Donnerstag, 1. Oktober 2020

Durchgelesen: Zufällig vorherbestimmt

Rezension zu Zufällig vorherbestimmt von Sandhya Menon


Verlag: Carlsen (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 448
Format: Klappbroschur
Preis: 15,00 Euro
Übersetzer: Anne Brauner
Altersempfehlung des Verlages: Ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-551-58413-7
Abgeschlossene Erzählung





Inhalt:


Dimple arbeitet an der Verwirklichung ihrer Jugend- und Lebensträume. Ihr großer Traum, an der Stanford University für das Informatikstudium angenommen zu werden, ist in Erfüllung gegangen.

Ihre Eltern hegen unterdessen ihre eigenen Pläne. Denn auch Rishi, der Sohn einer befreundeten Familie, wird die Universität besuchen. Dies befördert die Absicht der Eltern, ihre Tochter endlich mit einem adretten Junggesellen zu verkuppeln.



Meinung:


Auf „Zufällig vorherbestimmt“ bin ich im Rahmen einer Buchvorstellung aufmerksam geworden. Besonders angesprochen hat mich der Blick auf den sagenhaften indischen Subkontinent.

Auf den ersten Seiten des Buches lernt der Leser die Protagonistin Dimple kennen. Dimple ist eine sehr eigenwillige, stellenweise auch sture und auf jeden Fall impulsiv handelnde junge Frau, die täglich gegen die traditionell geprägten Vorstellung ihrer Eltern ankämpfen muss. Gerade Dimples Mutter ist im Vergleich zum hierzu geradezu verständnisvoll wirkendem Vater nicht einfach. So verlangt sie von ihrer Tochter, dass diese auf ihr Äußeres achten, sich schminken, die Brille gegen Kontaktlinsen eintauschen und überhaupt auch viel mehr lächeln sollte.

Als Dimple das elterliche Haus verlassen und die Universität besuchen darf, ist sie voller Vorfreude auf das Studium in Stanford. Ein besonderes Highlight stellt für Dimple der Wettbewerb der „Insomnia Con“ dar. In diesem Jahr gilt es eine App zu entwickeln. Den Gewinner erwartet ein Treffen mit Jenny Lindt, die einst eine milliardenschwere Meeting-Space-App nebst Website entwickelt hat und für Dimple ein großes Vorbild darstellt. In Aussicht gestellt wird zudem, dass die legendäre App-Entwicklerin mit dem Gewinner eine Partnerschaft eingehen, dessen App marktreif machen und die Werbung finanzieren wird.

Bereits am ersten Tag trifft Dimple auf Rishi. Dieses erste Treffen verläuft ereignisreich. Denn Rishi ist der Überzeugung, dass seine zukünftige Ehefrau von dem Arrangement der Eltern weiß. Und hier gab es dann auch schon den ersten Kritikpunkt für mich. Denn auf Rishis Ansprache „hallo, zukünftige Ehefrau“, bekommt er auch prompt einen Becher kalten Kaffee ins Gesicht geschüttet. Die Angesprochene schafft hier keinen „Vermittlungsraum“, in dem „unterschiedliche Meinungen“ aufeinanderprallen könnten, sondern rennt gleich darauf weg, nur um sich kurze Zeit später mit einem Zettel zu bewaffnen, mit dem sie den vermeintlichen Stalker „ritzen“ kann.

Dieses Beispiel mag pars pro toto für das weitere Verhalten von Dimple, gerade in Bezug auf Rishi, stehen. Sicherlich war Rishis erste Ansprache etwas forsch. Für mich erschien der Junge jedoch in seinem Handeln stets nachvollziehbar. Immer wieder gibt er sich Mühe, Dimples Aufmerksamkeit zu erlangen. Ja, er stellt sogar seine Wünsche und Träume gegenüber denen seiner Mitmenschen und ganz besonders gegenüber denen seinen Eltern und Dimples hintenan. Ein Verhalten, dass Dimple absolut fern liegt.

Leider fiel es mir schwer, Dimple mit ihrer impulsiven, sturen und oft störrischen Art ins Herz zu schließen. Rishi machte es mir da schon viel einfacher. Der Junge versucht den Wünschen seiner Eltern gerecht zu werden. Die indische Tradition ist ihm wichtig. Doch zugleich wirkt Rishis Charakter auch nicht langweilig. Denn heimlich geht der Junge einer ganz wundervollen Leidenschaft nach: Dem Zeichnen von Comics.

