Mittwoch, 24. November 2021

Durchgelesen: Rettet Steve! ... und die Welt

Rezension zu Rettet Steve! … und die Welt von Jenni Hendriks & Ted Caplan

 

Verlag: Fischerverlage (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 336
Format: Paperback
Preis: 14,99 Euro
Übersetzer: Kattrin Stier
Altersempfehlung des Verlages: Ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-8414-2171-5
Abgeschlossene Erzählung






Inhalt:


Gemeinsam hatten Cam und Kaia an einem Projekt zur Rettung der Santa Clara Wetlands teilgenommen. Die Planungen hierfür absorbierten den ganzen Sommer. In diesem anspruchsvollen Unterfangen freundeten sich die beiden jungen Umweltschützer an. Cam empfindet allerdings mehr als Freundschaft für Kaia. Nun waren sie wieder daheim und Cam ging der Gedanke, wie er Kaia endlich seine Gefühle gestehen könnte, einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Als Kaia eines Tages auf Cam zukommt und fragt, ob dieser zu Steve's nächster legendärer Party kommen würde, will dieser erst ablehnen. Doch Kaias Begeisterung ist ansteckend und Cam ist so hochgradig verliebt, so dass nur ein Wort, ja ein einziger Blick reicht, um ihn weich werden zu lassen.

Vor Ort bewahrheiten sich allerdings Cams schlimmste Befürchtungen. Der Typ, der bekannt dafür ist, dass er an keinem Schließfach vorbeigehen kann, ohne einen Penis darauf zu malen, steht nun direkt auf einem Sprungbrett am hauseigenen Pool, mit einem Mikrofon in der Hand, und rappt zur Musik von Cardi B. Er ist der Mittelpunkt der Party und der inoffizielle Chef.

Das erste Zusammentreffen von Steve und Cam ist katastrophal. Steve zieht ein Paintballgewehr und schießt ohne Warnung auf den Neuankömmling. Die Gäste amüsieren sich, Cam ist verstört. Jedoch setzt er seine Suche nach Kaia auf der Party fort. Dumm nur, dass Steve ihn dabei vermeintlich unterstützen möchte.

Als Cam Kaia mit Hilfe von Steve, der keine Möglichkeit auslässt, um seinen neuen “Spielkameraden“ vorzuführen, endlich trifft, erwartet ihn jedoch die schlimmste Überraschung des Abends. Kaia, das Mädchen, für das Cam alles tun würde, fällt Steve in die Arme.

Nachdem Cam den Schock überwunden hat, steht für ihn aber fest, dass er Kaia so schnell nicht aufgeben wird. Er möchte ihr Herz erobern. Doch muss er hierfür an Steve vorbei. Einer Persönlichkeiten wie Niccolò Machiavelli, nur mit einer X-Box.



Meinung:


Zugegeben: Der Klappentext des neuesten Buches von Jenni Hendriks & Ted Caplan hat mich anfangs nicht angesprochen. Ein Junge, der Krebs hat, und sich als absoluter Fiesling herausstellt. Ein Protagonist, der bereit ist, diesem Jungen die Freundin auszuspannen. Bereits nach der Lektüre des Klappentextes befürchtete ich, dass dem Buch eine Figur mit Identifikationspotential fehlt.
Dennoch habe ich mich, nachdem ich bereits den Titel „Unpregnant“ aus der Feder des Autorenduos gelesen habe, an dieses Buch herangewagt.

Auf den ersten Seiten lernt man den Protagonisten Cam kennen, der in den höchsten Tönen von dem Mädchen schwärmt, das mit ihm bereits einige Projekte im Umwelt- und Tierschutz angegangen ist. Kaia ist tough. Sie ist immer an vorderster Front dabei, wenn es darum geht, etwas Gutes zu tun. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund.

Cam lebt gemeinsam mit seiner Mutter zusammen. Einer Frau, die der Meinung ist, dass ihr Junge seine eigenen Erfahrungen sammeln muss. Sie unterstützt ihren Sohn dabei, wenn dieser sich mit Leib und Seele für gemeinnützige Zwecke engagiert. Jedoch erhält Cam von ihr auch nicht unbedingt Orientierung. Auch scheint seine Mutter nur wenig Zeit für ihn zu haben. Cam, der, gerade im Vergleich zu Steve eher introvertiert und zurückhaltend wirkt, der nur wenig Freunde hat, sucht in der Not Rat und Trost bei seinem Idol. Sein Schrein ist ein Foto von Michelle Obama auf seinem Nachttisch.

Cam möchte eigentlich nur eines: Sich für seine Projekte einsetzen und das am liebsten dauerhaft mit Kaia. Diese jedoch hat ihr Herz ausgerechnet an Steve verschenkt.

Als Kaia eines Tages weinend vor Cam steht, wittert dieser seine Chance: Haben sie und Steve vielleicht Schluss gemacht? Doch das, was Kaia Cam kurz darauf gesteht, übertrifft Cams schlimmste Erwartungen. Steve hat Krebs.

