Dienstag, 9. Oktober 2018

Durchgelesen: Meine beste Bitch

Rezension zu Meine beste Bitch von Nataly Elisabeth Savina


Verlag: Fischerverlage (Fischer KJB) (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 288
Format: Hardcover
Preis: 16,00 Euro
Herausgeber: Tilman Spreckelsen
Altersempfehlung des Verlages: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7373-4139-4
Abgeschlossene Erzählung




Inhalt:

Seitdem ihre Mutter, eine Psychiaterin, von einem Patienten mit einer Schere angegriffen wurde, plagen Faina immer wieder gelegentliche Unruhezustände. Ob dieser Vorfall der Grund oder lediglich der Auslöser war, das weiß man nicht. Jedoch ist eins sicher, mit dem Kennenlernen von Nike, einem Mädchen, das genau weiß, was sie will, das immer nur voranstrebt und nie zurückblickt und irgendwie durch das Leben zu fliegen scheint, geht es Faina plötzlich besser. Die juckenden Achseln, das Zittern und die nervöse Niedergeschlagenheit lassen plötzlich nach. Doch als Nike ein Medizinstudium in Hamburg beginnt, verschlechtert sich ihr Zustand täglich. Zwar versprechen sich die Freundinnen fortwährende Treue, doch Faina ist zunächst erneut alleine.

Ein Eichhörnchenunfall wird sie jedoch schon bald aus ihrer inneren Einsamkeit erlösen. Auf dem Nachhauseweg begegnet Faina einem halb toten Tier. Sofort ist klar, dass sie es zum Tierarzt bringen wird. Die Ärztin blieb Faina in Erinnerung, da sie einst die mittlerweile tote Katze, der zwischenzeitlich verstorbenen Großmutter von ihren Zysten befreite und diese Zysten mit Stolz Oma und Enkelin präsentierte. Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass ein Junge vorbeikommt, dessen äußere Erscheinung an einen Nerd erinnert: Hornbrille, abgetragenes Jacket.
Julian weiß zwar, dass er nicht der Held in der strahlenden Rüstung ist, doch ist er es, der Eichhörnchen und Retterin zur Tierärztin fährt.
Dies ist der Beginn einer ganz eigenartigen Freundschaft.

Studium und Zukunftspläne, all das scheint nicht mehr so wichtig, wenn Faina nur in der Nähe von Julian sein kann. So packt sie kurzerhand ihre Sachen und reist Julian hinterher. Nach Berlin, einer Stadt, in der Julian sich als Künstler versucht. Doch niemand hat gesagt, dass eine Liebe zu einem Künstler, der stets den Zwang zur Selbstverwirklichung spürt, einfach sein wird.



Wichtigste Charaktere:

Das Meine beste Bitch-Universum setzt sich aus den skurrilen Nahaufnahmen eigenartiger Charaktere zusammen. Ihre Entscheidungen und Erlebnisse machen diesen Roman zu etwas ganz besonderem. Daher möchte ich an dieser Stelle einige von ihnen kurz vorstellen:

Fainas Mutter hat einst Philosophie studiert und arbeitet nun als Psychiaterin in einer geschlossenen Abteilung. Sie ist der festen Überzeugung, dass es auf jedes Problem auch eine Lösung gibt. Ob man sie nun in Form von Vitaminspritzen oder mit einem Gang über den Friedhof erreicht. Irgendetwas davon wird schon zum seelischen und damit auch oft körperlichen Heil führen. Trotz ihrer weltoffenen Liberalität und Zivilität findet sie für ihre Tochter oft nur harte Worte.

Achim hat ein tieferes Verständnis der inneren Spannungen und Herausforderungen, denen Faina sich stellt. Er weiß, was sie braucht, um glücklich zu sein. Doch seine ruhige und liebevolle Art scheinen Faina nicht immer zu genügen. Sie scheint das Chaos zu suchen.

