Mittwoch, 31. Juli 2019

Durchgelesen: Auf der Suche nach dem Kolibri

Rezension zu Auf der Suche nach dem Kolibri von Ava Dellaira



Verlag: Magellan (Werbung gem. TMG)
Seitenzahl: 400
Format: Hardcover
Preis: 18,00 Euro
Übersetzer: Jessika Komina, Sandra Knuffinke
ISBN: 978-3-7348-5043-1
Altersempfehlung des Verlages: Ab 14 Jahren
Abgeschlossene Erzählung


Inhalt:

Marilyn steckt voller Träume. Irgendwann möchte sie auf eine Uni gehen, um danach Fotografin zu werden. Ihre Mutter Sylvie hat ganz andere Pläne für sie. Marilyn soll als Modell groß rauskommen. Überall erzählt Sylvie herum, dass ihre Tochter Schauspielerin ist und für Werbeaufnahmen gecastet wird. Mit den Gagen ihrer Tochter möchte die Mutter der Armut entkommen, sich ein schönes Haus mit Pool kaufen und glücklich werden. Bis es soweit ist, zieht Sylvie mit ihrer Tochter nach L.A. zu Onkel Woody. Beim Ausräumen der Umzugskartons treffen sie auf James, der ebenfalls mit seinen Großeltern und seinem Bruder in dem Wohnkomplex beheimatet ist. Sylvie bittet den jungen Mann um Hilfe. Sie selbst zieht sich in das Haus zurück. Letztlich ist es Marilyn, die gemeinsam mit James den Einzug stemmt. Beide kommen sich bei dieser Gelegenheit näher und plötzlich ist geteiltes Leid doppelte Freude.

Jahre später: Marilyn hat ihre Pläne ein College zu besuchen, um Fotografin zu werden, aufgeben müsssen. Stattdessen hat sie ein zauberhaftes Kind bekommen. Die junge Frau versucht alles, um es ihrer Tochter Angie recht zu machen. Sie will Angie ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Sie soll aufs College gehen können. Angie lässt jedoch der Gedanke an ihre Vaterlosigkeit nicht mehr los. Immer wieder wird sie auf ihre Hautfarbe angesprochen, die anders als die ihrer Mutter, dunkle Nuancen aufweist.
Marilyn hat ihr erzählt, dass James und sein Bruder bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Doch ein Musikvideo, welches von einem Justin Bell produziert wurde, weckt Angies Neugierde. Dieser Name triggert sie angesichts der Namensgleichheit des Produzenten mit ihrem Onkel. Lebenszeichen oder Zufall? Kurzerhand fährt Angie zu ihrem Ex-Freund. Sie bittet ihn, sie nach L.A. mitzunehmen. Sam ist nicht begeistert, denn er hat die Trennung von Angie noch lange nicht verkraftet. Dennoch willigt er ein. Es beginnt ein spektakuläres Abenteuer. Wird Angie in einer so großen Stadt wie L.A. mit diesen wenigen Hinweisen auf ihren Onkel Erfolg haben können?



Im Detail:

Ava Dellaira erzählt ihre Geschichte zweier Frauen auf der Suche. Der Leser begleitet zum einen die junge Marilyn, die voller Wünsche und Sehnsüchte steckt. Sie möchte irgendwann einmal Fotografin werden. Bis dahin bedient sie sich einer imaginären Kamera. Mit Zeigefinger und Daumen beider Hände, bildet sie ein Quadrat und versucht darin schöne Momente einzufangen; mit einem Blinzeln der Augen betätigt sie den Auslöser. Diese „Gedankenbilder“ versucht Marilyn fest in ihrem Kopf einzuspeichern und nicht mehr zu vergessen.

Marilyns Mutter sucht die Chance mit ihrer Tochter die Verwirklichung ihrer Träume zu wahren.
Sie träumt von einem Leben in einem Luxushaus. Die Tochter soll mit Werbefotografien das Geld dazu eintreiben. Sylvie und Marilyn wandern von einem Casting zum anderen. Die Tochter muss sich kalorienarm ernähren und ist nach einer Mahlzeit oft noch gar nicht richtig satt. Der Umzug zum Onkel macht alles nicht besser. Denn Woody ist der Spielsucht verfallen. Mit Onlinepoker und Kasinobesuchen verdient er sich seinen Lebensunterhalt. An schlechten Abenden greift er zum Alkohol und pöbelt herum. Es ist besser ihn an solchen Tagen zu meiden, das hat Marilyn schnell raus. Doch etwas Gutes hat dieser Umzug nach L.A. auch. Denn schon am ersten Tag lernt Marilyn den dunkelhäutigen James kennen. 

