Freitag, 1. Juni 2018

Durchgelesen: Das Mädchen, das in der Metro las

Rezension zu Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Féret-Fleury


 Verlag: Dumont (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 176
Format: Hardcover
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 978-3-8321-9886-2
Übersetzer: Sylvia Spatz
Abgeschlossene Erzählung








Inhalt:

Jeden Morgen fährt Juliette mit der Metro die Strecke von ihrer Wohnung bis zur Arbeit. Jeden Morgen beobachtet sie die Menschen um sich herum, wie sie in ihren Büchern lesen. Da gibt es den äußerlich unscheinbar wirkenden Mann, der jeden Tag in einem Buch über Insekten liest oder die Frau, die auf Seite 247 ihres Buches weinen muss. Juliette genießt die Fahrt und diese kurze Zeit, die sie hat, um den Alltag zu verlassen und sich ihren Gedanken hinzugeben, welche Geschichte hinter den gelesenen Büchern, aber auch hinter deren Lesern stecken mag.

Eines Tages wagt Juliette einen kleinen Umweg. Sie durchbricht die selbstauferlegten Regeln ihres Alltags und folgt einem Mädchen, welchem sie durch einen Zufall auf der Straße begegnet ist und welches sie nun zu locken scheint. Bald schon wird Juliette ein eigenes kleines Abenteuer erleben und ihrem Leben eine kleine, unerwartete Wendung geben.



Schreibstil:

Mit einem fast schon poetischen, auf jedem Fall sehr kunstvollen und bildlichen Schreibstil, erzählt Christine Féret-Fleury eine Geschichte über Juliette, das Mädchen, das in der Metro las. Sie schreibt eine Liebesgeschichte über Bücher und ihre Geschichten. Mit ihren Worten motiviert sie auch mal einen Moment inne zu halten, die Schönheit des Lebens wahrzunehmen und vielleicht mit einer kleinen Veränderung ein eigenes Abenteuer zu starten.

Juliette ist eine Protagonistin, die schon auf den ersten Seiten ein wenig aus der Reihe fällt. Sie trägt eine Sonnenbrille in Schmetteringsform und einen Schal, den ihre Großmutter 1975 für die Tochter gestrickt hatte. Mit ihren Überlegungen und Träumen wirkt sie ein wenig wie eine Außenseiterin, wie die stille Beobachterin, die in ihrer eigenen fantastischen Welt sehr glücklich ist.

Oft denkt das Mädchen sich eigene Geschichten aus. Ihre Gedanken und somit auch die Erzählung, die der Leser verfolgt, sind nicht selten sprunghaft. Beim Lesen des Buches fragte ich mich des Öfteren, welchem Handlungsstrang ich nun folgen soll. Einige Fäden werden in diesem Buch aufgenommen und dann wieder fallen gelassen. Und dennoch bleibt, nach dem Lesen der letzten Seite und dem Zuklappen des Buchdeckels, eine zauberhafte Geschichte und auch eine sehr schöne Botschaft zurück.

Juliette lernt in diesem Buch einige neue Menschen kennen, die ihr helfen, ihren Weg zu finden. Sie verbringt mit einigen eine längere Zeit. Mir erschienen diese Nebencharaktere eher wie kurzweilige Begleiter eines Lebensabschnittes. Von einigen dieser Charaktere bekommt sie Botschaften mit auf den Weg, andere verhelfen ihr dazu, eine Richtung einzuschlagen, die sie sich noch nicht zu gehen getraut hatte.

Einige Ratschläge oder Sätze in diesem Buch wirkten für mich auf den ersten Blick romantisch und schön und dennoch musste ich mich beim erneuten Lesen fragen, welche Botschaft damit ausgesprochen werden sollte. So bekommt Juliette zum Beispiel den Ratschlag erteilt, alle Bücher zu lesen, die ein neuer Freund aufbewahrt hat. Und danach soll sie die Geschichten darin einfach wieder vergessen. Ich fragte mich, wie die Botschaft des Textes zu verstehen ist.
Was soll die Protagonistin, bzw. was kann ich als Leser, daraus lernen? Vielleicht, dass immer ein Teil der Geschichte in einem zurückbleibt ? Warum wird die Empfehlung den Inhalt wieder zu vergessen ausgesprochen? Sollte man nicht eher versuchen möglichst viel der gelesenen Geschichte in Erinnerung zu behalten? Soll durch diesen Tipp die Botschaft vermittelt werden, dass es sinnvoller und entlastender sein kann loszulassen? Nicht selten hätte ich mir, bei diesem Buch, welches voller schöner Worte und auch Ratschlägen steckt, ein wenig mehr Hilfe gewünscht. Doch diese Hilfe wird der Leser hier nicht finden. Vielmehr muss er selbst deuten und ein wenig zwischen den Zeilen lesen.