Kaia und Cam beschließen spontan eine Spendenaktion für Steve ins Leben zu rufen. Beide jedoch aus völlig unterschiedlicher Motivation heraus. Während Cam alles tun würde, um Kaia glücklich zu machen und eben nur ihr Herz erobern will, ist Kaias Ziel viel offensichtlicher: Sie möchte – wie stets – etwas Gutes bewirken. Als Steve von dem Plan der beiden erfährt, wittert er sofort, was Sache ist: Cam will ihm seine Freundin ausspannen.

Es bricht ein unerbittlicher Kampf um den Platz an Kaias Seite aus, wobei Cam, eindeutig stets auf der Verliererseite steht. Steve nutzt ihn als Spielball für allerlei Gemeinheiten. Ziel ist es, Cam systematisch und nachhaltig fertig zu machen.

Jenni Hendriks & Ted Caplan provozieren mit ihrer Geschichte. Sie rütteln jedoch auch zugleich wach. Selbstverliebte Menschen mit Geltungsdrang, wie Steve, knüpfen schneller Kontakte und werden umgehend populär. Als Resultat beklatschen oder befördern wir sie. Steve ist der Junge, der zu manipulieren weiß. Gegenüber Kaia und seinen Freunden zeigt er seine gute Seite. Nur Cam und der Leser scheinen sein “wahres Ich“ zu sehen.

Als Leser fühlte ich Ekel, Wut und Mitleid. Letzteres jedoch eher für Cam als für Steve.

Das Buch hat viel Drama, welches oftmals übertrieben daherkommt, jedoch genau dadurch seinen Unterhaltungswert bekommt.



Fazit:


Jenni Hendriks & Ted Caplan lieben es zu provozieren. Das merkt man als Leser schnell.Wie oft hat man schon gehört: Ich habe Sinn für Humor - aber: das geht zu weit! Nun, da wo es denen zu weit geht, da fängt der Humor für die beiden erst an.

Das Buch stellt im Großen und Ganzen aber keine seichte Unterhaltung dar. Es hat vielmehr den Anspruch mehr zu sein. Teilweise werden aber Stereotype und Klischees sehr überspitzt dargestellt.Wenn man aber darüber hinwegsehen kann, vielleicht ja sogar danach sucht, dann hält man mit dem Werk ein äußerst unterhaltsames Buch in der Hand. Die Erwartungshaltung ist also maßgeblich.

Neben der bekannten sprachlichen Finesse ist es insbesondere die Fähigkeit des Autorenduos aus Figurenbeschreibungen heraus die Geschichte zu entwickeln und die Protagonisten aufeinander treffen zu lassen, um zu sehen, wie deren Beziehung eskaliert.



Kurzgefasst:


Spannung/Action: 



 

Liebe/Freundschaft: 





Charaktere: 





Handlungsstrang: 



 

Schreibstil: 





Im Gesamtpaket: 







13 Kommentare:

  1. Huhu Tanja,

    auf deine Meinung zu dieser Geschichte war ich bereits sehr neugierig. Ich muss mich dir ja total anschließen, dass mich der Klappentext zunächst abschrecken würde. Die Hauptfiguren klingen bis auf Kaia nicht unbedingt sympathisch oder moralisch korrekt.

    Umso spannender war es eben für mich zu lesen, dass die Autoren damit eine ganz eigene Botschaft kreiert haben. Ich vermute weiterhin, dass die Geschichte nicht unbedingt meinem Beuteschema entspricht. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn du mir per Sprachnachricht noch ein bisschen über das Buch berichten magst. =)

    Ganz liebe Grüße
    Leni

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    1. Hallo liebe Leni,

      Cam war mir jetzt auch nicht gerade unsympathisch. Als ich den Klappentext gelesen habe, war ich betreffend seines Charakters aber auch sehr skeptisch. Kaia hingegen war mir auch gleich am sympathischten. Ich würde ja auch sagen, dass sie die Vernünftigste war. Aber das war sie leider nicht immer ;o)

      Die Sprachnachricht an dich ist schon raus :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Hallo liebe Tanja,

    puh, ich glaube im Buchhandel hätte ich niemals nach diesem Buch gegriffen, weil mich das Cover leider so überhaupt nicht "anmacht" mit der blanken Kehrseite direkt im Mittelpunkt :D Ist sicher Geschmackssache! Leider trifft auch der Klappentext nicht unbedingt meinen Geschmack, deshalb wird es bei diesem Buch wohl beim kleinen - aber sehr interessanten - Exkurs durch deine Rezension bleiben ;)

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo liebe Lisa,

      ich bin ganz bei dir. Das Cover hat mich auch auf den ersten Blick nicht unbedingt angesprochen. Aus den von dir genannten Gründen ;o)

      Auch was den Klappentext angeht, bin ich bei dir. Ich hatte ein wenig Angst, dass ich mit den Charakteren im Buch und auch mit dem "schweren Thema" Krebs in diesem Zusammenhang meine Schwierigkeiten haben würde.