James ist, im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Justin, eher verschlossen. Und dennoch kommen sich Marilyn und er näher. Sie verbringen Zeit miteinander und schaffen Erlebnisse. Marilyn fühlt sich in James Gegenwart wohl. Seine Familie ist so ganz anders als ihre eigene. Die Großeltern sind herzlich, ihre Tür steht immer offen für Marilyns spontane Besuche. Doch gerade in dem Moment, in dem James und Marilyn anfangen Pläne für die Zukunft zu schmieden, passiert etwas, was ihr Leben für immer verändern wird.

Der zweite Handlungsstrang der Geschichte beschäftigt sich mit Angie, Marilyns Tochter. Angie ist sich sicher, dass ihre Mutter ihr nicht die Wahrheit erzählt hat, was ihren Vater angeht. Kurzerhand beschließt sie eigene Recherchen anzustellen. Hierzu benötigt sie jedoch Hilfe. Leider ist Sam, ihr Ex-Freund, die einzige Option sie nach L.A. zu fahren.

Ava Dellaira verwebt in ihrem Werk die Geschichten zweier Frauen, die sich der Verfolgung ihrer sich selbst gesetzten Lebensziele verschrieben haben. Auch die Erfahrung mit dem latenten Rassismus der us-amerikanischen Gesellschaft ist ein Thema. Am Zusammenspiel der Figuren zeigt Ava Dellaira meisterhaft Alltagsrassismus. Dabei reduziert die Autorin ihre Darstellung auf die reine Präsentation und lässt sich zu keinerlei Kommentar hinreißen.

Die Autorin legt den Fokus jedoch nicht nur auf die Hauptfiguren. Geschickt haucht sie den Nebenfiguren Leben ein und lässt sie dem Leser ans Herz wachsen. Mein besonderer Liebling in der Geschichte war James Bruder, Justin, der mit seiner lebendigen Art nicht nur Marilyns Herz für sich gewinnen konnte. Aber auch James und Justins Großeltern hätte ich gerne einmal im realen Leben kennengelernt. Woody wiederum ist wie geboren zum Antihelden.



Fazit:

Eine Liebesgeschichte, die ein Echo im Herzen weckt. Ava Dellaira zeigt mit, „Auf der Suche nach dem Kolibri“, dass auch Liebesgeschichten spannend sein können. Denn wenn es um Liebe geht, ist Hass nicht fern. Der Roman beschäftigt sich mit zwei Frauen auf der Suche. Die eine mit Zukunftsvisionen, die andere auf der Suche nach Antworten in ihrer Vergangenheit.

Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Sendungsbewusstsein schreibt Dellaira von den Abgründen und Sonnenseiten menschlichen Seins. Um die Protagonistinnen ranken sich skurrile, liebenswerte und zum Teil vom Schmerz zerfressene Figuren.
Ein starkes Stück Literatur ist schließlich das Ende des Romans, das wie ein Paukenschlag erscheint und einen fast ratlos zurücklässt.

Von mir gibt es eine volle Leseempfehlung für dieses Buch.



Buchzitate:

Marilyn geht nicht mehr duschen an diesem Abend, sie will das Meer nicht abwaschen, jenen stummen Beweis, dass sie zumindest für einen Nachmittag einen Platz in der Welt hatte.

Er bietet ihr seinen Pulli an, und sie zieht ihn sich über den Kopf – er ist so groß, dass sie angenehm darin versinkt. Sie atmet seinen Duft ein, der sich mit der salzigen Meeresbrise mischt, und hat endlich das Gefühl, wieder Luft zu bekommen.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Liebe:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:



 


Im Gesamtpaket:



Kommentare:

  1. Liebe Tanja,
    diese Rezension liest sich so interessant, dass ich richtig Lust bekomme, es auch zu lesen. Gerade deutschsprachige Bücher über Rassismus und dessen Überwindung sind leider noch viel zu selten zu finden, obwohl es ausgerechnet in diesen Tagen so wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht zu Vorurteilen oder noch hässlicheren Formen davon hinreißen zu lassen.
    Vielen Dank für deine Rezension und viel Spaß beim Lesen,
    Isa

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    1. Hallo liebe Isa,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich freue mich, dass ich mit dieser Rezension deine Lust geweckt habe, den Kolibri zu lesen. Ich finde es war eine ganz wundervolle Geschichte.

      Ich finde es auch sehr wichtig, dass Themen, wie z.B. Rassismus in Büchern noch mehr aufgegriffen werden. In diesem Buch gab es auch viele kleine zaghafte Andeutungen. Es gibt diesen Moment, wo sich eine der Protagonistinnen um eine Stelle bewerben möchte und mit dem Spruch "Wir kaufen nichts" an der Tür abgewiesen wird. Die Person, die sie abgewiesen hat, hat sich nur durch den ersten Blick auf die Hautfarbe zu der Bemerkung verleiten lassen.
      Ich finde es sehr wichtig, dass man verdeutlicht, was ein kleiner Spruch bei der betroffenen Person auslösen kann und welche großen Auswirkungen jede kleine Tat haben kann. Wie wichtig es ist, dass jeder einzelne etwas gegen Vorurteile unternimmt.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Liebe Tanja,

    vielen Dank für die Buchvorstellung. Das Buch kannte ich bisher noch gar nicht, aber das Cover hat mich sofort angesprochen. Es sieht wirklich toll aus. Auch deine Rezension klingt richtig gut. Licht- & schattenseite, Liebe & Spannung. Ich bin richtig neugierig auf das Buch.