Fazit:

Mit „Das Mädchen, das in der Metro las“ erzählt die Autorin eine lebhafte, oft plaudernde Geschichte, die von einer Episode zur nächsten hüpft und dabei den situativen Anlass immer wieder mal aus den Augen zu verlieren droht. Dem Leser kommt dabei die Verantwortung zu, den roten Faden in der Geschichte aufzuspüren. Daran darf er sich nicht stören. 
Die Protagonistin Juliette ist eine Träumerin, ein in sich verschlossener Mensch, der bislang immer ein sehr strukturiertes Leben geführt hat und nun durch eine kleine Fügung des Schicksals einen neuen Pfad beschreitet und gewollt aus ihrem Alltag herausfällt.

Letztlich besteht die große Leistung dieses Buches in dem unwiderstehlichen Reiz, sich als Leser immer wieder neu zur Re-Lektüre einladen zu lassen, um neue, spannende Querverbindungen und Interpretationen zu entdecken.

Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an Bücher, an die Geschichten hinter den Geschichten und an die Träumer unter uns. Ich empfehle dieses Buch an Leser/innen, die einen poetischen Schreibstil schätzen und, wie Juliette ein wenig normal, ein wenig introvertiert und auf jeden Fall verliebt sind in die Literatur und in die Geschichten, die das Leben schreibt.



Buchzitate:

Sie hatte schon immer gern an Büchern gerochen und sie beschnuppert, besonders an den aus zweiter Hand erworbenen – auch neue Bücher rochen nicht alle gleich, es hing davon ab, welche Art von Papier und Klebstoff man verwendet hatte, aber sie erzählten noch nichts über Hände, die sie gehalten, über Häuser, die sie beherbert hatten. Sie hatten noch keine Geschichte, und zwar nicht die Geschichte, die in ihnen geschrieben stand, sondern eine zweite Geschichte, die wie ein Schatten und unbekannt war.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Botschaft:






Im Gesamtpaket:


Kommentare:

  1. Hey Tanja,

    schade das das Buch nicht ganz deinen Geschmack getroffen hat. Die Liebe zu den Büchern klingt toll, aber das andere spricht mich auch nicht unbedingt an.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Huhu Sandra,
      hier war es eben der Handlungsstrang, der für mich nicht ganz so gepasst hat. Aber das macht nichts. Es war mal ein anderes Genre, als das, was ich sonst lese und es war auch eine schöne Erfahrung. Der Schreibstil z.B. war nahezu poetisch und auch die Liebe zu Büchern ist übergesprungen :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Hallo Tanja,

    das Buch ist sofort, als ich von ihm gehört habe, auf meiner Wunschliste gelandet und verweilt da leider noch. Schade, dass die Geschichte dich dann doch nicht vollends überzeugen konnte. Deine Anliegen kann ich aber vollkommen verstehen. Ich denke, dass ich es mit dem Buch trotzdem noch einmal versuchen werde. :)

    Ganz liebe Grüße x
    Sara

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    1. Hallo Sara,
      auf jeden Fall solltest du es mit dem Buch versuchen, wenn dich die Geschichte anspricht. Die Geschmäcker sind ja unterschiedlich. Ich mochte den Schreibstil sehr. Aber irgendwie fehlte mir da ein wenig mehr, was die Handlung angeht. Ich bin sehr gespannt, wie es dir ergehen wird :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  3. Hallo liebe Tanja!

    ich habe den Sonntag genutzt um auch schon ein wenig in die Geschichte hineinzuschnuppern. Bisher finde ich sie sehr nett und sehr französisch. *grins* Das plötzliche Handlungsgehüpfe ist aber dennoch ein wenig irritierend. Na mal sehen wie es weiter geht... ;) Ich freue mich auf jeden Fall, dass du im Großen und Ganzen begeistert warst!

    Liebste Grüße
    Nina von Bookblossom

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    1. Huhu Nina,
      ich muss sagen, dass mir gerade kein Buch einfällt, dass ich gelesen habe und dass aus der Feder eines französischen Autors stammt. Ich finde das gerade sehr interessant, dass du da bereits so einen Stil ausmachen kannst.

      Das beruhigt mich, dass du, was die Handlung angehst, ähnlich empfindest. Ich habe mich schon gefragt, ob es vielleicht nur mir so ergangen ist. Ich bin sehr gespannt, was du im weiteren Verlauf darüber berichten wirst.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Liebe Tanja

    Ich bin auch schon gespannt auf das Buch, es ist ja jetzt wirklich überall zu sehen und steht seit einigen Tagen auf meiner Wunschliste.

    Schade zwar, dass es dir nicht soooo gut gefallen hat, aber da du selber sagst, dass es nicht ganz dein Genre ist, hoffe ich das Beste für mich :-)

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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    1. Huhu Livia,
      der poetische Schreibstil und die Liebe zum Buch, die in der Geschichte sehr gut vermittelt wird, haben mir sehr gefallen. Aber wie du schon schreibst: Es ist nicht mein bevorzugtes Genre und ich hatte eben ein wenig Probleme mit dem Handlungsstrang. Ich bin sehr gespannt, was du zu der Geschichte sagen wirst und drücke die Daumen, dass du viele schöne Lesestunden damit genießen wirst.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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