Donnerstag, 7. Januar 2021

Kaffeeklatsch zum Thema "Testlesen"


Kommen bei euch öfter Bücher im Rahmen der Rubrik testgelesen auf den Prüfstand? Ich habe bislang noch nicht allzu viele Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt. Und dennoch möchte ich behaupten, dass ich mir schon ein ungefähres Bild davon machen kann, wie ein Testlesevorgang abläuft. Heute möchte ich mit euch über dieses Thema sprechen. Besonders interessiert mich, ob ihr schon Erfahrungen im Bereich des Testlesens gemacht habt und wie kritisch ihr an solch ein Projekt herangeht/herangehen würdet. 


Es gibt sicherlich viele Gründe, warum man Bücher schreiben sollte. Bücher zu schreiben, ermöglicht es dem Autor Zeit in der Fiktion zu leben, hoffentlich ein schöner Ort.

Tausende Autoren dürfte es in unserem Land geben, die schreiben, schreiben, schreiben, oft zum Leidwesen der Verlagslektoren. Die Tippfehler und Wortverdreher, denen sie sich stellen müssen, dürften Legion sein. Letztendlich werden von dem Manuskripten, die sich auf deren Schreibtischen türmen, am Ende weniger als ein Prozent veröffentlicht.

Um diese ernüchternde Quote zu steigern, sprechen wir doch mal über Einzelheiten: Die Zusammenarbeit zwischen Testlesern und ihren Autoren, aber auch über Abstimmungsprozesse und Durchsetzungsmechanismen.

Als Erstes wäre wohl die Frage zu klären, wann ein Testleseprozess in Gang gesetzt werden sollte.

Darf man sein Buch sofort nach Fertigstellung des letzten Satzes auf die Testleser loslassen?

Wie wirken Autor und Testleser zusammen?

Meiner Meinung nach sollte ein Testleser den Fokus auf folgende Punkte legen:

- Sind die Figuren in die Handlung eingebunden und treiben sie diese logisch und konsistent voran?

- Gibt es Logiklücken?

- Funktionieren die Problemhorizonte und Perspektiven? Überzeugen Stimmung, Spannung, Raumstrukturen sowie Erzählverfahren. Hier im Sinne von Erzähler- oder personenabhängigen Verfahren?

- Wie gefallen mir die Figuren?

- Rechtschreibung und Grammatik: Gibt es kleine Fehler?

Als sehr wichtig empfinde ich Kritik. Aber konstruktive Kritik und genaue Vorstellung, was man besser machen sollte, sind meiner Meinung nach besser als wildes Getue. Kritik als solche, sollte sich nie über den Autor stellen und keinen Anspruch auf einen "objektiven Wahrheitsgehalt" erheben. Vergiss nie, dass hinter dem Projekt jemand steht, der viel Leidenschaft in dieses Hobby gesteckt hat. Etwas, was man nicht nur respektieren, sondern auch wertschätzen sollte.

Ich bin gespannt:

Habt ihr schon mal ein Buch testgelesen?

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Auf welche Punkte solle man beim Testlesen eurer Meinung nach achten?
Habe ich in meiner Aufzählung noch etwas Wesentliches vergessen?

Lasst uns gerne noch ein wenig über das Thema Testlesen diskutieren. Ich freue mich auf den Austausch mit euch.




Kommentare:

  1. Hallo liebe Tanja,
    ich habe gerade überlegt, ob "Testlesen" das selbe ist wie "Korrekturlesen". Nach deinen Ausführungen unter "Wie wirken Autor und Testleser zusammen?" sind es zwei verschiedene Dinge, das ergibt auch Sinn. :)

    Ich habe bisher zwar noch kein Buch testgelesen, dafür aber korrekturgelesen. Insbesondere habe ich dabei Rechtschreibung und Grammatik geprüft. Dazu gehört auch eine "Prüfung" des Inhalts auf Verständlichkeit, u. a. für Menschen, die nicht vom Fach sind. Ich habe sowohl Kritik ausgeübt als auch Verbesserungs- bzw. Ergänzungsvorschläge gebracht.

