Rezension zu Wie die Luft zum atmen von Brittainy C. Cherry
Seitenzahl: 358 Seiten
Format: Klappbroschur
Preis: 14,00 Euro
ISBN: 978-3-7363-0318-8
Übersetzer: Katja Bendels
Altersempfehlung des Verlages: Ab 16 Jahren
Abgeschlossene Erzählung
Inhalt:
Nach dem Verlust
ihres Ehemannes bei einem Autounfall ist Elisabeths Leben nicht mehr
das, was es zuvor war. Die junge Frau zieht mit ihrer aufgeweckten
Tochter bei ihrer Mutter ein und beobachtet dort Tag für Tag, wie
diese immer wieder neue Männer mit nach Hause bringt. Kurzerhand
fasst Elisabeth den Entschluss zurück in die alte Heimat, aus der
sie nach Stevens Tod geflohen war, zu ziehen. Zurück zu ihren
Freunden, zu ihren Schwiegereltern und zu den Erinnerungen.
Auf dem Weg
dorthin fährt Elisabeth jedoch einen Hund an. Noch ganz verwirrt und
damit beschäftigt, die Situation irgendwie unter Kontrolle zu
bekommen, stürzt ihr auch schon ein missmutiger und erboster junger
Mann entgegen.
Dieses erste
Treffen mit Tristan verläuft alles andere als harmonisch. Elisabeth
lässt es sich nicht nehmen Hund und Halter in die Tierklinik zu
bringen. Hier erkennt sie zum ersten Mal, dass der verbitterte Mann
eine schwere Last auf seinen Schultern trägt.
Wenige Tage nach
diesem Vorfall haben sich Elisabeth und ihre Tochter Emma gerade ein
wenig in der alten Heimat eingefunden, als ein neuer Nachbar in das
verwilderte Haus nebenan einzieht. Elisabeth traut ihren Augen kaum,
als sie erkennt, um wen es sich dabei handelt. Es ist kein anderer,
als der mürrische Hundehalter.
Tristan gibt sich
größte Mühe Elisabeth vor den Kopf zu stoßen. Die Nachbarn
munkeln, dass der Fremde ein Mörder ist oder zumindest einer Katze
mit bloßen Händen den Hals umgedreht hat. Doch Elisabeth lässt
sich von diesem oberflächlichen Eindruck nicht täuschen. Tristan
trägt eine tiefe Trauer in sich, die sie selbst nur zu gut kennt ...
Schreibstil:
Elisabeth, wie auch Tristan haben beide
ihnen sehr nahestehende Menschen durch Tod von sich gehen lassen
müssen. Ein Zufall will es, dass Elisabeth auf der Fahrt mit ihrem
Auto versehentlich den Hund von Tristan anfährt. Im weiteren Verlauf
ist es genau dieser miesepetrige und düstere Hundehalter, der direkt
in das Haus neben Elisabeth einzieht.
Ob diese Zufälle glaubhaft sind, mag
dahingestellt bleiben. Was sicher ist, ist, dass Tristan Elisabeths
Nähe weder sucht, noch schätzt. Elisabeth ist es, die den
verbitterten Mann aus seiner Isolation holen möchte. Sie sieht, dass
hinter der Fassade ein verletzter Mensch steckt und möchte zu ihm
vordringen. Doch umso mehr Elisabeth Tristans Nähe sucht, umso
barscher werden seine Worte. Erst als Tristan die junge Frau vor Wut
von sich stößt und diese sich dabei leicht verletzt, wacht er aus
seiner Starre auf. Nie wollte Tristan jemand anderen als sich selbst
verletzen. Es ist Zeit für eine Entschuldigung und da Tristan nicht
der Mensch für große Worte ist, zeigt er seine Reue mit Taten.
Nach und nach kommen sich Tristan und
Elisabeth näher. Sie merken bald, dass sie einander helfen können
die Vergangenheit ein Stück weit hinter sich zu lassen. In schweren
Zeiten wissen sie, was der jeweils andere durchleidet. Sie ahnen, wie
sie ihm helfen können. Gerade diese Trauerbewältigung ist es, was
den Leser hier in den Bann zieht. Gemeinsam mit den Protagonisten
erlebt er die verschiedenen Phasen des Schmerzes und die vielen
kleinen wundervollen Momente des Alltags, die beide nach und nach
durch die Gesellschaft des anderen wieder erkennen können.
Eine besondere Hilfe ist dabei die
kleine und wirklich zauberhafte Tochter von Elisabeth. Mit ihren
kindlichen Gedanken mit ihrer Art die Dinge anzunehmen, zeigt sie den
Erwachsenen, wie man mit dem Schicksal umgehen muss. Nicht selten
treibt sie Tristan, Elisabeth und auch dem Leser ein Lächeln auf die
Lippen.
Der Schreibstil von Brittainy C. Cherry
ist unglaublich intensiv. Sie vermittelt Gefühle direkt an den
Leser.
Spannung zieht dieser Roman aus der
Frage, ob und wie Tristan und Elisabeth ihren Verlust bewältigen
werden. Werden sie jemals in der Lage sein, die Vergangenheit ruhen
zu lassen und sich auf einen neuen Partner einzulassen? Dieses Thema
bietet genug Stoff für ein Buch, wenn man es richtig angeht und das
tut die Autorin. Auf den letzten Seiten jedoch webt Brittainy C.
Cherry einen weiteren Spannungsbogen ein. Ob man sich dieser etwas zu
dramatischen und überraschenden Wendung hätte bedienen müssen, ist
fraglich. An dieser Stelle ändert sich das gefühlvolle Buch und
vermittelt fast den Anschein eines Thrillers.
Fazit:
In
diesem Buch trifft man auf unglaublich traurige und einsame Menschen,
die all ihre Träume verloren haben. Auf Menschen, deren Partner, die
sie geliebt haben, viel zu früh von ihnen gegangen sind. Ein
unglaublich gefühlvoller Schreibstil fesselt den Leser an die Seiten
und sorgt dafür, dass er mit den Protagonisten liebt, trauert und
kämpft - literarisch überwältigend und hochgradig
emotional. Dieses
Buch geht ans Herz.
Buchzitate:
Kein
Seelenverwandter verlässt diese Welt allein, sie alle nehmen einen
Teil ihrer anderen Hälfte mit sich.
Wenn ich nach Hause komme, baue ich dir
deine Traumbibliothek. Mit hohen Leitern und allem Drum und Dran. Und
dann werde ich dich lieben, irgendwo zwischen der Odyssee und Wer die
Nachtigall stört.
Sie brach in wildes Lachen aus und warf
den Kopf nach hinten. Wenn Faye lachte, dann spürte das ganze
Universum ihr Glück.
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Liebe:
Charaktere:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