      Ich fand es sehr interessant, was die Autoren aus der Geschichte gemacht haben. Wer den Vorgänger gelesen hat, weiß, dass J.H. und T.C. es lieben zu provozieren und die Moralvorstellungen des Lesers zu hinterfragen. Ich denke man muss dem Buch eine Chance geben. Ich fand es sehr interessant zu beobachten, welches Gedanken durch das Lesen bei mir losgelöst wurden.

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  3. Guten Morgen Tanja, danke für den Buchtipp. Ich bin derzeit voll auf den Hörbuchtripp. Ich weiß auch nicht, warum. Weil ich das nebenbei machen kann. Aber dennoch finde ich, dass ein richtiges Buch nichts ersetzen kann. Ich wünsche Dir einen schönen Tag. Liebe Grüße Jana

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    1. Hallo liebe Jana,
      ich habe mich schon so oft an Hörbüchern versucht und würde so gerne öfters welche kaufen. Allerdings habe ich festgestellt, dass ich mich beim Hören weniger konzentrieren kann. Lesen funktioniert bei mir einfach besser. Ein guter Sprecher/eine gute Sprecherin kann einer Geschichte mit der eigenen Stimme nochmal einen ganz besonderen Charme verleihen. Ich wünsche dir viel Freude beim Hörbuch hören :o)

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Hallo Tanja

    Das ist mal ein gewagtes Buchcover, das zumindest sofort ins Auge sticht. Ich weiss aber nicht genau, was ich davon halten soll. Die Geschichte, die du beschreibst, hätte ich aber hinter der dem Cover nicht erwartet, wenn ich ehrlich bin. :D Mit dem Humor hast du mich neugierig gemacht. Inwiefern geht er denn zu weit und wie ist er bei dir angekommen?

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo liebe Mel,

      das hast du sehr schön gesagt. Ich glaube die Autoren wollten mit diesem Cover, genauso wie mit dem Klappentext provozieren.

      Was den Humor angeht: In der Geschichte wird vieles überspitzt dargestellt.
      Vielleicht kann man es mit dem Humor von American Pie vergleichen?

      Liebe Grüße
      Tanja

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    2. Ah okay, dann ist das Buch wohl eher nichts (mehr) für mich. In der Pubertät fand ich American Pie lustig, aber heute entspricht das nicht mehr unbedingt meiner Art von Humor. :D War aber auch zu erwarten, bei dem Cover ;D

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  5. Hallo Tanja,
    wir haben ja schon ein wenig über das Buch gesprochen... es wäre nicht meine Lektüre, fürchte ich. Ich schätze, ich könnte mich an den Aktionen, die die da veranstalten einfach nicht wirklich erfreuen, sondern fänd das eher dämlich und unnötig... Jemandem helfen zu wollen, ist zwar ein gutes Vorhaben und gerade wenn man eben nicht mit einem Gesundheitssystem "arbeitet", in dem man nicht alles selbst tragen muss, sicher auch nötig. Aber dafür hätte man sich ja auch weniger gefährliche/idiotische Sachen überlegen können...
    Auch die Entwicklung der Figuren wäre nicht in Gänze meins gewesen... Auch wenn es Aspekte gibt, die wachrütteln sollen und können und vielleicht auch zum Nachdenken bringen... ich glaube trotzdem, ich hätte nicht so viel Spaß mit dem Buch. Einen Einblick zu bekommen, war aber trotzdem interessant :)
    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo liebe Dana,
      ich bin ganz bei dir. Muss aber nochmal klarstellen, dass Cam vermutlich von alleine diese Aktionen auch niemals für die Spendenaktion ins Leben gerufen hätte. Er war in einer Misere, die ihn dazu gezwungen hat mitzuspielen. Aber ich muss auch sagen, dass ich spätestens nach der zweiten (vermutlich schon nach der ersten) Aktion gesagt hätte: Ich oute mich. Da mache ich einfach nicht mehr mit.

      Was die Entwicklung der Figuren angeht, bin ich bei dir. Ich muss sagen, dass ich die ein oder andere Entscheidung einfach nicht nachvollziehen konnte. Lassen wir mal Steve außen vor. Der war "der Bösewicht". Aber von Cam und Kaia hätte ich mir stellenweise ein anderes Handeln gewünscht. Aber vermutlich wollten die Autoren hier auch den Leser ein wenig "provozieren" ;o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  6. Vom Text her hätte ich gesagt: hatten wir schon. Aber nach deiner Beschreibung hört es sich sehr interessant und vor allem nach einer doch anderen Geschichte an.
    Das Buch hätte ohne dich ganz sicher keine Chance, bei mir einzuziehen, denn das Cover spricht mich so gar nicht an :p

    Ich wünsch dir

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    1. Hallo liebe Sigrid,

      kann ich verstehen. Das Cover und auch der Klappentext haben mich auf den ersten Blick auch nicht angesprochen. Die Geschichte provoziert und nicht alle Charaktere sind hier sympathisch. Das muss man mögen ;o)

      Ich wünsche dir einen schönen ersten Advent.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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