Posts mit dem Label Marcus Johanus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Marcus Johanus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 10. Februar 2017

Interview mit Marcus Johanus "Ein Buch schreiben - aber wie?" - Teil 2


 Hallo ihr Lieben,

wie der ein oder andere von euch durch die Vorankündigung vielleicht schon erfahren hat, planen Leni und ich am folgenden Samstag um 14:00 Uhr einen ganz besonderen Bloggerbrunch. Gemeinsam mit euch wollen wir in vier bis fünf Fragen über das Thema „Ein Buch schreiben – aber wie“ sprechen. Im Vorfeld haben wir euch gebeten uns eure Fragen zu schicken, damit wir sie an den Autor und Podcaster Marcus Johanus zusenden können.

Gemeinsam mit der Bloggerin Kati haben wir nun einen Fragenkatalog zusammengestellt. Marcus hat sich an die Tastatur gesetzt und uns ausführlich geantwortet. Leni und ich sind froh euch nun seine Antworten in einem Interview präsentieren zu können.

Unser herzlicher Dank geht an Marcus, dass er sich trotz strammen Terminplan die Zeit genommen hat, um an unserer Aktion teilzunehmen.

Aufgrund der Länge des Interviews haben Leni und ich beschlossen den Artikel in zwei Teile aufzugliedern. Heute geht es weiter mit dem zweiten Teil unseres Interviews zum Thema „Ein Buch schreiben – aber wie?“. Für die, die heute erst dazu geklickt haben:

Wir wünschen euch viel Spaß mit dem nun folgenden Artikel :o)


Tanjas Fragen:

Wie viel Wert misst du dem ersten Satz in einem Buch bei? Meinst du er ist für den ersten Eindruck ausschlaggebend? Worauf sollte man beim ersten Satz achten?

Ja, ich denke der erste Satz ist wirklich entscheidend. Wie sollte es auch anders sein? Es mag Autoren geben, die ihren Leserinnen Geduld abverlangen dürfen. Ich habe durchaus schon Bücher gelesen, die erst nach den ersten 50-100 Seiten spannend wurden. Das würde ich aber keiner Erstautorin empfehlen und ich selbst würde es einfach nicht machen.

Der erste Satz sollte meiner Meinung nach mehrere Funktionen erfüllen: Er sollte in allererster Linie neugierig machen, aber auch den Ton und das Genre des Romans vorstellen. Idealerweise wirft er eine Frage auf, die im Kapitel und/oder am Ende des Romans beantwortet wird.

Ein guter erster Satz ist wie ein Versprechen, eine Art Vertrag zwischen Autorin und Leserin: Schau her, dieses ist mein Buch, ich verspreche dir dieses oder jenes Leseerlebnis. Du wirst am Ende damit belohnt, ein spannendes und für dich interessantes Buch gelesen zu haben. Dafür kaufst du halt mein Buch.


Kennst du das Problem Schreibblockade? Wie gehst du dagegen an?

Jein. Die klassische Schreibblockade, dass ich vor dem blanken Monitor sitze und nicht weiß, was ich als nächstes schreiben soll, kenne ich nicht. Ich weiß aber auch gar nicht, ob die in dieser Form überhaupt jemand hat. Meiner Meinung nach gehört sie zu den großen Mythen des Autorendaseins.

Es ist schon so, dass ich Phasen habe, in denen ich weniger produktiv bin. Das liegt dann aber meistens nicht daran, dass ich mit dem Schreiben selbst Probleme habe oder dass mir nichts einfällt. Ich bin dann eher durch andere Dinge blockiert. Ereignisse oder Aufgaben aus dem restlichen Leben, zum Beispiel.

Dagegen anzugehen ist im Prinzip die Hauptaufgabe jeder Autorin, die keine Vollzeitautorin ist. Es ist schwierig, in einem turbulenten Leben mit Job, Familie und anderen Verpflichtungen, die Gelegenheit zum Schreiben jeden Tag zu finden. Dabei ist Zeit nicht unbedingt immer das größte Problem. Jedenfalls nicht bei mir, obwohl es an ihr auch häufig mangelt. Die noch größere Schwierigkeit ist, immer in den Workflow zu finden.

