Donnerstag, 26. Dezember 2019

Durchgelesen: Die Geheimnisse der Welt

Rezension zu Die Geheimnisse der Welt von Lisa O' Donnell


Verlag: Dumont (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 256
Format: Kartoniertes Taschenbuch
Preis: 10,99 Euro
Übersetzer: Stefanie Jacobs
ISBN: 978-3-8321-6369-3
Abgeschlossene Erzählung









Inhalt:

Mit dem Tod von Michaels Großvater hat sich in seiner Familie einiges verändert. Er sieht seine Großmutter ständig weinen. Letztendlich kommt es zu einer Familienzusammenführung unter dem Dach seiner Eltern und Granny zieht ein. Mutter-Tochter-Beziehungen gelten zuweilen als problematisch, hier profitieren jedoch beide von der familiären Wiedervereinigung.

Michaels Heim bleibt jedoch eine Konfliktzone. Streit gibt es häufig. Michaels Vater ist weder einem sinnlosem Streit noch dem Alkohol abgeneigt. Die vier sind eine "schrecklich" normale Familie.

Doch dann kommt es zu dem Tag, der offensichtlich eine Zäsur in seinem Leben markiert. Einem Tag, an dem seine Mutter nach einem Spaziergang durch den Park weinend heimkommt. Alle weinen. Nur Michael nicht, der gar nicht versteht, was überhaupt passiert ist.

Nach und nach bekommt Michael Wortfetzen aus Gesprächen mit. Er erfährt, dass Ma einem Exhibitionisten begegnet sein soll. Die Antwort auf die Frage, was ein Exhibitionist ist, muss sich Michael hart erkämpfen. Ein Exhibitionist sei ein Mann, der anderen seinen Schniepel zeigt, wird er beschieden. Michael zweifelt die Geschichte jedoch zunehmend an.



Im Detail:

Nach dem Vorfall, den seine Mutter im Park erlitten hat, spürt Michael, dass sich alles verändert hat. Jeder in der Familie scheint ein Geheimnis zu haben. Sicherlich ist es nicht schön, einem Exhibitionisten zu begegnen. Aber rechtfertigt es das distanzierte Verhalten der Mutter, die ständige Traurigkeit und unterschwellige Aggression, die diese umgibt?

Michael versucht weitere Gespräche von Pa, Granny und Ma aufzuschnappen. Er lauscht an Türen und stellt Fragen. Doch keiner will ihm etwas verraten. Stattdessen beschwören Granny, Pa und Ma ihren Sohn, dass er niemandem etwas von dem Vorfall und von all dem, was fortan in der Familie gesagt und getan wird, verraten solle. Als Granny und Pa andeuten, dass Ma zur Polizei gehen solle, wird diese wütend. Auf keinen Fall wird sie das tun. Die Nachbarn würden schlecht über sie reden. Michael versteht die Welt nicht mehr. Jemand, der so böse ist wie der Exhibitionist, muss doch bestraft werden. Findet jedenfalls Michael.



Eigene Meinung:

Lisa O' Donnell erzählt aus der Sicht des 11-jährigen Michael die Geschichte einer Familie, die auf einer kleinen schottischen Insel lebt. Auf dieser scheint viel piefig, unerträglich und provinziell. Jeder steht im Licht der Öffentlichkeit – eine Privatsphäre bleibt meist verwehrt.

Während der Vater nach den Geschehnissen immer netter und umgänglicher wird, kapselt sich die Mutter immer weiter von der Familie ab. Nur Granny verhält sich wie immer. Ihr Essen schmeckt grässlich und sie schimpft mit Michael, wenn sie ihn beim heimlichen Belauschen der Gespräche erwischt oder wenn er schlimme Worte in den Mund nimmt.

Geschickt lässt die Autorin die Gedanken der Erwachsenen in ihre Geschichte einfließen. Der Leser schaut in die Psyche der Personen, deren Leben unter Druck steht.