Sandhya Menon gelingt es dem Leser einen kleinen Einblick in die indische Kultur zu vermitteln. So fließen öfters Sätze auf Hindi in die Geschichte ein, die Dimple oder Rishi mit ihren Eltern wechseln. Auch einzelne Begriffe, traditionelle indische Gerichte und kulturelle Elemente wie die von den Eltern arrangierte Ehe, fließen immer wieder in die Geschichte ein.



Fazit:


„Zufällig vorherbestimmt“ ist, was das Cover auch spiegelt, ein farbenfroher, humorvoller und lebendiger Blick auf die indische Kultur.

Mit Dimple und Rishi erschafft die Autorin zwei sehr gegensätzliche Charaktere. Nur fehlt es an einer weiblichen Identifikationsfigur, dieser mangelt es auch an Nuancen.

Der bodenständige, verträumte Rishi kommt dagegen sympathisch und sehr lebendig daher.

Das Buch bietet überdies mitreißende Einblicke in die Kultur und Mentalität Indiens und in das, was man sich angewöhnt hat, Generationskonflikt zu nennen.

Interessiert man sich für traditionelle Geschlechterverhältnisse und deren Durchbrechung, dann wird man ebenfalls fündig. Angenehm nimmt sich hier der Verzicht auf Pauschalisierungen aus.

Das alles ist durchaus amüsant und daher eine Leseempfehlung.



Buchzitate:


„Schließlich hast du ihr den Platz überlassen“, sagte Rishi. „Obwohl sie dich mit dem Schirm verprügelt hat.“ „Vielleicht auch genau deswegen“, sagte Ma wissend.

Er lächelte, aber wieder so schwach wie eben. Er hatte seinen Schwung verloren. Ihretwegen hatte er seinen Schwung verloren.



Kurzgefasst:


Spannung/Action:





Liebe:





Charaktere:





Handlungsstrang:





Schreibstil:





Im Gesamtpaket:







Kommentare:

  1. Ich tue mich ja immer etwas schwer, wenn ich mit dem Protagonisten nicht so ganz warm werde. Da haben es dann leider sogar gute Stories oftmals schwer...

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    1. Hallo Christine,
      das kann ich nur zu gut verstehen. Ich mochte Rishi sehr gerne. Aber mit Dimple hatte ich wirklich so meine Schwierigkeiten.

      Liebe Grüße
      Tanja

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  2. Guten Abend liebe Tanja,
    das Buch hört sich nach einer schönen und vielseitigen Lektüre an.
    Freut mich, dass Du so eine angenehme Leseunterhaltung hattest und gleichzeitig die Gepflogenheiten Indiens kennen gelernt hast.
    Allgemein sind Geschichten aus diesem Land immer von einer ganz besonderen Atmosphäre, was sich in dem Cover bereits widerspiegelt.
    Liebe Grüße und eine angenehme Nachtruhe
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,
      die Geschichte spielte nicht in Indien, aber die beiden Protagonisten waren indischer Herkunft, so dass man als Leser einen kleinen Einblick in die indische Kultur bekommen hat :o)
      Gerade dieser Punkt hat mich an der Geschichte auch sehr gereizt.

      Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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  3. Guten Morgen liebe Tanja,

    das Buch aus dem Carlsen Verlag ist irgendwie total an mir vorbeigegangen. Das farbenfrohe Cover weckt in einem aber sofort die Lust in die Geschichte hineinzustöbern.
    Zudem finde ich es toll, dass den Lesern die indische Kultur nähergebracht wird. Ob die Generationskonflikte so nach meinem Geschmack wären, wage ich aber zu bezweifeln.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hallo liebe Sandra,
      ohja, das farbenfrohe Cover hat mich auch sehr angesprochen. Aber vor allem auch das Versprechen, dass die Geschichte etwas mehr über die indische Kultur preisgibt :o) Also die Mutter von Dimple war schon ... speziell ;o)