Ich habe da Tools und Techniken, die manchmal helfen. Manchmal aber auch nicht. Am Ende ist es meiner Meinung nach am wichtigsten, nicht alleine zu sein, sondern Menschen zu haben – andere Autorinnen, gute Freunde -, die mir immer wieder dabei helfen, in den Arbeitsfluss zu kommen, meine Prioritäten richtig zu setzen.

Es ist eine der größten und gefährlichsten Illusionen, dass man als Autorin immer ein Einsiedlerdasein führen muss.


Was tust du, um dich als Autor weiterzuentwickeln? Hast du Tipps für werdende Autoren, wie sie an sich arbeiten können?

David Bowie soll einmal gesagt haben, dass es für Künstlerinnen wichtig ist, sich immer stets ein kleines Stück aus der Komfortzone zu bewegen. Wenn ich mir Bowies Werk so anhöre, stelle ich für mich fest, immer dann, wenn er entweder in seiner Komfortzone geblieben ist oder sich zu weit aus ihr hinausbewegt hat, gefallen mir die Platten nicht.

Ich denke also, dass diese Bemerkung stimmt und sehr wichtig ist. Ich versuche deswegen mich mit jedem Projekt ein kleines Stück aus meiner Komfortzone hinaus zu bewegen, aber halt auch nicht zu weit. Ob das dann am Ende wirklich gelingt, kann ich natürlich alleine nicht beantworten.

Wobei ich denke, dass man als Erstautorin – was z.B. Genre, Thema, Stil usw. angeht – durchaus in seiner Komfortzone bleiben darf und auch sollte. Allein das Projekt, einen Roman zu schreiben, ist schon so ein großes Vorhaben, dass ich darauf achten würde, mich nicht zu überfordern.


Wie organisierst du dich als Autor für die Buchmesse? Legst du einen Terminplan fest? Welche Veranstaltungen würdest du Autoren unbedingt empfehlen wollen? Hast du andere Tipps und Tricks, wie ein Messtag einen Autor in seiner Entwicklung weiterhelfen kann?

Für diese Frage bin ich nicht unbedingt der kompetenteste Ansprechpartner. Ich organisiere meine Messebesuche bisher relativ wenig. Als ich mit Axel Hollmmann zusammen als Die SchreibDilettanten unterwegs war und viele Interviews geführt habe, da waren wir natürlich ziemlich organisiert.

Da ich es aber leider immer nur schaffe, einen Tag auf den Buchmessen zu sein, versuche ich einfach so viel wie möglich in dieser Zeit zu schaffen und offen für Begegnungen und Gespräche zu bleiben. Vieles ergibt sich spontan. Vieles verpasse ich aber auf diese Weise natürlich auch. Da muss ich noch dran arbeiten.


Ich habe schon oft den Satz von Gesprächspartnern gehört: Schreiben ist nichts für mich. Ich kann das einfach nicht. Mir fehlt die Fantasie für so was. Wie denkst du über diese Aussage?

Niemand muss schreiben. Schreiben ist eine anstrengende und fordernde Tätigkeit, die viel bringt, einem aber auch viel abverlangt.

Andererseits steckt hinter dieser Aussage natürlich wiederum die Überzeugung, man brauche ein bestimmtes Talent, eine angeborene Gabe, um schreiben zu können. Das ist natürlich Quatsch.

Diese »Talent vs. Handwerk«-Debatte lauert ja überall und alle Seiten haben gute Argumente. Immer wieder wird dann gesagt: »Aber ein gewisses Talent gehört dazu, sonst wird das nix.« Mag sein. Ich halte das aber für eine gefährliche Einstellung. Für mich ist der wichtigste Frage: Möchte ich wirklich gerne schreiben oder nicht?

Zu dem echten Willen zum Schreiben gehört dann halt für mich auch die Bereitschaft dazu, Kritik einstecken zu können und hart an sich zu arbeiten. Das setzt auch ein gesundes Maß an Selbsterkenntnis voraus, die Fähigkeit, seine eigenen Stärken und Schwächen recht gut einschätzen zu können.

