Montag, 30. Dezember 2019

Durchgelesen: Wer ist Edward Moon?

Rezension zu Wer ist Edward Moon? von Sarah Crossan


Verlag: Mixtvision (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 400
Format: Hardcover
Preis: 17,00 Euro
Übersetzer: Cordula Setsman
ISBN: 978-3-95854-140-5
Altersempfehlung des Verlages: Ab 14 Jahren
Abgeschlossene Erzählung








Inhalt:

Zum ersten Mal seit zehn Jahren bittet Edward seinen kleinen Bruder Joe in einen Brief darum, ihm einen Besuch abzustatten. In einer Todeszelle in Texas wartet Edward auf seine Hinrichtung. Nun steht der Termin fest. Noch zwei Monate sind es, die ihm Zeit bleiben, um Abschied zu nehmen. Zwei Monate in denen es noch eine Hoffnung auf Besserung zu geben scheint. Wird es gelingen, in letzter Sekunde im Instanzenzug eine Aufschiebung oder sogar Begnadigung zu erwirken?

Der Vorwurf gegen Ed wiegt schwer. Er soll vor Jahren einen Polizisten erschossen haben. Doch während Ed seine Unschuld beteuert, glauben ihm nicht mal seine engsten Verwandten. Die Tante ist überzeugt, dass Ed den Mord begangen hat. Joe merkt, dass ihm immer häufiger Zweifel überkommen. Dennoch zögert er keinen Moment, als ihn der Brief des Bruders erreicht. Er packt seine Sachen und fährt nach Wakeling, um seinem Bruder einen letzten Wunsch zu erfüllen.



Im Detail:

Bei „Wer ist Edward Moon?“ handelt es sich um ein Jugendbuch, das ein düsteres Bild der US- amerikanischen Gegenwart zeichnet. Es geht um einen Jungen, der wegen einer Tat, von der er behauptet, sie nicht begangen zu haben, im Todestrakt einsitzt. Zwei Monate sind es, bis das Urteil vollstreckt werden soll.

Man hat nie das Gefühl, sich inmitten einer leichten, unbeschwerten Lektüre für Kinder zu befinden. Detaillierte Schilderungen einer Hinrichtung und das Leid bzw. die Ängste, die sowohl Edward als auch seine Familie durchstehen müssen, lassen mich zu der Einschätzung gelangen, dass dieses Buch eher für die Zielgruppe „erwachsene Leser/innen“ geeignet ist.

Sarah Crossan erzählt die Geschichte ihres Buches aus der Perspektive des kleinen Bruders von Edward Moon. Joe ist in einer Familie ohne Vater aufgewachsen. Die Mutter schaut den lieben langen Tag lang Dauerwerbesendungen im Fernsehen. Sie geht nicht mehr zur Arbeit und nimmt Tabletten. Für Joe war sein großer Bruder eine enge Bezugsperson. Fast so etwas wie ein Vaterersatz. Nur kam Edward nie wirklich gut mit der Mutter zu Recht. Irgendwann musste die Situation eskalieren. Edward verlässt das elterliche Haus. Später tut es ihm die Mutter gleich, Joe bleibt zurück mit seiner Schwester und seiner Tante, die die Kinder unter einem strengen Regime aufzieht.

Als bekannt wird, dass Edward einen Mord an einem Polizisten begangen haben soll, wird dieses Geschehen in der Familie totgeschwiegen. Joe hört Jahre nichts von seinem großen Bruder. Als dann ein Brief von ihm eintrifft, muss Joe erst einmal seine Gedanken ordnen.
Was ist damals wirklich passiert? War Edward so unschuldig, wie er behauptet? Gibt es für den Bruder überhaupt noch eine Rettung? Drei Instanzen können ihn vor der Todesstrafe bewahren, doch ohne Geld und ohne den Anspruch auf einen Pflichtverteidiger kann Edward den Rechtsmittelweg nicht beschreiten. Joe und seine Schwester haben selbst kaum Geld, um über die Runden zu kommen. Dennoch zögert Joe keine Sekunde und macht sich auf die Reise, um Edward seinen Wunsch zu erfüllen und ihn im Todestrakt zu besuchen.

Sarah Crossan schreibt ihren Roman in einem gewöhnungsbedürftigem Schreibstil. Schon beim Aufklappen des Buches fällt auf, dass die Geschichte optisch wie ein Gedicht aufgebaut ist. Die Sätze reimen sich jedoch nicht und lesen sich wie eine klassische Geschichte weg.

Als Joe in Wakeling eintrifft, lernt er einen gottverlassenen Landstrich kennen. Die Hoffnung, dass Edward seiner Hinrichtung entgehen kann, ist nicht allzu groß. Hinzu kommt die Angst vor der Entfremdung durch die Zeit der Trennung, die das erste Wiedersehen der Brüder überschattet.



Fazit:

Sarah Crossan schickt den Leser in „Wer ist Edward Moon?“ auf eine atemlose Tour de Force durch verpfuschte Leben. Das Buch zieht den Leser mitten ins düstere Geschehen. Wie soll, wie kann man Abschied nehmen, wenn eine Behauptung im Raum steht, die man zwar verneinen, aber nicht widerlegen kann?

Die Geschichte ist deshalb weniger eine unterhaltsame Freizeitlektüre für kindliche Leser als vielmehr ein absolut empfehlenswertes Angebot für Erwachsene, die sich auf jeden Fall mit einem Päckchen Taschentücher rüsten sollten.