    Liebe Grüße
    Jenny

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    1. Hallo liebe Jenny,
      das Cover ist wunderschön, oder? Ich habe mich auch gleich darin verliebt <3
      Die Geschichte war für mich auch eine große Überraschung. Das Ende war auch ziemlich heftig. Ich kann dir empfehlen es zu lesen.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  3. Hört sich nach einem sehr lebensnahen Werk an.
    So ist das eben mit Träumen, aber man darf sie nie aufgeben.
    GLG sigrid

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    1. Hallo liebe Sigrid,
      jaaaaa, da hast du schon Recht. Aber ein lebenslanger Kampf um einen Traum kann natürlich auch scheitern. Das hat man anhand dieser Geschichte dann u.a. auch erfahren.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Liebe Tanja,

    vielen Dank für den Lesetipp. Laura und Mandy haben mir immer wieder von den Magellan Büchern vorgeschwärmt und Ally auch, aber so 100% hat mich noch keines der Bücher angesprochen. Endlich gibt es eine Liebesgeschichte und ich werde mir das Buch auf jeden Fall besorgen :-)

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo liebe Desiree,
      ohhhh, du musst unbedingt (!) mal ein Buch aus dem Magellanverlag lesen. Ich bin mir sicher, dass du dich in die Geschichten verlieben wirst. Sie sind anders, als die anderer Verlage.

      Ich freue mich, dass der Kolibri dich angesprochen hat. Ich finde es ist eine sehr schöne Liebesgeschichte. Ich meine bei Ally ist es auch eingezogen.

      Lass es mich unbedingt wissen, wenn du es gelesen hast. Ich bin so gespannt auf deine Meinung zum ersten Magellanbuch <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  5. Hallo Tanja,
    ich bin jetzt doch ganz froh, mal in die Rezension rein gesehen zu haben. Das Buchcover ist zwar ganz nett, aber so ganz gepackt hätte es mich da noch nicht. WAs du dann allerdings über die Geschichte erzählst, macht doch wieder neugierig und ist irgendwie auch was anderes, als ich beim Namen erwartet habe. :)
    Danke für die schöne Vorstellung!
    Lg Dana

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    1. Hallo liebe Dana,
      ich muss ja sagen, dass mich das Cover gleich sehr angesprochen hat. Beim Klappentext war ich mir ein wenig unsicher. Großer Fehler. Das Buch ist richtig gut.
      Der Kolibri kommt als Figur eher am Rande vor. Wenn du die Geschichte gelesen hast, wirst du aber den Titel gewiss auch sehr passend finden (?) :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  6. Huhu Tanja,

    das Buch habe ich tatsächlich noch nirgends gesehen, aber es klingt echt toll. Auch das Cover finde ich super schön. Deine Rezension macht unglaublich neugierig. Das Buch landet auf jeden Fall auf meiner Wunschliste. :)

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag. <3

    Liebe Grüße

    Sunny

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    1. Hallo liebe Sunny,
      ich habe mich auch in dieses wunderschöne Cover verliebt. Ich muss sagen, dass mich der Klappentext nicht gleich überzeugt hat. Die Geschichte war aber richtig schön. Ich freue mich, dass der Kolibri auf deiner Wunschliste gelandet ist. Ich denke das wirst du nicht bereuen.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  7. Hallo liebe Tanja,

    auf dieses Buch freue ich mich auch schon sehr. Dein Fazit klingt toll und gerade hinsichtlich dem Ende hast du mich nun noch ein bisschen neugieriger gemacht. Über das Buch werden wir uns bestimmt einiges zu erzählen haben.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo lieber Uwe,
      ohja, das Ende ... darüber müssen wir sprechen! Ich freue mich so sehr, dass das Buch auch bei dir eingezogen ist. Weißt du schon, wann du es lesen wirst?

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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    2. Das machen wir und wahrscheinlich im August

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  8. Guten Abend liebe Tanja,
    der Magellan-Verlag hat ja so viele wundervolle Bücher, ich mag den Verlag wirklich sehr gerne. Der Band hört sich auch nach einer sehr schönen Geschichte an, deren Neugier Du gerade in mir geweckt hast.
    Alleine schon der Titel klingt so bezaubernd:)
    Herzliche Grüße
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,
      da bin ich ganz deiner Meinung. Ich lese die Bücher aus dem Hause Magellan auch unheimlich gerne. Der Kolibri wusste mich auf ganzer Länge von sich zu überzeugen. Ich freue mich, dass ich mit der Rezension deine Neugierde für das Buch wecken konnte.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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