Das sind alles viel, viel wichtigere Eigenschaften als Fantasie.


Lenis Fragen:

Ergibt es Sinn, sich einen Plan fürs Buchschreiben zu erstellen? Welche Schritte würdest du planen?
(Zum Beispiel sollte man sich einen Schreibplan erstellen, indem man sich gewisse Zeichenanzahlen als Ziel setzt oder ergibt ein Handlungsplan Sinn?)

Oh je. Das ist wohl in Autorinnenkreisen die am heftigsten diskutierte Frage, die es gibt, fürchte ich. Ich würde sagen: Keinen Plan zu haben, keine quantitativen Ziele zu besitzen, ist ein Zeichen von mangelnder Professionalität. Und dann gibt es aber solche Leute wie Stephen King, die beides nicht tun und sehr erfolgreich sind.

Oft höre ich, dass Menschen sich in ihrer Kreativität eingeengt fühlen, wenn sie Planen und sich quantitative Ziele setzen. Ich kann das zumindest von mir nicht bestätigen. Ich kriege nichts hin, wenn ich nicht vorher einen guten Plan habe und mir ganz bewusst selbst Deadlines setze, bis wann ich womit fertig sein will.


Wie beurteilst du das „einfach drauf losschreiben“-Verfahren?

Funktioniert für mich nicht. Ich habe es wirklich fast zwei Jahrzehnte lang probiert und damit meine Zeit verschwendet.


Wie findet man den geeigneten Schreibstil für das eigene Buch?

Wie alles andere auch, würde ich sagen: Ich überlege mir, welchen Roman ich schreiben will. Welche Wirkung will ich erzielen? Was brauche ich dafür?

Es ist ein bisschen wie im Film: Welche Atmosphäre soll eine Szene haben? Was brauche ich an Maske, Beleuchtung, Musik und SFX? Was müssen die Schauspielerinnen dafür tun etc.

Am Ende muss man im Detail viel experimentieren. Das ist einer der Gründe, wieso ich viele Entwürfe für ein Projekt benötige.


Weshalb eignet es sich vielleicht, ein Buch aus der Perspektive des Protagonisten/der Protagonistin zu schreiben?

Die Frage verstehe ich nicht so ganz. Die meisten Romane werden ja aus der Perspektive der Hauptfigur erzählt. Vielleicht meint ihr, weshalb es wichtig sein kann, die Ich-Perspektive zu verwenden?

Das ist eine ziemlich komplexe Entscheidung. Mit der Ich-Perspektive gewinne ich eine viel tiefere Einsicht in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptfigur. Der Text wird eindringlicher und dichter. Gleichzeitig gebe ich die Möglichkeit auf, die Handlung aus der Perspektive anderer Figuren zu zeigen. Das kann schlecht sein, weil viele Leserinnen – und meiner Erfahrung nach vor allem auch Lektorinnen und Agentinnen – es schätzen, die Perspektive des Schurken zu erleben.

Es gibt auch durchaus Leserinnen, die es aus Prinzip ablehnen, Romane in der Ich-Perspektive zu lesen. Ich persönlich mag die Ich-Perspektive gerne. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, was man tut.


Welche Tipps und Tricks kannst du den neu startenden Autoren geben?
Was sind absolutes No-Gos beim Buchschreiben, beziehungsweise was sollte man beim Schreiben eher vermeiden?

Schwierige Frage, denn darüber gibt es ja ganze Bücher. Und das aus gutem Grund.

Der wichtigste Tipp, den ich gerne gehabt hätte, war wirklich der, einen Plan zu haben und sich quantitative Ziele zu setzen. Das geht erst einmal vollkommen gegen die eigene Intuition als beginnende Autorin. Aber in dem Moment, in dem ich den Sinn beider Punkte verstanden hatte, hatte ich es geschafft, Projekte erfolgreich zu beenden.

Ich würde in jedem Fall versuchen zu vermeiden, in die Inspirationsfalle zu tappen. Also, nur zu schreiben, wenn ich auch inspiriert bin. Musiker üben auch jeden Tag ihre Tonleitern, wenn sie ein Instrument beherrschen wollen. Autorinnen müssen täglich schreiben, wenn sie etwas erreichen wollen. So sehe ich das jedenfalls.