Was laut Buchrücken als harmlose Kindergeschichte daherkommt, ist eine knallharte Anklage des US-Justizwesens. Gelungene Gesellschaftskritik und eine tiefgründige Reflexion der Figuren bilden einen fesselnden Gesamtkomplex, der „Wer ist Edward Moon?“ zu einer absoluten Leseempfehlung macht.



Buchzitate:

Du kannst alle möglichen Fakten über jemanden kennen – Größe, Gewicht, wie er sein Frühstücksei mag -, aber du wirst nie Gewissheit darüber haben, was ihn in seinem Herzen umtreibt.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Liebe:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:


Kommentare:

  1. Liebe Tanja,

    vielen Dank für deine Buchvorstellung und den Austausch darüber per WA.
    Ein wirklich sehr erschreckendes und berührendes Buch.
    Erst jetzt habe ich gesehen, dass Sarah Crossan die Geschichte geschrieben hat. Von ihr habe ich damals die Dystopie "Breathe" gelesen, welche mir wirklich gut gefallen hat. Tja so klein ist doch die Welt. ;-)
    Falls wir uns nicht mehr lesen/schreiben/hören wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hallo liebe Sandra,
      Breathe sagt mir gerade nur ganz wage etwas. Von der Autorin habe ich zuvor noch gar nichts gehört oder gelesen (meine ich zumindest). Dass dir die andere Reihe von ihr aber auch so gut gefallen hat, spricht definitiv dafür, sie nun auch auf die Wunschliste zu setzen, gerade weil mir Wer ist Edward Moon? so zugesagt hat :o)
      Ich danke dir dafür, dass du dich mit mir über das Buch unterhalten und dir meine Ausführungen so interessiert angehört hast!

      Ich wünsche dir und deiner Familie auch einen wunderschönen Start ins neue Jahr. Ich freue mich schon auf den Austausch und die schönen Gespräche mit dir in 2020 <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Absolute Leseempfehlung ja, aber nicht für Jugendliche, zumindest nicht pauschal. Das Buch war mega krass und es hallt eine ganze Weile nach, bis man es wenigstens ein wenig ruhen lassen kann, zumindest empfand ich das so.

    Nüchtern, hart und so voller Emotionen - ein Highlight dieses Jahr!

    Winterliche Grüße
    Vivka

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    1. Hallo liebe Vivka,
      deinen Kommentar kann ich unterschreiben.Auch ich würde dieses Buch eher älteren Leser/innen empfehlen wollen. Auch ich finde, dass die Thematik und auch die Umsetzung in der Geschichte keine leichte Kost waren.
      Auf jeden Fall ein Lesehighlight!

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  3. Liebe Tanja,
    wenn ich das Buch nicht schon längst auf meinem Wunschzettel hätte, würde es spätestens jetzt dort landen. Danke für den tollen Einblick.
    Ich wünsche dir einen guten Rutsch und ein zauberhaftes neues Jahr. <3
    Liebst, Hibi

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    1. Hallo liebe Hibi,
      ich freue mich, dass du das Buch bereits auf den Wunschzettel notiert hast. Ich denke die Geschichte wird dir sehr gut gefallen. (Auch, wenn es keine leichte Kost ist). Wir müssen uns unbedingt nochmal darüber unterhalten, wenn du die Geschichte gelesen hast. <3

      Ich wünsche auch dir ein wunderschönes und gesundes neues Jahr <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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    2. Das werden wir, liebe Tanja.
      Alle lieben Wünsche für dieses neue Jahr. <3
      Hibi

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  4. Hallo liebe Tanja,

    nicht nur mit deinen Sprachnachrichten via WA hast du mich auf das Buch neugierig gemacht, sondern nun auch mit deiner Rezension. Es reizt mich ja schon, dieses zu lesen, aber irgendwie schreckt mich der von dir angesprochene gewöhnungsbedürftige Schreibstil ab. Mal schauen, wie ich mich entscheiden werde. Vielen Dank auf jeden Fall für deine Vorstellung.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo lieber Uwe,
      ich freue mich so sehr, dass dich meine Rezension neugierig gemacht hat. Diese Geschichte ist einfach grandios und gehört definitiv auf den Lesestapel. Ich musste den Schreibstil erwähnen, weil er wirklich gewöhnungsbedürftig ist. Bitte lass dich davon aber nicht abschrecken. Es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Du wirst mit einer Geschichte belohnt, die dich noch lange danach nicht loslassen wird.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  5. Liebe Tanja,

    da verbirgt sich ja ein riesiges Überraschungspaket in dem Buch, das hätte ich von der Aufmachung her gar nicht erwartet. Beim Thema Gedichsstil war ich erst raus, aber du schreibst ja, dass es sich wie eine normale Geschichte liest. Ich werde das Buch definitiv im Auge behalten!

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo liebe Desiree,
      ich finde auch, dass das Cover auf den ersten Blick recht unbeschwert wirkt. Ganz im Gegensatz zu der Geschichte. Dass du dich von dem in Gedichtstil verfassten Text erstmal abgeschreckt gefühlt hast, kann ich verstehen. Es ging mir ganz genauso. Ich wusste vor dem Lesen des Buches nicht, dass die Seiten in dieser Optik verfasst sind. Es fiel mir auch erst schwer mich damit anzufreunden. Aber es lohnt sich auf jeden Fall sich darauf einzulassen. Man kommt irgendwann rein und tatsächlich lesen sich einige Szenen durch diesen Aufbau sogar noch intensiver. Du solltest das Buch definitiv im Auge behalten. Ich hatte den Jahresrückblick bereits verfasst, als ich Edward Moon gelesen habe. Sonst wäre das Buch vermutlich auch noch als Highlight gekürt worden. Ich denke, das spricht für sich :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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