    Je nach Umfang des Buches muss man wirklich viel Zeit einplanen, wenn man sorgfältig arbeiten möchte. Ich würde so schnell nicht wieder korrekturlesen wollen ...

    Ich wünsche dir einen schönen Start ins Wochenende! :)

    Liebe Grüße
    Lisa Marie

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    1. Hallo liebe Lisa Marie,

      Testlesen und Korrekturlesen sind für mich definitiv zwei unterschiedliche Vorgänge.

      Du hast von deiner eigenen Erfahrung geschrieben. Das klingt ein wenig so, als hättet du auch den Part des Testlesers zum Teil mit übernommen (?) Magst du verraten um was für Genre es sich bei dem Buch gehandelt hat?

      Hast du dir in dem Fall eine Liste mit Stichpunkten, auf die du besonders achten möchtest bereit gelegt? In einem Fall hat mir die Autorin eine kleine Checkliste gegeben. So konnten wir nach dem Testlesevorgang nochmal über einige Punkte, die ihr besonders wichtig waren, im Detail sprechen.

      Auch würde mich interessieren, mit was für einem Format du gearbeitet hast oder welches Format du bevorzugst? Ich habe zwei Varianten ausgetestet. Die ausgedruckte Version hat den Vorteil, dass man sich direkt mit dem Kugelschreiber Notizen im Text machen kann. Mit dem Reader kann man natürlich auch sehr gut Textstellen markieren und diese dann auch mit kleineren Hinweisen versehen.

      Testlesen ist etwas, das, wenn man es sorgfältig angeht, viel Zeit kostet. Korrekturlesen ist da noch um einiges zeitaufwendiger. Ich verstehe, dass du so eine Bitte aktuell ausschlagen würdest.

      Ich wünsche auch dir einen ganz wundervollen Start ins Wochenende :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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  2. Hallo Tanja,
    Testlesen ist definitiv ein spannendes und auch sehr komplexes Thema. Wir haben uns ja schon das eine oder andere Mal darüber unterhalten.
    Ich schätze allerdings, wir werden die Menge an Manuskripten, die tatsächlich veröffentlicht wird, nicht steigern können, nur weil wir uns hier über solche Sachen unterhalten ;) Dafür gibt es einfach zu viele Geschichte, die entstehen, zu viele Menschen, die schreiben und schreiben möchten, die sich austesten und versuchen auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen oder einfach ein Herzensbuch an die Leser bringen möchte. Und das ist auch total okay und nicht unsere Aufgabe, da irgendwas zu verbessern bzw. zu steigern - finde ich auf jeden Fall. Das einfach mal zu deinem Eingangstext.
    trotzdem habe ich natürlich meine Erfahrungen gemacht und eine Meinung zu dem, wie die Zusammenarbeit laufen kann.
    Es kommt natürlich drauf an, WANN man in den Testleseprozess eingebunden wird und davon wird auch abhängen, wie viel "Einfluss" man auf gewisse Dinge noch hat oder eben nicht. Einige Testleser werden ja direkt in den Enstehungsprozess eingebunden, das heißt, sie dürfen schon lesen, während die Geschichte noch nicht abgeschlossen ist, während sie noch entsteht, vielleicht sogar bei Entscheidungen helfen, wie der nächste Kniff am besten gelingt oder oder oder... Wenn man so eingebunden wird, hat man natürlich noch mal ganz andere Aufgaben als Testleser, weil es dann ja auch darum geht: was erwarte ich im Verlauf, was erhoffe ich mir, was wünsche ich mir, was würde zu den Figuren passen usw.
    Darüber denke ich zwar auch beim normalen Lesen und auch beim Testleben ebenfalls nach, aber daran hängt ja dann nicht mehr der Verlauf der Geschichte. Ist verständlich, was ich meine? :D
    Ich habe zwar schon ein paar (9) Geschichten testgelesen, bisher aber immer erst, wenn das Buch "fertig" war, manchmal vor dem Lektorat, manchmal auch erst nach dem Lektorat, manchmal konnte noch viel/alles geändert werden, teilweise auch nicht. Daher habe ich natürlich auch unterschiedliche Erfahrungen gemacht dabei. Wenn man nicht mehr viel an der Geschichte ändern kann, dann gibt es oft auch nur noch "wenige Punkte", auf die man beim Lesen achten soll oder die Sinn machen angemerkt zu werden. Das habe ich bisher aber auch erst einmal gehabt. Meistens ist es doch so, dass theoretisch auch noch geändert und umgebaut werden kann, wenn es nötig ist.
    Worauf man beim Testlesen achtet, ist auch abhängig davon, was die Autoren von einem "brauchen". Das ist sicherlich immer recht ähnlich, unterscheidet sich teilweise aber auch aufgrund der Genre, ob es Einzelbände oder Reihen sind und so...
    Ich sag ja, ein komplexes Thema.