Wir danken Marcus Johanus an dieser Stelle herzlich für die Teilnahme an unserer Aktion und die ausführlichen Antworten zum Interview.

An unsere Leser:
Wenn ihr mehr über Marcus Johanus und seinen Büchern erfahren wollt, dann besucht doch einmal seinen informativen Blog oder den unterhaltsamen Podcast. Auf beiden Seiten erfahren geneigte Leser wertvolle Informationen zum Thema „Schreiben“.


Hat unser Interview euer Interesse geweckt? Dann schaut doch morgen zum Bloggerbrunch vorbei. Wir würden uns sehr freuen gemeinsam mit euch ein wenig über das Thema „Buch schreiben“ diskutieren zu dürfen.

Ganz liebe Grüße senden euch
eure
Leni & Tanja

Donnerstag, 9. Februar 2017

Interview mit Marcus Johanus "Ein Buch schreiben - aber wie?" - Teil 1

 
Hallo ihr Lieben,

Am folgenden Samstag um 14:00 Uhr wird es auf „Meine Welt voller Welten“ und „Der Duft von Büchern und Kaffee“ einen ganz besonderen Bloggerbrunch geben. Gemeinsam mit euch wollen wir in vier bis fünf Fragen über das Thema „Ein Buch schreiben – aber wie“ sprechen. Im Vorfeld haben wir euch gebeten uns eure Fragen zu schicken, damit wir sie an den Autor und Podcaster Marcus Johanus zusenden können.

Gemeinsam mit der Bloggerin Kati haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt. Marcus hat sich an die Tastatur gesetzt und uns ausführlich geantwortet. Leni und ich sind sehr froh euch nun seine Antworten in einem Interview präsentieren zu können.

Heute könnt ihr den ersten Teil bei „Meine Welt voller Welten“ und „Der Duft von Büchern und Kaffee“ nachlesen. Wir wünschen euch viel Spaß mit dem nun folgenden Artikel :o)

Katis Fragen:


Erst zum Thema Blogger & Autoren:

Blogger & Autor: Wie siehst du das Thema Buchblogger – ist es für dich ein „praktisches“ Marketinginstrument oder bedeutet es mehr für dich?

Ich würde es prinzipiell als seltsam empfinden, Menschen als Marketinginstrument zu betrachten. Ja, viele Autorinnen gehen in die sozialen Medien, um Werbung für ihre Bücher zu machen. Ich habe auch vor einigen Jahren mit Facebook und Co. mit diesem Ziel begonnen. Und Bücherblogs sehe ich hier – wie Blogging prinzipiell – als Teil von Social Media.

Meine Einstellung zu Social Media hat sich aber ziemlich schnell gewandelt. »Marketing« in dem Sinne, dass ich ein gewisses Maß an Zeit und Geld investiere und dafür mehr Bücher verkaufe, kann und sollte man an dieser Stelle nicht erwarten.

Stattdessen habe ich festgestellt, dass man haufenweise liebe Menschen kennenlernt und sich über interessante und auch berührende Themen austauschen kann.

Deswegen schreibe ich auch nur noch selten Bücherblogs an und offeriere Rezensionsexemplare. Das mache ich wirklich nur noch, wenn ich den Blog wirklich kenne und gut finde. Dann würde es mich halt irgendwie stolz machen, wenn meine Bücher dort ebenfalls vertreten wären. Ich habe aber auch immer Verständnis dafür, wenn die Betreiberinnen zu beschäftigt sind, um mein Buch zu nehmen. Ich werde ja auch häufiger gefragt, ob ich dieses oder jenes Buch oder Manuskript lesen möchte und lehne das dann auch fast immer aus Zeitgründen ab.


Vergibst du selbst auch Rezensionsexemplare? Hast du mit Bloggern bereits negative Erfahrungen gemacht? Sprechen dich Blogger auch aktiv an und bitten um Rezensionsexemplare?