Die Familienmitglieder werden zu Experten im Improvisieren und Sich-Durchwursteln. Aber dadurch, dass sie der Mutter bestmöglich zu helfen versuchen, vernachlässigen sie zugleich den heranwachsenden Jungen. Sie verlangen von Michael, dass er ein Geheimnis hüten soll, das er selbst aber noch gar nicht richtig begreifen kann, weil ihm ein wichtiges Detail in der Geschichte zu fehlen scheint.

Michael selbst versucht sich der Situation anzupassen. Natürlich möchte er die beste Freundin der Mutter beschützen, als diese beschließt, durch den Park nach Haus zu gehen. Schließlich soll sie ja nicht auch diesem bösen Exhibitionisten begegnen. Die Familie droht für immer im Abgrund des Geheimnisses zu versinken.



Fazit: 
 
Lisa O' Donnell schreibt mit „Die Geheimnisse der Welt“ eine Reportage aus dem Inneren einer Katastrophe. Ein kleines Meisterwerk. Die Bewohner der kleinen schottischen Insel, auf der diese Geschichte spielt, haben sich der zwanghaften Einhaltung einer repressiven Moral verschrieben.

Der 11-jährige Protagonist des Buches, Michael, kann sich kaum noch eine Kindheit erlauben.
Er trägt schwer an diesem Geheimnis, das direkt in den Abgrund der Geschichte führt, und alle Figuren überfordert.

Für mich ist dieses Buch – wie gesagt - ein kleines Meisterwerk. Lisa O' Donnell gelingt es, einen unglaublichen Facettenreichtum in ihrer Geschichte zu zeigen, was so beklemmend wie beeindruckend nachwirkt.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:


Kommentare:

  1. Ja ja, ich werde es ja lesen, nächstes Jahr xD Sei nicht immer so überzeugend (Scherz!) ;)

    Winterliche Grüße
    Vivka

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    1. Hallo liebe Vivka,
      du musst es lesen! Gerade, weil du von Edward Moon nun auch so überzeugt warst. Und wir müssen darüber sprechen :o)))))))

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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    2. Der SuB sagt, dass ich noch etwas mit Lesen warten muss, aber ich werde Bescheid geben ;)

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  2. Hach Tanja,

    jetzt habe ich nach Ewigkeiten mal wieder auf deinem Blog vorbeigeschaut und ausgerechnet jetzt, wo ich mir doch vorgenommen habe, über die Ferien erst einmal meinen SuB abzubauen, stellst du so ein interessantes Buch vor!
    Tja, da habe ich wohl Pech gehabt :D Mein virtueller Buch-Warenkorb ist eh schon wieder rappelvoll.

    Ich wünsche dir eine schöne Rest-Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
    Liebe Grüße,
    Isa

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    1. Hallo liebe Isa,
      ich könnte jetzt sagen, dass mir das wahnsinnig Leid tut und dir von dem Buch abraten. Auf jeden Fall tut es mir Leid, dass dein SuB nun doch noch um ein Buch wachsen musste. Aber die Geschichte ist es wirklich Wert gelesen zu werden. Ich denke du wirst es nicht bereuen. Und gute Bücher müssen doch auch erwähnt werden :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  3. Hallo liebe Tanja,

    nun komme ich endlich dazu wieder zu kommentieren.
    Nicht nur der Weihnachtsstress sondern auch eine dicke Grippe haben mich etwas außer Gefecht gesetzt.
    Zu Deinem Buch: Da gibts schon einige Themen die darin enthalten sind, sodass es sicherlich nicht nur unterhaltend sein wird sondern zum Nachdenken anregt. Der Dunmont Verlag hat ja auch immer sehr interessante Bücher mit vielschichtigen Themen.
    Auf jeden Fall gerne gemerkt.
    Ich wünsche Dir einen tollen Abend und liebe Grüße
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,
      ohje. Ich hoffe so sehr, dass es dir mittlerweile wieder besser geht und dass du die Weihnachtstage trotzdem genießen konntest. Fühl dich ganz lieb gedrückt!
      Ich glaube, du hast das schon sehr gut eingeschätzt. Diese Geschichte wirkt auf jeden Fall noch lange nach und die Geschichte wurde von der Autorin m.M. nach auch perfekt umgesetzt. Ich kann dir das Buch nur ans Herz legen.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  4. Hallo Tanja,
    deine Meinung zu dem Buch macht auf jeden Fall neugierig. Es ist aber auch gar nicht so ganz greifbar, was das Buch vielleicht so besonders macht, aber man will ja auch nicht zu sehr spoilern. Die problematische Welt der Erwachsenen aus der Sicht eines Kindes zu erleben, ist sicher spannend. Ich freu mich auf jeden Fall, dass dir dieses Buch so gut gefallen hat.
    LG Dana