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    1. Mein Kommentar ist zu lang, deswegen gehts hier weiter:
      Ich denke aber auch, dass so Punkte wie Logik, Figurenentwicklung, allgemeine Entwicklung der Handlung (Spannung, Emotionen, Nachvollziehbarkeit usw), wirken Andeutungen, kommen Spannungsmomente rüber, Wendungen, Vorhersehbarkeit und solche Sachen immer wichtig sind. Ob einem etwas fehlt, ob etwas zu viel/zu ausführlich ist, ist natürlich auch wichtig, aber eben auch immer nur eine ganz persönliche Meinung. Was mir zu viel oder zu wenig ist, kann für den nächsten auch genau richtig sein. Das sollte einem selbst klar sein und das sollte natürlich auch den Autoren klar sein. Einige haben ja mehrere Testleser, andere vermutlich nicht. Das muss auch jeder für sich entscheiden, aber unsere Meinung ist eben unsere Meinung und dementsprechend subjektiv.
      Was aus meiner Sicht nicht zwingend zu den Aufgaben eines Testlesers gehört: Rechtschreibung, Kommasetzung... Klar wenn ich über irgendwas stolpere, der Satzbau komisch ist, weil er vielleicht mehrach umgeschrieben wurde und dann Satzfragmente übrig geblieben sind und sowas.. das merke ich selbstverständlich an. Auch wenn mir Schreibfehler bewusst auffallen oder ins Auge springen, verheimliche ich das nicht. ABER für sowas gibt es ein Korrektorat oder Lektorat oder auch beides. Wenn man sich nämlich auf all diese Feinheiten zusätzlich noch konzentriert, kann aus meiner Sicht der Lesefluss ziemlich auf der Strecke bleiben und der ist doch wichtig beim Testlesen?! Wenn ich aber jedes Wort drei Mal drehe, kann ich das nicht mehr. Aber das sehen andere vielleicht anders. Es kommt sicher auch drauf an, wie empfindlich man bei fehlenden Buchstaben und sowas ist. Ob man eher jemand ist, der drüberliest und dem das nicht immer auffällt, oder ob es wie eine rote Warnleuchte halt sofort in den Blick fällt.
      Wichtiger finde ich Wortdopplungen oder Ausdrücke, die sehr häufig genutzt werden und vielleicht ungewöhnlich sind oder einfach zu häufig vorkommen.
      Bisher hat mein Austausch mit den Autorinnen, für die ich testlese, immer sehr gut funktioniert und ich mag die Zusammenarbeit mit ihnen echt gern. Kritik konstruktiv zu äußern, finde ich ebenfalls sehr wichtig. Manchmal habe ich fast ein schlechtes gewissen, wenn ich etwas "kritisiere", aber das ist natürlich Unsinn, wenn man wirklich einen Grund hat, es anzumerken oder es einen gestört hat, weil warum auch immer (wie gesagt, das ist ja niemals objektiv), dann sollte man es eben auch sagen können und dürfen. Denn wie sollen die Autoren sonst wissen, wie die Geschichte wirklich bei uns ankommt, was für Gedanken wir haben, was funktioniert, was vielleicht nicht funktioniert usw. Was sie aus den Anmerkungen machen, das ist am Ende ja immer noch ihre Entscheidung, je nachdem, wie allgemeingültig sie die Anmerkungen finden usw usw
      Bisher haben mir aber alle gesagt, es ist für sie hilfreich, es zu wissen, egal was sie dann eben draus machen.
      Was ich auch immer ganz gern mache: ich schreibe an den Rand, wie es mir in dieser und jeder Situation ging, was ich gedacht habe, wann ich etwas bewegend fand oder sowas. Das ist nicht zwingend immer gefordert und hilft in dem Sinne nicht beim Korrigieren im Text, aber ich finde das trotzdem nicht unwichtig, weil es ja auch Einblicke gibt, wie die Geschichte bei mir angekommen ist und so.
      Ich glaube, es gibt kein "so muss das", man muss einfach für sich bzw. gemeinsam mit dem entsprechenden Autoren/der Autorin einen Weg finden, der für beide Seiten passt und effektiv ist.
      Liebe Grüße
      Dana

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    2. Huhu Dana,

      ich hatte gehofft, dass du diesen Beitrag lesen und kommentieren würdest, gerade weil du ja schon einige Erfahrungen auf dem Gebiet Testlesen gesammelt hast.

      Du hast einen sehr wichtigen Punkt angesprochen: Auf auf jeden Fall ist der Zeitpunkt, wann der Testleser aktiv wird, sehr wichtig, um eine Antwort auf die Frage zu geben, worauf dieser letztlich achten muss.
      Von daher macht es vermutlich schon sehr viel Sinn, dass der Autor im Vorfeld eine kleine Liste mit Stichpunkten an den Testleser weitergibt, anhand derer dieser sehen kann, auf welche Punkte er letztlich seine Aufmerksamkeit richten soll. Das macht meiner Meinung nach auch dann Sinn, wenn man mit dem Testleser noch nicht zusammengearbeitet, der Leser vielleicht zuvor auch noch nie ein Buch testgelesen hat und/oder wenn man vielleicht auch als Autor konkrete Vorstellungen vom Testlesevorgang hat. Auch wenn man sich an bestimmten Szenen unsicher ist, macht es gewiss Sinn, den Testleser darauf hinzuweisen, dass er sich diese Passagen vielleicht einmal genauer ansieht.

      Konstruktive Kritik ist unglaublich wichtig. Ich denke auch, dass es Sinn macht einen Testleser zu wählen, zu dem man Vertrauen hat. Beide Seiten sollten dabei auch auf den jeweils anderen zugehen können. Der Autor sollte Kritik nicht persönlich nehmen und der Leser sollte Verständnis zeigen, wenn seine Anregungen und Ideen beim Autor keinen Anklang findet.
      Mit deinem Schlusssatz hast du das schon sehr schön auf den Punkt gebracht :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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  3. Hallo Tanja,
    du hast recht, ich habe beim Korrekturlesen automatisch auch noch ein paar Parts des Testlesens mit übernommen. :) Ich darf leider nur sagen, dass es sich um ein Fachbuch handelt.

    Eine Checkliste in dem Sinne hatte ich nicht. Die Autorin und ich haben uns nach bestimmten Kapiteln bzw. Abschnitten und auch zwischendrin ausgetauscht. Ich habe mit einer ausgedruckten Version gearbeitet und meine Anmerkungen entweder an der entsprechenden Stelle notiert oder extra auf Papier festgehalten.

    Es hat wirklich viel Zeit gekostet. Aber ich war stolz auf mich, als ich es geschafft hatte! :)

    Hab' noch einen schönen Abend! <3

    Liebe Grüße
    Lisa Marie

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    1. Hallo liebe Lisa Marie,

      ich denke es ist nochmal um einiges schwieriger ein Fachbuch, im Vergleich z.B. zu einer fiktiven Geschichte, testzulesen.

      Ich denke du kannst mit Recht stolz darauf sein, dass du das Projekt geschafft hast. :o)

      Vielen Dank, dass du auch nochmal auf die Frage mit der Checkliste eingegangen bist. Da in deinem Fall, so vermute ich jetzt mal, der Fokus in erster Linie auf der Korrektur lag, war die Liste vermutlich entbehrlich. Ich denke es geht auch gut ohne, sie kann aber, auch helfen, gerade wenn die Autorin/der Autor gerne eine Meinung zu konkreten Textstellen oder Elementen seiner Geschichte hätte.

      Ich wünsche dir einen ganz wundervollen Start in die Woche.

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Huhu Tanja :)

    Ich habe mit dem Testlesen auch schon Erfahrungen machen dürfen - bisher waren es 5 verschiedene Autoren, wobei da auch einige dabei sind, bei denen ich es regelmäßiger mache.

    Bisher war es immer ein gutes Verhältnis zwischen den Autoren und mir. Meistens bekomme ich am Anfang ein paar Punkte genannt, auf die ich besonders achten soll, aber prinzipiell sind alle Kommentare erwünscht. Und bisher hat sich auch noch niemand über meine Anmerkungen "beschwert".
    Im Regelfall geht es eher um inhaltliche Punkte: Funktioniert der Spannungsbogen? Macht die Handlung Sinn? Sind Logiklücken vorhanden? Wie wirken die Charaktere? Wie reagiere ich als Leser an bestimmten Stellen?
    Ich muss es zwar nicht, aber ich achte natürlich trotzdem auch auf Rechtschreibung/Grammatik etc ... fällt einem oft einfach ins Auge und da kann man es auch gleich mit anmerken. Hat bihser keinen gestört, eher im Gegenteil.

    Der "Zustand" des Buches war bisher sehr unterschiedlich - mal kam es vor dem Lektorat/Korrektorat, mal danach. Mal kurz vor der Veröffentlichung, mal Ewigkeiten vorher. Das legen ja die Autoren fest, wann es für sie am besten ist. Mit einer Autorin quatsche ich auch immer schon während des Entstehungsprozesses über die Bücher (natürlich ohne zu spoilern, will mich ja auch überraschen lassen^^). Aber auch so kann man ja schon unterstützen.

    Tatsächlich hab ich aber auch schon mal schlechte Erfahrungen mit einem Buch vor dem Lektorat/Korrektorat gemacht. Ich meine, die Autorin hat wahrscheinlich eine LRS gehabt und ohne das in irgendeiner Form negativ zu deklarieren, aber es las sich furchtbar. Man konnte zwar erahnen, was mit den Sätzen gemeint ist, aber so würde man das nicht schreiben. Das hab ich der Autorin auch so gesagt und sie hatte damit kein Problem. Ich habs dann tatsächlich nach dem Lektorat nochmal gelesen und da war es deutlich angenehmer.

    Ich hatte auch schon den Fall, dass ich ein Buch leider wirklich schlecht fand - flache Charaktere, offensichtliche Handlung, zu viele angefangene Punkte ohne Sinn für die Handlung. War sicherlich nicht schön für die Autorin, dies zu hören, aber auch die anderen Testleser waren meiner Meinung. Sie hat es sich zu Herzen genommen und das Buch komplett umgeschrieben. Das wollte ich weiß Gott nicht erreichen, aber sie hat sich wirklich dafür bedankt, dass wir ihr Buch besser gemacht haben. Und danach war es das auch.

    Wichtig für eine gute Zusammenarbeit finde ich, dass von Anfang an klar festgelegt wird, was von einem Testleser erwartet wird. Jeder hat da ja andere Vorstellungen und je konkreter, desto besser für beide Parteien. Bei meinen bisherigen Autoren war es irgendwie auch bei jedem ein bisschen anders, was aber vollkommen okay ist.

    Viele Grüße
    Andrea

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    1. Hallo liebe Andrea,

      ich musste gerade ein wenig darüber nachdenken, was das Übersenden eines Buches zum Testlesen nach der Rückkehr aus dem Lektorat betrifft. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich etwas schwierig gestaltet, sollte der Testleser einen Punkt ansprechen, der eine größere Abänderung nach sich zieht (?)

      Ich kann mir auch vorstellen, dass es schon sehr viel bringt während des Schreibens mit vertrauten Personen oder anderen Lesern ins Gespräch zu treten. Gerade in Situationen, wenn man sich z.B. gedanklich festgefahren hat.

      Okay, jetzt hast du gerade ein Beispiel genannt, bei dem das Buch vor dem Lektorat an den Testleser geschickt wurde. Vermutlich muss man da auch von Fall zu Fall schauen, welche Variante besser funktioniert. Wenn der Satzbau unstimmig und alles voller Fehler ist, dann fällt es als Testleser natürlich auch nicht mehr leicht, sich auf "die wesentlichen" Punkte zu konzentrieren.

      Ich könnte mir vorstellen, dass es sinnvoll wäre ein Buch nach der Erstkorrektur (oder in bestimmten Fällen vielleicht auch Zweitkorrektur) an den Testleser weiterzugeben und danach das Buch ins Lektorat zu schicken. Wie denkst du darüber?

      Ohje, ich kann mir vorstellen, dass es für eine Autorin/einen Autor nicht schön ist zu hören, dass die Story in so vielen Punkten nicht stimmig ist. Ich glaube so eine Rückmeldung kann dazu führen, dass man die Motivation am Schreiben verliert. Umso mehr freut es mich, dass die Autorin in diesem Fall an dem Projekt drangeblieben ist und das ganze Manuskript sogar nochmal neu verfasst hat. Dass es den Lesern dann auch besser gefallen hat, ist eine schöne Belohnung für diese Mühe.

      Ich bin auch der Meinung, dass die Äußerung von Vorstellungen helfen kann den Testlesevorgang für beide Seiten zu optimieren.

      Vielen Dank, liebe Andrea, dass du deine Erfahrungen hast.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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    2. Das kommt auf den Autor an. Bisher hatte ich noch nicht den Fall, dass ich nach dem Lektorat was Großes ändern wollte. Es waren eher Kleinigkeiten und das ist ja schnell erledigt.

      Bisher empfinde ich es am besten, wenn das Buch tatsächlich schon eine Erstkorrektur durch hat. Damit schlicht und ergreifend schon einiges raus ist und es sich dann auch flüssig liest. Ob vor oder nach dem Lektorat ist mir dann wiederum aber egal.

      LG Andrea

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    3. Hallo liebe Andrea,

      wenn es nur kleine Stellen sind, ist eine Korrektur nach dem Lektorat vermutlich kein Problem. Mir kam da gerade der Gedanke, was wäre, wenn man ganze Textstellen oder Kapitel ändern müsste. Wie du schon schreibst. Da kommt es gewiss auf den Autor oder eben auch auf die geschriebene Geschichte an :o)

      Ich bin deiner Ansicht: Umso stimmiger der Text ist, was allgemeine Fehler (Rechtschreibung, Satzbau etc.) angeht, umso besser kann man sich auf andere Dinge konzentrieren.

      Liebe Grüße
      Tanja :o)

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  5. Huhu Tanja,

    für mich ist testlesen leider nichts. Als erstes bin ich kein Fan von Ebooks. Zweitens hasse ich falsche/fehlende Wörter und Rechtschreibfehler also solche wo komplette Buchstaben fehlen oder auch Wörter. Das stört mich total im Lesefluss und dann kann ich so gar nicht richtig auf die Geschichte achten. Ich habe glaube mal ein Buch testgelesen und konnte es dadurch null genießen. :(

    Liebe Grüße

    Sunny

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    1. Hallo liebe Sunny,

      was die Übersendung des Formats angeht: Man könnte natürlich auch anstatt eines EBooks ein ausgedrucktes Manuskript zur Verfügung stellen. Ich kann verstehen, dass du damit im Falle eines Testlesevorgangs vielleicht sogar besser arbeiten könntest.