Ja. Nein. Ja. :-)


Wie siehst du den Ruf der Blogger derzeit nach „Monetarisierung“? Buchblogger vergleichen sich mit der Modebranche und wollen auch Geld verdienen. Ist das aus deiner Sicht möglich oder ist es eh eher eine Branche, in der nur Ausnahmen wirklich gut Geld verdienen (damit meine ich auch die Autoren, denn nur wirklich wenige verdienen wirklich gut -> wie soll also eine Branche, in der schon die Autoren nicht wahnsinnig viel Geld verdienen noch Hobbybloggern aktiv Geld zahlen?)?

Ich bin prinzipiell der Ansicht, dass Menschen, die etwas leisten, dafür auch bezahlt werden sollten. Leider gibt es eine ziemlich ausgeprägte »kostenlos«-Mentalität. Nicht nur in der Buchbranche, sondern auch in vielen anderen Bereichen, aber das ist hier ja nichts das Thema.

Mich regt das nur im Allgemeinen auf. Denn dieser Gedanke geht ja auch so weit, dass viele Menschen glauben, dass sie für Dinge, die ihnen Spaß machen, kein Geld nehmen dürften. Ich finde diesen Gedanken fatal, denn im Umkehrschluss müsste ich dann ja einen Job haben, der mich anödet, damit ich ordentlich Geld dafür bekomme. Und das ist offensichtlicher Blödsinn.

Tatsächlich halte ich es für problematisch, dass Bücher viel zu billig sind. Im Schnitt würde ich mal schätzen, dass ein Buch so um die zehn Euro kostet. Schon eine Kinokarte kostet mehr. Im Vergleich zum Buch ist das Kino ein kurzes und vergleichsweise flüchtiges Vergnügen. Ein Buch dürfte also in meinen Augen locker das Doppelte oder Dreifache kosten. Wenn dann nicht nur wenige an dem Buch gut verdienten, sondern alle, die an seinem Erfolg beteiligt sind, wäre das eine gerechte Angelegenheit.

Aber das ist natürlich eine Utopie. Und alle, die sich in die Buchbranche begeben – sei es nun als Autorin, Verlagsmitarbeiterin oder eben Bloggerin – müssen sich darüber im Klaren sein, dass hier nicht das große Geld zu machen ist. Das ist weder gerecht noch gut, aber die Realität.

Den Vergleich mit der Modebranche finde ich abwegig. Denn in diesem Bereich steckt viel, viel mehr Geld als in der Buchbranche. Abgesehen davon werden auch hier ja zum Teil Hungerlöhne gezahlt, wenn ich an Schneiderinnen in Indien oder China denke, die für den deutschen Markt produzieren und ausgebeutet werden.

In gewisser Weise sind die Buchbloggerinnen das, was die Billigarbeitskräfte aus den Schwellenländern für die Modebranche sind. Traurig, aber so ist das nun einmal. Es bringt nichts, darüber zu jammern.


Hast du einen Vorschlag, wie die Zusammenarbeit zwischen Blogger & Autoren verbessert oder optimiert werden kann?

Müsste sie denn optimiert werden? Der einzige negative Punkt, der mir einfällt, ist der, dass viele Bücherbloggerinnen einfach eine zu lange Leseliste haben. Ich fürchte, das liegt in der Natur der Sache und lässt sich kaum ändern.


Allgemeine Fragen zum Thema „Schreiben“:

Woher kommt die Faszination für das Genre Krimi & Thriller? Warum nicht – z.B. Fantasy oder Love-Stories?

Love-Stories, also Liebesromane, sind ja zusammen mit Thrillern und Krimis das erfolgreichste Genre auf dem Buchmarkt.

Warum Thriller und Krimis erfolgreicher als z.B. Fantasy-Romane sind, liegt meiner Meinung nach an der Thematik und am Setting. Das Böse ist einfach faszinierend. Bei jedem Autounfall wollen wir gleichzeitig weg- und hinsehen. Diese Ambivalenz ist für uns faszinierend.

Im realen Leben gibt es Tabus, die wir beachten. Das Lesen eines Romans ist ungefährlicher, intimer und persönlicher. Hier brauche ich mir über Tabus keine Gedanken zu machen. Es ist also in gewissem Maße Voyeurismus, der durch Thriller und Krimis sehr ungefährlich befriedigt werden kann, was in der Realtität – gottlob – nicht so einfach möglich ist.

