Parabel für die generelle Verführbarkeit
des Menschen.
Schreibstil:
Der Junge auf dem Berg ist eine
Geschichte, die wahre Tatsachen in eine fiktive Erzählung einwebt.
Mit einem locker-leichtem und zugleich fesselndem Schreibstil gelingt
es John Boyne den Leser an die Buchseiten zu binden.
Als Protagonist begleiten wir hier
einen siebenjährigen Jungen, der in Paris aufgewachsen ist. Pierrot
hat einen Großteil seiner Jugend in Gesellschaft seines besten
Freundes Anshel verbracht. Einem tauben Jungen jüdischer Abstammung.
Während die Mutter eine gebürtige Französin war, stammte der Vater
ursprünglich aus Deutschland. Er hat im Krieg gekämpft und trug
seinen Stolz auf sein Vaterland auf der Zunge. Die Ereignisse aus der
damaligen Zeit, aber auch seine allgemeine Unzufriedenheit betäubte
Pierrots Vater mit dem übermäßigen Konsum von Alkohol. Folge waren
Streit in der Familie und Handgreiflichkeiten gegenüber der Ehefrau
sowie der anschließende Selbstmord.
Pierrot, der zu dem Zeitpunkt noch
recht jung war und den Vater anhimmelte, versuchte diesem stets
gerecht zu werden. Gerne wollte er ihn mit Stolz erfüllen.
Nach dem Tod der Mutter durchläuft
Pierrot einzelne Stationen. Er wird von seinem besten Freund
getrennt, kommt in einem Waisenhaus unter und wird schließlich von
seiner Tante nach Deutschland an den Berghof geholt. Hier lernt
Pierrot im weiteren Verlauf Adolf Hitler kennen.
John Boyne gelingt es in seiner
Geschichte einen Jungen zu zeigen, der durch die Geschehnisse, durch
seine Naivität und auch die elterliche Prägung eine enorme
Entwicklung durchlebt. Glaubhaft schildert der Autor den
schleichenden Prozess und zeigt, wie ein Junge all die Menschen, die
er einst geliebt hat, zum Teil verliert und zum anderen Teil verrät;
wie er Teil eines großen Verbrechens wird. Zum Teil durch
Nichtwissen, zum Teil durch Naivität, zum Teil weil er einfach nur
dazugehören möchte.
Pierrot liebte seinen Vater und wollte
diesem stets gerecht werden und mit Stolz erfüllen. Als er Adolf
Hitler kennenlernt, erkennt er Parallelen zu seinem eigenen Vater.
Auf der Fahrt von Frankreich nach Deutschland, aber auch in der Zeit
davor, wird Pierrot oft für seine geringe Größe gehänselt. Er
wird nicht nur einmal Opfer von Schikanen. Pierrot möchte aus diesem
Schema ausbrechen. A. Hitler bietet dem Jungen das Ansehen und die
Möglichkeiten, um gesehen und respektiert zu werden. Dafür jedoch
muss Pierrot sich seinen Wünschen und Vorstellungen anpassen. Durch
die Tante, die ihm einerseits verbietet, über die Vergangenheit zu
sprechen und dem einzigen Freund in Frankreich, Anshel, Briefe zu
schreiben, wird es Pierrot noch etwas leichter gemacht sich dem neuen
Leben und den wenigen Möglichkeiten auf dem Berghof anzupassen.
Immer wieder durchlebt Pierrot
Situationen, die er nicht zu deuten weiß. Hier ist ihm der Leser,
der die geschichtlichen Ereignisse kennt, deutlich voraus. So
versteht Pierrot nicht, warum die Mutter von Anshel ihn nach dem Tod
der Eltern nicht aufnimmt sondern ihn in ein Heim abgibt.
Auf einer Zugfahrt muss Pierrot
zusehen, wie ein Mann aus seinem Abteil geschmissen wird, obwohl noch
genügend Plätze frei sind. Einfach, weil eine Frau das verlangt.
Auf dem Berghof muss Pierrot seine
Vergangenheit verdrängen und sogar den Namen wechseln. Er möchte
nicht Peter heißen und dennoch duldet die Tante hier keinen
Widerspruch. Fast bekommt man als Leser Mitleid mit dem Jungen. Fast
kann man verstehen, dass er mit Adolf Hitler, der zwar streng ist,
aber ihm nach und nach Vertrauen schenkt, sympathisiert.
Über 320 Buchseiten deckt der Autor
verschiedene Zeitspannen der Geschichte ab. Der erste Teil schildert
die Ereignisse im Jahr 1936, der zweite Teil deckt die Zeit von 1937
bis 1940 ab und im letzten Teil begleiten wir Pierrot durch die Jahre
1941 bis 1945. Nun mag man denken, dass diese wenigen Seiten nicht
ausgiebig die ganze geschichtlichen Hintergründe zu Genüge abdecken
können. Diese Bedenken sind begründet. Da Pierrot jedoch den
Großteil seiner Zeit auf dem Berghof, abgeschottet von den
Erlebnissen außerhalb verbringt, reicht dieser Platz aus, um seine
Sicht der Dinge zu schildern.
Fazit:
Der Junge auf dem Berg ist eine Geschichte über einen siebenjährigen
Jungen, der durch verschiedene Schicksalsschläge in die Nähe von
Adolf Hitler gelangt.
Wir
erleben die Verführbarkeit
des Jugendlichen
für fundamentalistische Weltanschauungen. Die
erschreckende Darstellung jugendlicher Verführbarkeit ist sehr
lebensnah dargestellt.
Die Suche nach
einer neuen Vaterfigur, der Wille sich zu verändern und aus der
Opferrolle auszubrechen, sind nur zwei der Faktoren, die dafür
sorgen, dass die Entwicklung des Protagonisten für den Leser
greifbar wird. Diese Geschichte zeigt, wie schnell eine Situation
kippen und wie leicht man vom Opfer zum Täter werden kann. John
Boynes locker-leichter und zugleich fesselnder Schreibstil mit
zeitloser und zugleich bewegender Thematik macht dieses Buch zur
perfekten Schullektüre.
Diesem Buch ist eine große, kritische
und junge Leserschaft zu wünschen.
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Charaktere:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
Ich danke dem Verlag herzlich für die Bereitstellung des Leseexemplars




