      Was Rechtschreibfehler angeht: Zu viele Fehler lenken mit Sicherheit vom eigentlichen Text ab. Vermutlich hängt es vom Leser ab, inwieweit er sich dennoch auf die Geschichte konzentrieren oder eben diese Fehler ausblenden kann.

      Ich verstehe, dass du aus diesen Gründen heraus kein Buch testlesen möchtest sondern lieber so richtig schön in die Geschichten abtauchen magst. :o)

      Liebe Grüße
      Tanja

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  6. Einen schönen guten Abend liebe Tanja,
    ein sehr interessantes Thema, welches Du in diesem Beitrag aufgegriffen hast.
    Ich persönlich war noch nie Testleserin für ein Buch. Ehrlich gesagt wüsste ich auch nicht, ob ich mir das auch zutrauen würde, denn davon hängt eine ganze Menge ab.
    Oft erkenne ich zu spät Logikfehler, hingegen fallen mir Rechtschreibfehler eher auf.
    Ich denke Testleser sollte es vielleicht in mehreren "Leveln?" geben in denen jeder sein Steckenpferd vorweisen kann um letztendlich ein Buch in den Händen zu halten, in denen die Form, die Rechtschreibung, die Logik, sämtliche Handlungsstränge und auch die Protagonisten stimmig sind und den Endverbraucher zum Schluss überzeugen.
    Eine engmaschige Zusammenarbeit ist da wirklich das A und O und in der Zeit sollte man sich auch als Testleser voll und ganz auf das Buch konzentrieren und es nicht so zwischendurch als Unterhaltungsliteratur ansehen. Es ist ein Projekt mit einer gewissen Verantwortung gegenüber dem Autor.
    Ein Privileg und ich finde es wirklich toll, wer sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt :)
    Du wärst meiner Meinung nach auch eine ideale Testleserin. Bei Deinen Rezensionen greifst Du den Kern immer gekonnt auf, und mit Deinen Worten triffst Du zusätzlich den Nagel auf den Kopf :)
    Liebe Grüße
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,

      ich kann deine Bedenken gut verstehen. Was Logikfehler in Büchern angeht, tue ich mich auch oft schwer. Und ja, Tippfehler fallen mir beim Lesen auch öfters auf ;o)))

      Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass der Autor/die Autorin sich nicht nur einen Testleser sondern mindestens zwei bis drei sucht.

      Meinungen und Ansichten sind ja auch immer subjektiv und so kann der Autor nach der Auswertung schauen, welche Punkte vielleicht öfters angesprochen wurden und inwieweit er bestimmte Stellen dann letztlich auch aus eigener Ansicht heraus ändern möchte.

      Ich sehe es genauso wie du: Wenn man sich als Testleser zur Verfügung stellt, dann trägt man auch eine gewisse Verantwortung. Das Manuskript einfach nur zu lesen und mit ein bis zwei Sätzen abzutun, wäre unfair gegenüber dem Autor/der Autorin.

      Du schreibst, du wärst dir nicht sicher, ob du dir das Testlesen zutrauen würdest. Ich würde es dir zutrauen. Du liest so viele Bücher und ich denke schon, dass deine Meinung da sehr hilfreich wäre. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du eine gute Testleserin wärst.

      Bei Testlesern, die das erste Mal diesen Part übernehmen, bietet sich vielleicht auch ein kleiner Leitfaden an, den der Autor zur Verfügung stellt. Also ein paar Stichpunkte, was ihn besonders interessiert. Ich denke ein guter Austausch vorab und auch während des Lesens ist da schon sehr wichtig.

      Ich danke dir für deine lieben Worte und dein Vertrauen in meine Fähigkeiten als Testleserin. <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  7. Hallo liebe Tanja,

    ich habe schon sowohl testgelesen (und daran auch ein gewisse Freude gehabt)als auch testlesen lassen, und aus letzter Perspektive weiß ich, wie wichtige gute Testlesende sind. Gute Testlesende sind kritisch und scheuen sich nicht, Kritik auch zu äußern - auch wenn ich mich natürlich über jedes Lob freue, bringt mich das am Ende am weitesten: die Schwächen zu entdecken, für die ich während des Schreibens blind geworden bin. Logiklücken, nicht nachvollziehbare Handlungen, fehlende Spannungen, Wiederholungen, nicht rübergebrachte Emotionen, fehlende Tiefe ... all das sind Aspekte, die du ja auch nennst und die mir dabei wichtig sind.
    Ich gebe zu, Rechtschreibung und Grammatik ist mir weniger wichtig, klar freue ich mich über Hinweise, aber da ich das Ganze meist eh nochmal überarbeite, ist es mir wichtiger, einen fremden Blick auf die Geschichte zu bekommen und herauszufinden, ob sie funktioniert.

    Umgekehrt weiß ich als Testleserin, dass es nicht immer einfach ist, Kritik zu äußern, auch wenn ich selbst weiß, wie wichtig das ist - es setzt also auch ein gewisses Vertrauen bzw. einen Konsens voraus, bei dem beide Beteiligten wissen, dass Kritik geäußert werden darf, aber auch, dass dies respektvoll geschieht und nie persönlich gemeint ist. Umgekehrt muss ich mir als Autorin bewusst machen, dass Kritik auch subjektiv ist (Beispiel: bei dem Projekt, das ich habe testlesen lassen, fand die eine den einen Punkt gut und die andere schlecht)- am Ende muss ich die Entscheidung treffen, wie ich damit umgehe. Und dabei hilft es mir, wenn gezielt auf Schwachstellen hingewiesen wird ("warum genau tut er das?").

    Liebe Grüße!
    Dana

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    1. Hallo liebe Dana,

      ich danke dir für deinen hilfreichen Kommentar. Da du ja selbst auch schon Erfahrung als Testleser einerseits und als Autor, der Testleser für sein Projekt gesucht hat, andererseits hast, weißt du natürlich schon sehr genau, worauf man achten muss.

      Ich denke auch, dass Rechtschreibung und Grammatik Punkte sind, um die sich der Testleser nicht fokussiert kümmern sollte. Es sei denn das ist vorher so abgesprochen. Aber es fällt natürlich auch schwerer seinen Blick auf mehrere Dinge gleichzeitig zu richten. Da benötigt es dann vermutlich mindestens zwei Durchgänge.

      Auch das was du über die Kritik schreibst, empfinde ich als sehr wichtig. Lob allein ist natürlich klasse, bringt den Autor aber in seiner Entwicklung als Schriftsteller und auch in Bezug auf das konkrete Projekt nicht unbedingt weiter.

      Wenn es nichts zu kritisieren gibt, dann muss man auch nicht extra was "an den Haaren herbeiziehen".

      Lob ist aber meiner Meinung nach auch sehr wichtig, um die Motivation des Autors zu fördern. Wenn es nur Kritik hagelt, dann kann das im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Schriftsteller einknickt und gar nicht mehr schreiben will. Man darf als Leser auch nicht übersehen, wie viel Arbeit und Mühe im Schreiben, Überarbeiten, Korrigieren und Vermarkten einer Geschichte steckt.

      Den ersten Satz deines zweiten Abschnittes, bei dem es um das Äußern von Kritik und das gegenseitige Vertrauen geht, kann man wirklich zum Leitsatz, was das Testlesen angeht, machen. Ich sehe es ganz genauso wie du. Das hast du hervorragend auf den Punkt gebracht! :o)

      Auch was die subjektive Meinung angeht, bin ich ganz bei dir. Letztlich muss der Autor für sich selbst entscheiden, welche Informationen er in welcher Art weiterverarbeiten möchte.

      Sehr schön geschrieben. Vielen vielen Dank für diesen schönen Kommentar <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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