Hinzu kommt, dass Thriller und Krimis realitische Settings im Hier und Jetzt haben. Das mögen offensichtlich die meisten Leserinnen. Fantasy ist nicht jedermanns Sache.


Kannst du dir vorstellen auch mal ein Buch in einem ganz anderen Genre zu schreiben? Wenn ja, was am Ehesten?

Space Fantasy wie »Star Wars« oder »Dune« oder ein SF-Krimi im Stil von Isaac Asimov würden mich reizen. Aber Science-Fiction ist leider ein absolut totes Genre. Abgesehen davon liebe ich ja gute Thriller und fühle mich mit dem Genre ausgelastet.


Wie lange hast du gebraucht, dein erstes Buch herauszubringen? Wie lange hast du an der Idee gesessen, bevor du die erste gedruckte Version in den Händen halten konntest?

Bis zur gedruckten Version verging noch mal eine ganze Zeit mehr, weil ja mein erster Roman zunächst exklusiv als E-Book erschien.

Alles in allem waren es sechs Jahre. Allerdings habe ich in dieser Zeit nicht ausschließlich an dem Manuskript gearbeitet.


Hörst du Musik beim Schreiben oder lenkt dich das eher ab?

Mal so mal so.


Hast du einen festen Platz und bestimmte Zeiten, zu denen du schreibst?

Ja. In der Regel schreibe ich gleich nach dem Aufstehen zwischen vier und sechs Uhr morgens in meinem Lieblingssessel im Wohnzimmer.


Hast du ein Schreibritual?

Nicht wirklich. Die berühmte Tasse Kaffee halt.


Wieviel Stunden schreibst du in der Regel am Stück?

Selten mehr als zwei Stunden. Meistens eher weniger.


Wie gehst du mit negativen Kritiken um?

Ich nehme sie mir zu Herzen, denn fast immer haben sie recht. Bei den negativsten Kritiken stelle ich häufig fest, dass eine Leserin einfach zum falschen Buch gegriffen hat. Aber häufig sind ja negative Kritiken auch wohlwollende Kritiken. So nach dem Motto: »Der Roman hat mir gut gefallen, aaaaber ...« Und dieses Aber ist dann eigentlich auch das, was mich als Autor weiterbringt.


Wie recherchierst du für Krimis? Woher nimmst du das „Expertenwissen“, damit die Szenen authentisch wirken? Wie viel Prozent beim Schreiben bestehen aus Recherche und wie viel aus kreativer Arbeit … und wie viel Zeit braucht es für das Redigieren?

Meine Hauptquellen sind Dr. Google, Professor Wikipedia, Fachbücher und Freunde, die in diesem Bereich auch arbeiten. Außerdem habe ich das Glück, dass mein Writing Buddy Axel Hollmann ziemlich viel Expertenwissen angehäuft hat. Letztendlich ziehe ich auch viel aus der Lektüre anderer Thriller.

Mit der Authentizität ist das halt so eine Sache. Die meisten Leserinnen wollen meiner Ansicht nach ja keine Realität abgebildet haben, sondern das, was sie aus anderen Krimis und Thrillern kennen. Romane haben ja immer eine Form der fingierten Realität.

Ich denke, dass es so ein Verhältnis 30:70 zwischen Recherche und Schreiben gibt. Jedenfalls bei mir.

Das Redigieren ist zumindest bei meiner Arbeitsweise der Hauptteil der Arbeit. Für den ersten Entwurf benötige ich in der Regel – mit Planung und Recherche – ca. drei Monate. Für das Redigieren das Doppelte oder Dreifache.



Arbeitest du mit Scrivener oder in Word? Wie behältst du den Überblick über deine vielen Gedanken und Ideen?

Ich arbeite mit Scrivener. Nur damit behalte ich den Überblick. Alles andere führt nur dazu, dass ich mich verzettele.


Namensfindung – beruhen Namen auf Bekannten/Freunden oder googelst du bzw. schaust in speziellen Namensbüchern nach Inspirationen?