Und findet es unter anderem in dem rastlosen Julian, der ihr in einigen Punkten sehr ähnlich zu sein scheint. Denn Julian ist, genau wie Faina, auf der Suche. Eine Suche nach Echtheit und Freiheit, dem Lebenssinn, der irgendwo zwischen Selbstverwirklichung, Selbsterkenntnis und Selbstdarstellung zu finden sein soll.
Er ist Künstler - durch und durch. Mit einer Schwester, die nicht selten „durchgeknallt“ wirkt, wenn sie z.B. Faina in der Wohnung einsperrt und mit einer Scherbe bedroht, hat auch er es nicht immer einfach.

Letztlich gibt es da noch Nike. Das Mädchen, das gerne Demonstrationen veranstaltet, das immer nur in die Zukunft blickt und nie zurück. Voller Lebensfreude und voller Ideen sprintet sie voran und scheint Faina dabei schon ganz zum Anfang abzuhängen. Und dennoch ist es die Beziehung zwischen Nike und Faina, eine Freundschaft, die keinen Scham kennt und die so unzerbrechlich erscheint wie ein dicker Fels, die Faina ein Stück weit Heilung schenkt.



Im Detail:

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass weder das Cover, noch der Titel dieses Buches mich auf den ersten Blick angesprochen hätten. Auch den Klappentext sollte man aufgrund Spoilergefahr vielleicht besser nicht lesen. Doch hätte ich dieses Buch nicht empfohlen bekommen und hätte ich es somit nicht gelesen, ich hätte wirklich etwas verpasst.

Meine beste Bitch ist eine ganz besondere Geschichte. Voller skurriler Momente, voller Erlebnisse und voll von schrulligen Charakteren. Nicht selten musste ich schmunzeln, den Kopf schütteln und wollte unbedingt wissen, welche verrückte Situation sich auf den nächsten Seiten wohl ergeben würde.
Ich könnte tausende davon aufzählen, doch ich möchte mich an dieser Stelle einfach mal auf zwei kleine Beispiele beschränken und danach von Herzen den Rat geben, dieses Buch unbedingt zu lesen, um all die kleinen Details selbst zu entdecken und auf sich wirken zu lassen.

Ich habe mich entschieden, euch an dieser Stelle das Cover anhand der entsprechenden Szene im Buch zu erklären. An einer Stelle im Buch treffen sich Nike und Faina. Die alte Badewanne muss noch mit selbst erwärmten Wasser befüllt werden. Nike, die stets für neue Ideen zu haben ist, entschließt sich, frische Erdbeeren hinzuzugeben. Mit einer Melone als Snack begeben sich die Freundinnen ins Wasser. Sie schießen Fotos, die später in einer Kunstausstellung Anklang finden werden.

An einer anderen Stelle, weit vorne im Buch, wird von einem Hilfsprojekt gesprochen, an dem Nike an ihrer alten Schule teilnehmen musste. Da in Peru Meerschweinchen auf dem Speiseplan stehen, sollten die Kinder entsprechende Käfige bauen. Nike, eine bekennende Vegetariern mit Meerschweinchen als Haustieren, ist empört. Kurzerhand ruft sie eine ihrer legendären Demonstrationen auf den Plan. Wie diese aussieht und ob sie letztlich fruchtet, dass möchte ich an dieser Stelle einfach mal offen lassen. Lest selbst.



Fazit:

Meine beste Bitch ist ein Buch von Kunst, Liebe und Irrsinn, das man gelesen haben sollte.
Es lassen sich diverse skurrile Charaktere finden, welche allesamt dem Geiste eines Kunstfilms entsprungen sein könnten. Wer sich auf die vielen schrägen Momente einlässt, für den ist das Buch ein grandioses Leseerlebnis.



Buchzitate:

Es sind immer die winzigen Details, die unverzichtbar werden, nie das große Ganze. Die Kleinigkeiten haften uns oft wie unsichtbare Kaktusfeigenstacheln an. Gründlich, schmerzhaft und unwiderruflich.

Nike hätte auch Geheimagentin werden können. Eine, die nur aus versiegelten Mineralwasserflaschen trinkt und Angreifer mit Handkantenschlägen vertreibt. Was strategische Pläne zur Zielfokussierung anging, war Nike unschlagbar.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Liebe:




 

Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:



Kommentare:

  1. Hallo Tanja,

    es freut mich noch immer, dass dir diese aussergewöhnliche Geschichte so gut gefallen hat. Ich durfte dich während dem Lesen ja ein wenig begleiten und schon durch deine Erzählungen zu den Charakteren kamen mir diese skurril vor. Nike würde mir glaube ich auch richtig gut als Charakter gefallen.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Huhu Uwe,
      ja, es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, mich mit dir über das Buch zu unterhalten. Ganz besonders gefreut habe ich mich, als ich dich mit der Eichhörnchenszene zum Lachen bringen konnte <3 Ich könnte gar nicht direkt sagen, wen ich von den Charakteren am Liebsten mochte. Sie hatten alle Ecken und Kanten. Achim mochte ich ja auch sehr gerne. Er war zwar etwas bodenständiger als die anderen, aber ich mochte die Art, wie er Faina versucht hat zu verstehen und wie er für sie da war :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Hey Tanja,

    das klingt ja mal echt gut. :) Das Buch hätte mich ohne deine Rezension auch überhaupt nicht angesprochen, aber jetzt werde ich es mir mal auf die Wunschliste setzen. :) Eine sehr schöne Rezension. :)

    Ich wünsche dir noch einen schönen Samstag. <3

    Liebe Grüße

    Sunny

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    1. Hallo Sunny,
      ich finde es auch sehr schade, dass Cover und Titel auf den ersten Blick nicht gerade animieren das Buch zur Hand zu nehmen. Die Geschichte ist wirklich etwas ganz besonderes. Nach dem Lesen wirst du vermutlich sowohl Cover als auch Titel mit anderen Augen betrachten :o) Ich drücke dir Daumen, dass das Buch bei dir einziehen darf und dass es dir genauso gefallen wird wie mir :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  3. Liebe Tanja

    Das Buch hätte ich wohl nie eines zweiten Blickes gewürdigt, aber deine Beschreibung und die Leseeindrücke klingen wirklich interessant. Da werde ich also doch noch einmal näher hinschauen :-)

    Alles Liebe dir
    Livia

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    1. Hallo Livia,
      ich freue mich sehr, dass ich mit meiner Rezension deine Neugierde für das Buch wecken konnte. Ich finde es ist eine sehr schöne Geschichte voller skuriller Momente und voll von schrägen Charakteren. Natürlich muss man ein wenig offen sein, für ein Buch abseits des Mainstreams. Ich bin sehr gespannt, ob du es lesen wirst und hoffe, dass du genauso viele humorvolle und schöne Lesestunden damit verbringen wirst, wie ich :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Guten Abend liebe Tanja,
    ich glaube dieses Buch hätte ich im Buchhandel gar nicht beachtet. Da finde ich es sehr gut, dass ich mir gerade die Rezi von dir durchgelesen habe und es schon ansprechend finde.
    Beim nächsten Buchhandelgang werde ich es mir mal näher ansehen.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    Andrea ♥

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    1. Huhu Andrea,
      ich habe dieses Buch bislang auch noch in keiner Buchhandlung entdeckt. Ich bin sehr gespannt, ob du es beim Stöbern durch die Gänge deiner Buchhandlung des Vertrauens finden wirst. Ich denke, dass ich Meine beste Bitch auch nicht unbedingt aufgrund des Covers und des Titels zur Hand genommen hätte. Auch der Klappentext spoilert ein wenig. Aber es lohnt sich auf jeden Fall einen Blick in das Buch zu werfen. Es gibt so viele lustige Szenen. Die Geschichte ist sehr skurril und macht einfach nur Spaß. Ich bin gespannt, ob das Buch bei dir einziehen darf :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  5. Hallo Tanja,
    ich freue mich, dass dir das Buch doch noch so gut gefallen hat. Wir haben uns ja ausgiebig darüber ausgetauscht, so dass ich auch weiß, es ist definitiv nichts für mich ^^

    Liebe Grüße Tanja

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    Antworten
    1. Huhu Tanja,

      Meine beste Bitch ist wirklich ein ganz besonderes Buch. Ich kann mir auch vorstellen, dass es nicht für jeden etwas ist.
      Ich hatte wirklich viel Spaß damit und hoffe, dass auch andere Leser diesem Buch trotz des vielleicht nicht gerade ansprechend wirkendem Cover/Titel eine Chance geben werden.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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