Samstag, 18. Juni 2016

Nachgefragt

Interview mit Wolfgang Wiesmann (Autor)



Hallo ihr Lieben,

durch eine sehr nette Anfrage des Autors bin ich auf sein Werk „Rotkäppchens Rückkehr“ gestoßen. Die Geschichte klang schon vom Klappentext her nach einem sehr humorvollen Werk. Ich war neugierig, was es mit den Bremer Rockern, der dementen Zauberin und dem Club der bösen Frauen auf sich hat. Wolfgang Wiesmann hat mich mit seinem Roman sehr positiv überrascht.

Während der Geschichte musste ich mehrfach Schmunzeln und zum Schluss hatte ich doch einige Fragen an den Autor, die ich unbedingt loswerden wollte. Umso mehr freute ich mich, dass Wolfgang sich bereit erklärte, an meinem Interview teilzunehmen.

Seine Antworten fand ich sehr interessant. Besonders überraschend fand ich, dass der Autor seinen Roman vorweg kaum plant, sondern seine Gedanken gleich aufs Papier bringt. Auch seine Ansicht zu klassischen Märchen und der Grund für die Wahl seiner Charaktere war für mich sehr erhellend.

Aber lest selbst, was Wolfgang Wiesmann auf meine Fragen geantwortet hat :o)

Ganz liebe Grüße

Eure Tanja :o)



Hallo Wolfgang,

ich durfte vor kurzem dein Buch „Rotkäppchens Rückkehr“ lesen. Besonders gefiel mir der Humor und die Geschichte rund um die Helden, die nach ihren großen Erlebnissen in der Vergangenheit sehr unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben.
 

Mich würde sehr interessieren, wie du auf dieses Thema gekommen bist. Hast du als Kind auch so gerne die bekannten Märchen von Rotkäppchen & Co. gelesen bzw. von deinen Eltern vorgelesen bekommen?

Liebe Tanja, ich habe vier Kinder und war Hausmann. Da habe ich den Kindern abends selbst erfundene Geschichten erzählt. Du magst jetzt denken, oh die armen Kinder, aber ich bedauere heute sehr, dass all die Geschichten „verloren“ gegangen sind. Manchmal habe ich auch Grimms Märchen vorgelesen. Es hieß damals (vor 35 Jahren) dass die Märchen gut für die Kinderseele seien. Das sehe ich heute anders. Ich würde sie nicht mehr vorlesen.


Welches ist von der Vielzahl der von dir genannten Märchen deine Lieblingsgeschichte?

Rotkäppchen und der Wolf ist absolute Spitze. Das ist alles dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass es schon wieder glaubhaft klingt. Stell dir vor, du triffst dich im Bauch des Wolfes mit deiner Großmutter. Da muss man einfach was draus machen und wenn es etwas ist, dass die alten Geschichtenerzähler am Bart zieht.


Warum hast du gerade Rotkäppchen für die Rolle der Protagonistin gewählt?

Rotkäppchen wurde auch von vielen amerikanischen Filmautoren als Protagonistin gewählt. Sie verkörpert das Wunderwesen, das sich einmischen will, aber auch wegen seiner Jugendlichkeit verletzbar ist. Sie ist eine ideale Figur für die Entwicklung eines Charakters.



Dornröschen wird in deinem Buch als Bösewicht dargestellt. Was hältst du von der klassischen Märchenfigur. Wieso hast du gerade sie für die Rolle der „Bösen“ gewählt?

Ich brauchte eine bekannte Figur, um für Rotkäppchen, die als moralische Instanz gilt, einen Gegenpart zu schaffen. Außerdem ergab sich aus dem Märchen die Figur der dementen Zauberin.


Rotkäppchen und Malte diskutieren an einer Stelle sehr ausgiebig über Emanzipation. Ist das ein Thema, welches auch dich sehr beschäftigt?

Allerdings. Ich habe zwei Sachbücher geschrieben, die sich mit Emanzipation beschäftigen. Aber vor allem aus meiner 15-jährigen Zeit als Hausmann ist mir das Thema quasi auf den Leib geschrieben.