Manchmal habe ich bei einer Figur auch gleich den Namen dazu. Meistens bastle ich aber sehr lange an Namen und es gibt auch viele Änderungen bis zum finalen Manuskript. Die Hauptquelle für Namen sind für mich dabei die Credits bei Filmen. Ich schaue mir prinzipiell den Nachspann von Filmen an und merke mir dann die Namen, die mir aus irgendwelchen Gründen gefallen. Manchmal google ich auch die Bedeutung von Namen. Manchmal reicht es mir, wenn sie für meinen Geschmack einfach gut klingen.


Gibt es 1-2 Schreibbücher (z.B. James Frey), die du Schreibinteressenten ans Herz legen kannst?

»Das Leben und das Schreiben« von Stephen King ist für mich der eine Schreibratgeber, den man unbedingt gelesen haben muss. Darüber hinaus war für mich eines der wichtigsten Bücher James Freys »The Key«.


Wie wichtig sind heute Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter für dich? Nutzt du sie aktiv für das Selbstmarketing und wären sie aus deinem heutigen Leben noch wegzudenken?

Ich verwende hauptsächlich Wordpress, Facebook, Twitter, YouTube und Instagram. Ja, ich nutze sie in gewisser Weise auch fürs Marketing, allerdings ist das nicht der Hauptgrund. Es ist wie mit allen anderen Werbemedien auch: Sie bringen eigentlich nur dann wirklich viel, wenn man bereits ein gewisses Maß an Bekanntheit erreicht hat.

Ich habe also mit Soial Media mit dem Marketinggedanken angefangen, wäre aber heute nicht mehr dabei, wenn es mir nicht einfach Spaß machen würde. Denn allein der Marketingerfolg würde die Zeit, die ich darin investiere, nicht rechtfertigen.

Nun ja, natürlich wären sie wegzudenken. Wahrscheinlich wäre es sogar besser, ich würde mich weniger dort tummeln, denn dann würde ich bestimmt doppelt so viele Romane schreiben. Aber, wie gesagt, sie machen halt Spaß.


Ich habe das Gefühl (ganz persönliche Meinung), dass es in den letzten Jahren im Krimi-Genre einen Wandel gegeben hat - mir kommen mehr Bücher mit einem hohen Gewaltfaktor unter die Augen, mit reißerischen, blutigen (und vielen) Morden. Der klassische ermittlungsgetriebene – und inhaltlich intelligent aufgebaute – „Who Dunnit“ Krimi scheint ausgedient zu haben bzw. weniger häufig oder weniger besser vermarktet zu werden. Wie siehst du das?

Melanie Raabe zum Beispiel schreibt ja weniger blutige Suspense und ist damit sehr erfolgreich. Auch der letzte Roman von Fitzek »Das Paket« ist kein Roman, in dem die Gewaltdarstellung im Vordergrund steht. Und in Nika Lubitschs Thrillern geht es auch weniger um Gewalt, um ein Beispiel aus dem Selfpublishing zu nennen. Und das sind nur so die ersten Beispiele, die mir einfallen.

Gewalt ist halt plakativ und wir merken uns schnell drastische Darstellungen. Subtileres geht in der Wahrnehmung eher unter. Ich vermag nicht zu sagen, ob blutigere Thriller erfolgreicher sind als andere.


Würdest du rückblickend (inhaltlich) etwas ändern an deinen Büchern?

Ja. Immer. Zum Glück. Denn das bedeutet, dass ich mich als Autor weiterentwickle.


Noch eine ganz klassische Frage: was sind deine 3 liebsten Autoren und 3 liebsten Bücher?

Thomas Harris‘ »Das Schweigen der Lämmer«
Robert Blochs »Psycho«
Dan Wells‘ »Ich bin kein Serienkiller«


Ihr wollt noch mehr über Marcus Johanus und zum Thema Schreiben erfahren? Prima, dann schaut doch morgen wieder vorbei :o)

Ihr seid neugierig auf die Person hinter den Namen Marcus Johanus geworden? Auf seinen Internetseiten findet ihr einige Informationen über den Autor und weitere wertvolle Tipps zum Thema Schreiben: