Mittwoch, 7. April 2021

Durchgelesen: Vom Präsidenten zum Hartz IV

Rezension zu Vom Präsident zum Hartz IV von Slavik Junge 

 

Verlag: Benevento (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 240 Seiten
Format: Hardcover
Preis: 20,00 Euro
ISBN: 978-3710901072







Inhalt:


Mark Filatov, einem breiten Publikum besser als Slavik Junge bekannt, ein kreativer Kopf und ein Tausendsassa der Unterhaltungsformen, ist unter die Autoren gegangen. Mit “Vom Präsident zum Hartz IV“ legt er eine fiktive Autobiografie vor.

In dieser beantwortet er die Frage, was wäre, wenn ein Mitglied des Prekariats, dem Zufall oder Schicksal geschuldet, plötzlich Präsident von Kasachstan ist. Jemand, der kein milieuspezifisch angeeignetes kulturelle Kapital mitbringt, der kein Geld, keine politische Bildung, dafür aber Jogginghose und Adiletten besitzt. Jemand, der streetsmart und nicht booksmart ist.

Von dem Moment an, als er bei seiner Geburt die Krankenschwester angepisst hat („das roch schon damals nach Erfolg, Blyat!“) zeigt der Gang des Lebens, was ihm von Geburt an vorbestimmt ist: Erfolg.

Ein Leben, das von gefälschten Adiletten, über Meetings mit Wladimir Putin, zum E-Shisha rauchen mit der Queen führt.



Meinung:


Den Streit gibt es wohl schon so lange wie es Bücher gibt. Die einen verachten Dichtung als Legenden, die vorsätzlich Unwahres verbreiten, die anderen bewundern sie als fantasievolle Kunst.

Mark Filatov, 2020 Gewinner Deutscher Comedypreis für die beste Comedy-Serie für Slavik – Auf Staats Nacken, nimmt diese Differenzierung zwischen Wirklichem und Möglichem in seinem Erstlingswerk bewusst auf die Hörner. In “Vom Präsident zum Hartz IV“ bleibt am Ende nichts unklarer als die Grenze der Fiktion.

Als Mark Filatov im vergangenen Jahr den Preis erhielt, nahm er ihn im Jogginganzug entgegen. „Um ein Zeichen zu setzen, dass man die Leute, die anders sind, nicht sofort verurteilen muss. Und dass die auch mich sehen, in diesem Jogginganzug – und verstehen, das kannst du auch schaffen.“

Das Buch spiegelt diese Philosophie. Am Ende läuft es im Leben meistens auf eine sehr einfache Wahrheit hinaus: Der Gewinner gewinnt, der Verlierer verliert. Wenn einem das Glück von Beginn an weniger hold ist, dann kann man generell in unser Gesellschaft nur sehr wenig dagegen machen. Man hat sich dem ungewollten Ausgang zu fügen. Das sind die Spielregeln, das ist der Lauf der Dinge in unser Gesellschaft.

Denkste! Durch den durchaus gelungenen Dreh der Story stellt Mark Filatov klar, dass es nicht so sein muss.



Fazit:


Geht man davon aus, dass Kunst keinen unmittelbaren Zweck erfüllt und immer nur auf sich selbst verweist, kann „Vom Präsident zum Hartz IV“ als authentische Groteske überzeugen. Will man hingegen diesem Werk eine zentrale These entnehmen, so wird man auch nicht enttäuscht. Viele gehen davon aus, dass Sozialverbände aus strukturellen Gründen immer zu einer Elitenbildung führen. Ob diese Annahme stimmt, hinterfragt Mark Filatov auf humorvolle Weise.

Bevor Sie zu dem Buch greifen, noch ein Wort der Warnung: Im besten Fall teilt man den Humor des Verfassers. Auch die linguistische Rebellion des Autors, der harte Worte für schwierige Zeiten liefert, könnte Normdeutsch gewöhnten Lesern die Lust am Buch verderben. Die ästhetische, sprachliche und soziale Verortung des Werks stellt eine Einstiegsbarriere dar.

 


Kommentare:

  1. Hallo Tanja

    Ich habe von dem Autor bzw. Comedian bislang noch nie etwas gehört, deshalb kannte ich sein Buch auch nicht. Ich muss gestehen, dass mich der Klappentext nicht wirklich angesprochen hat, weil ich nicht ganz nachvollziehen kann, worum es geht. Als ich dann deine Meinung zum Buch gelesen habe, konnte ich zumindest ein bisschen die Beweggründe des Autors für dieses Buch nachvollziehen, aber trotzdem verstehe ich noch nicht so ganz, worum es geht. :D Gesellschaftkritik? Satire? Fiktion? Wie hat dir denn das Buch gefallen? Irgendwie konnte ich das nicht so richtig rauslesen aus der Rezension? :D

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo Mel,
      vorab: Das Buch ist absolute Geschmackssache. Mein Geschmack war es nicht. Wenn man den Humor des Autors allerdings teilt, kommt es sehr kurzweilig daher.

      Im Wesentlichen geht es um eine überzeichnete Aufsteigergeschichte. Das Buch lebt allerdings nicht von seiner Geschichte sondern von vielen kleinen lustigen Momenten. Die teilweise chaotisch aneinandergereiht sind.

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Liebe Tanja,

    ich kenne den Comedian nicht, das Buch hört sich aber witzig und durchaus gesellschaftskritisch an!

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo liebe Desiree,
      ich kannte den Comedian zuvor auch noch nicht. Das Buch ist Geschmackssache. Slavik Junge hat auf jeden Fall einige Fans :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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