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Hallo Tanja,

    oh, irgendwie habe ich gar nicht mitbekommen, dass das Buch auf Deutsch übersetzt wurde. :o Im Original will ich ich es eigentlich schon seit längerem lesen, zumal ich eigentlich nur positive Meinungen dazu gehört habe ... vielleicht schaffe ich das ja irgendwann endlich mal. :D

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo liebe Dana,
      das Buch wurde auch erst ganz frisch in deutscher Sprache veröffentlicht. Wirst du es auf deutsch oder auf englisch lesen?
      Ich bin gespannt, was du dazu sagen wirst, solltest du es lesen. Ich hatte ja so meine Schwierigkeiten mit Dimple. Dafür mochte ich Rishi sehr gerne :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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    2. Falls ich es jemals schaffen sollte, es zu lesen, dann vermutlich im Original, da ich ja mittlerweile die meisten englischsprachigen Bücher versuche im Original zu lesen. ^^

      Hab ein schönes Wochenende! :)

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    3. Sehr vorbildlich. Ich hadere ja auch immer noch mit mir irgendwann mal ein Buch auf englisch zu lesen. Ich denke einige Geschichten kommen dann nochmal ganz anders rüber. Aber es gibt eben auch so viele gute Bücher und ich fürchte beim Original müsste ich zu oft das Wörterbuch zur Hand nehmen und ich bräuchte vermutlich Ewigkeiten um es durchzulesen :o)

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    4. Bei mir war es sehr viel Übungssache, klar, am Anfang fiel es mir schwer und ich musste viel nachschlagen, aber irgendwann wurde es flüssiger. :x Aber ich kann verstehen, dass du weniger Lust hast, dich durchzukämpfen. :)

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    5. Ja, vermutlich ist es eine reine Übungssache. Aber man muss den Schweinehund natürlich erstmal überwinden. Eine Freundin versucht mich schon seit längerer Zeit konsequent dazu zu überreden mal ein Buch in englisch zu lesen.Das ist schon ein kleiner Insider zwischen uns. Mal sehen, wann ich "schwach" werde ;o)

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  5. Hallo Tanja,
    von dem Buch hatte ich bisher noch gar nicht gehört, deshalb erst einmal vielen Dank für die Vorstellung. Trotz deiner kleinen Kritikpunkte klingt der Roman wirklich sehr interessant!
    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Hallo liebe Sarah,
      ich bin gerade überrascht, dass dieses Buch scheinbar doch an einigen vorbeigegangen ist. Die Geschichte ist definitiv lebendig und interessant. Mit Dimple hatte ich so meine Probleme. Aber dafür war Rishi wieder ein Charakter, der mir gut lag.

      Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende :o)

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  6. Hallo Tanja :)

    Ich habe das Buch auch noch auf dem SuB und deshalb nur dein Fazit gelesen. Klingt auf jeden Fall nach einer kurzweiligen Geschichte und ich bin sehr gespannt auf den kleinen Einblick in die indische Kultur!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

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    1. Hallo liebe Lisa,
      ich bin sehr gespannt, was du zu der Geschichte sagen wirst. Ich empfand sie als sehr lebendig, hatte jedoch so meine Schwierigkeiten mit der Protagonistin. Aber dafür mochte ich den männlichen Part sehr. Solltest du es lesen, lass es mich wissen :o)

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  7. Huhu Tanja,

    ich finde es immer doof, wenn man mit den Charakteren nicht warm wird. Da leidet die Geschichte dann immer sehr drunter finde ich. Freut mich dennoch, dass dir die Geschichte ansonsten ganz gut gefallen hat. :)

    Liebe Grüße

    Sunny

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    1. Hallo liebe Sunny,
      für mich ist es auch wichtig, dass ich mich auf irgendeine Art mit der/dem Protagonisten identifizieren kann. Hier hatte ich zumindest Rishi und im Nachhinein eine Menge Diskussionspotential :o) Dimple ist in ihrem Handeln auf jeden Fall nachvollziehbar. Aber sie hat oft Dinge gemacht oder gesagt, die mich im "realen" Leben genervt hätten.
      Das war auf eine gewisse Art auch spannend "zu beobachten" ...

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  8. Danke für die Rezension...Der Buchrückeninhalt und die Wortwahl sind gut geeignet für mein nächstes Rhetorik Seminar und dazu hat man noch was schönes zum Lesen:)

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