Du schreibst Krimis, Märchen und Sachbücher. Eine sehr interessante Mischung. In welchem der drei Genres fühlst du dich am wohlsten?

Eigentlich mag ich das Schreiben von Sachbüchern, weil ich durch meinen Lebenslauf viel gelernt habe und das gerne weitergeben möchte. Als mein ersten Krimi „Du musst dran glauben“ herauskam und ich viel Lob durch Bekannte erntete, schrieb ich Krimis, im letzten Jahr drei. Im Moment beende ich einen Regio-Angel-Krimi aus meiner Heimatstadt Haltern.

 
Wie arbeitest du? Planst du den Plot sehr ausgiebig, bevor du mit dem Schreiben beginnst oder schreibst du direkt drauf los? Arbeitest du mit Hilfsmitteln (einem besonderen Schreibprogramm, Bilder als Vorlage für die Charaktere oder Settings etc.)?

Ich schreibe drauflos. Mein Konzept passt auf eine DIN A4 Seite. Nur eins muss stimmen: ich habe das Gefühl, dass mich das Thema reizt und ich habe auch einen gewissen Grad an Kenntnissen.


Welches deiner Bücher hat dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht und warum?

Der „Hunde-Krimi“, der jetzt im Oktober Verlag erscheint. Titel: Biss um Biss. Ich liebe Hunde und deswegen sind Hunde auch in diesem Krimi die Hauptdarsteller.

 
Welche Ziele hast du dir als Autor gesetzt? Gibt es eine bestimmte Anzahl von Büchern, die du gerne schreiben möchtest? Gibt es ein Genre, an welches du dich gerne noch mal heranwagen möchtest?

Ich habe keine Angst vor einem Genre. Allerdings gibt es für mich eine große Enttäuschung und das ist die enge Sicht der Verlage. Da wird beschnitten und abgekanzelt. Es bleibt zu wenig Raum für wirklich kreative Autoren.


Zum Abschluss würde ich mich freuen, wenn du mir und meinen Lesern noch kurz verraten würdest, welches ein persönlicher Lieblingsautor ist. Welches Werk sollte deines Erachtens jeder einmal im Leben gelesen haben?

Mit dieser Frage bin ich total überfordert. Ich habe vielleicht in meinem Leben 20 Bücher gelesen, außer natürlich wissenschaftlichen Bücher während meiner Studienzeit. Der größte Autor für mich ist Shakespeare. Die Vielseitigkeit, die Tiefe und den Humor Shakespeares halte ich für bis heute unübertroffen.


Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, an dem Interview teilzunehmen.

Für die Zukunft wünsche ich dir weiterhin viel Freude am Schreiben und Lesen. :o)

Danke auch, liebe Tanja.

Herzliche Grüße,
Wolfgang


Wenn du nach diesem Interview noch etwas mehr über die Vita des Autors und seine Werke erfahren möchtest, dann läd die Seite Books2Love zum Stöbern ein.

Kommentare:

  1. Huhu Tanja,

    das war mal wieder ein sehr interessantes und informatives Interview. Man erkennt schon an den Antworten des Autors, dass er einen humorvollen Schreibstil besitzt. Dass ihn gerade die Szene, in der Rotkäppchen ihre Großmutter im Bauch des Wolfs trifft, so inspiriert hat, finde ich mehr als interessant. Allein durch dieses Interview hätte ich schon direkt Lust auf diese Märchen-Adaption. Gerade Dornröschen als Bösewicht, macht sehr neugierig. Das hört sich auf jeden Fall nach einem vielseitigen Autor an!

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Huhu Leni,
      ich hatte eine Menge Spaß mit diesem Märchen und ich glaube auch, dass es wirklich in erster Linie Wolfgangs Schreibstil zu verdanken ist. Er bringt die Dinge auf den Punkt. Rotkäppchen ist auch ziemlich direkt und ziemlich robust. Das hat total Spaß gemacht :o)
      Wolfgang W. hat auch noch andere Bücher geschrieben. In erster Linie Krimis. Dies ist (bislang) sein einziges Märchen. Ich finde aber, dass er sich ruhig nochmal an dieses Thema heranwagen könnte :o)

      Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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