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    1. Hallo liebe Dana,
      neben der Story ist es hier auf jeden Fall auch die Art, wie die Autorin die Geschichte umgesetzt hat. Lisa O'Donnell schreibt das Buch aus der Sicht des Jungen. Als Leser ist man in der Lage seine Gedanken und Beweggründe aber auch zugleich die, der Erwachsenen nachzuvollziehen. Sie geht in die Tiefe, ohne zu langweilen. Die Geschichte wirkt sehr realistisch und glaubhaft.

      Ich freue mich, dass ich deine Neugierde wecken konnte, obwohl du noch nicht ganz ausmachen konntest, was für dich das gewisse Etwas der Geschichte sein könnte. Lies es und du wirst vermutlich besser verstehen, warum ich es so genial fand. ;o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  5. Das Buch kannte ich bisher noch gar nicht, aber es klingt auf jeden Fall sehr spannend!
    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr <3
    xx
    Sarah

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    1. Hallo liebe Sarah,
      ich bin auf das Buch auch nur deswegen aufmerksam geworden, weil ich zuvor schon Bienensterben von der Autorin gelesen hatte. Beide Bücher kann ich dir nur ans Herz legen. Wobei Die Geheimnisse der Welt vielleicht noch eine Nasespitze weiter vorne liegt.

      Ich wünsche auch dir einen wunderschönen und gesunden Start ins neue Jahr.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  6. Huhu Tanja,

    das klingt wieder nach einem sehr interessanten Buch. :) So wäre es mir niemals aufgefallen, aber nun nach deiner Vorstellung landet es glaube auf meiner Wunschliste. :) Eine wirklich schöne Buchvorstellung. :)

    Ich wünsche dir schon mal einen guten Rutsch ins neue Jahr. <3

    Liebe Grüße

    Sunny

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    1. Hallo liebe Sunny,
      ich habe auch so ein wenig das Gefühl, dass Buch und Autorin nicht ganz so bekannt zu sein scheinen. Ich kann dir "Die Geheimnisse der Welt" nur ans Herz legen. Es ist wirklich ein kleines Meisterwerk und auf jeden Fall auch ein Lesehighlight.

      Ich wünsche auch dir ein wundervolles und gesundes 2020 mit vielen schönen Erlebnissen und nur den schönsten und spannensten Büchern auf dem Lesestapel <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  7. Hallo liebe Tanja,

    über das Buch haben wir uns ja schon unterhalten, auch wenn ich es nicht gelesen habe *grins*

    Ich kann mir gut vorstellen, wie es für Michael ist, nicht genau zu wissen, worum es geht und dieses gegen Außenstehende zu verschweigen. Die Thematik ist wirklich sehr bewegend und es freut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo lieber Uwe,

      ohja, ich danke dir noch einmal für dieses ausführliche und schöne Gespräch. <3

      Die Perspektiven der einzelnen Figuren im Buch hat die Autorin wirklich hervorragend dargestellt. In Michael konnte ich mich sehr gut hineinversetzen.

      Bücher der Autorin kann ich dir, mit einer bisherigen Erfahrung von zwei gelesenen Geschichten, die mir beide außerordentlich gut gefallen haben, also nur ans Herz legen. Vielleicht liest du ja irgendwann mal Bienensterben :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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