Donnerstag, 9. Februar 2017

Interview mit Marcus Johanus "Ein Buch schreiben - aber wie?" - Teil 1

 
Hallo ihr Lieben,

Am folgenden Samstag um 14:00 Uhr wird es auf „Meine Welt voller Welten“ und „Der Duft von Büchern und Kaffee“ einen ganz besonderen Bloggerbrunch geben. Gemeinsam mit euch wollen wir in vier bis fünf Fragen über das Thema „Ein Buch schreiben – aber wie“ sprechen. Im Vorfeld haben wir euch gebeten uns eure Fragen zu schicken, damit wir sie an den Autor und Podcaster Marcus Johanus zusenden können.

Gemeinsam mit der Bloggerin Kati haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt. Marcus hat sich an die Tastatur gesetzt und uns ausführlich geantwortet. Leni und ich sind sehr froh euch nun seine Antworten in einem Interview präsentieren zu können.

Heute könnt ihr den ersten Teil bei „Meine Welt voller Welten“ und „Der Duft von Büchern und Kaffee“ nachlesen. Wir wünschen euch viel Spaß mit dem nun folgenden Artikel :o)

Katis Fragen:


Erst zum Thema Blogger & Autoren:

Blogger & Autor: Wie siehst du das Thema Buchblogger – ist es für dich ein „praktisches“ Marketinginstrument oder bedeutet es mehr für dich?

Ich würde es prinzipiell als seltsam empfinden, Menschen als Marketinginstrument zu betrachten. Ja, viele Autorinnen gehen in die sozialen Medien, um Werbung für ihre Bücher zu machen. Ich habe auch vor einigen Jahren mit Facebook und Co. mit diesem Ziel begonnen. Und Bücherblogs sehe ich hier – wie Blogging prinzipiell – als Teil von Social Media.

Meine Einstellung zu Social Media hat sich aber ziemlich schnell gewandelt. »Marketing« in dem Sinne, dass ich ein gewisses Maß an Zeit und Geld investiere und dafür mehr Bücher verkaufe, kann und sollte man an dieser Stelle nicht erwarten.

Stattdessen habe ich festgestellt, dass man haufenweise liebe Menschen kennenlernt und sich über interessante und auch berührende Themen austauschen kann.

Deswegen schreibe ich auch nur noch selten Bücherblogs an und offeriere Rezensionsexemplare. Das mache ich wirklich nur noch, wenn ich den Blog wirklich kenne und gut finde. Dann würde es mich halt irgendwie stolz machen, wenn meine Bücher dort ebenfalls vertreten wären. Ich habe aber auch immer Verständnis dafür, wenn die Betreiberinnen zu beschäftigt sind, um mein Buch zu nehmen. Ich werde ja auch häufiger gefragt, ob ich dieses oder jenes Buch oder Manuskript lesen möchte und lehne das dann auch fast immer aus Zeitgründen ab.


Vergibst du selbst auch Rezensionsexemplare? Hast du mit Bloggern bereits negative Erfahrungen gemacht? Sprechen dich Blogger auch aktiv an und bitten um Rezensionsexemplare?

Ja. Nein. Ja. :-)


Wie siehst du den Ruf der Blogger derzeit nach „Monetarisierung“? Buchblogger vergleichen sich mit der Modebranche und wollen auch Geld verdienen. Ist das aus deiner Sicht möglich oder ist es eh eher eine Branche, in der nur Ausnahmen wirklich gut Geld verdienen (damit meine ich auch die Autoren, denn nur wirklich wenige verdienen wirklich gut -> wie soll also eine Branche, in der schon die Autoren nicht wahnsinnig viel Geld verdienen noch Hobbybloggern aktiv Geld zahlen?)?

Ich bin prinzipiell der Ansicht, dass Menschen, die etwas leisten, dafür auch bezahlt werden sollten. Leider gibt es eine ziemlich ausgeprägte »kostenlos«-Mentalität. Nicht nur in der Buchbranche, sondern auch in vielen anderen Bereichen, aber das ist hier ja nichts das Thema.

Mich regt das nur im Allgemeinen auf. Denn dieser Gedanke geht ja auch so weit, dass viele Menschen glauben, dass sie für Dinge, die ihnen Spaß machen, kein Geld nehmen dürften. Ich finde diesen Gedanken fatal, denn im Umkehrschluss müsste ich dann ja einen Job haben, der mich anödet, damit ich ordentlich Geld dafür bekomme. Und das ist offensichtlicher Blödsinn.

Tatsächlich halte ich es für problematisch, dass Bücher viel zu billig sind. Im Schnitt würde ich mal schätzen, dass ein Buch so um die zehn Euro kostet. Schon eine Kinokarte kostet mehr. Im Vergleich zum Buch ist das Kino ein kurzes und vergleichsweise flüchtiges Vergnügen. Ein Buch dürfte also in meinen Augen locker das Doppelte oder Dreifache kosten. Wenn dann nicht nur wenige an dem Buch gut verdienten, sondern alle, die an seinem Erfolg beteiligt sind, wäre das eine gerechte Angelegenheit.

Aber das ist natürlich eine Utopie. Und alle, die sich in die Buchbranche begeben – sei es nun als Autorin, Verlagsmitarbeiterin oder eben Bloggerin – müssen sich darüber im Klaren sein, dass hier nicht das große Geld zu machen ist. Das ist weder gerecht noch gut, aber die Realität.

Den Vergleich mit der Modebranche finde ich abwegig. Denn in diesem Bereich steckt viel, viel mehr Geld als in der Buchbranche. Abgesehen davon werden auch hier ja zum Teil Hungerlöhne gezahlt, wenn ich an Schneiderinnen in Indien oder China denke, die für den deutschen Markt produzieren und ausgebeutet werden.

In gewisser Weise sind die Buchbloggerinnen das, was die Billigarbeitskräfte aus den Schwellenländern für die Modebranche sind. Traurig, aber so ist das nun einmal. Es bringt nichts, darüber zu jammern.


Hast du einen Vorschlag, wie die Zusammenarbeit zwischen Blogger & Autoren verbessert oder optimiert werden kann?

Müsste sie denn optimiert werden? Der einzige negative Punkt, der mir einfällt, ist der, dass viele Bücherbloggerinnen einfach eine zu lange Leseliste haben. Ich fürchte, das liegt in der Natur der Sache und lässt sich kaum ändern.


Allgemeine Fragen zum Thema „Schreiben“:

Woher kommt die Faszination für das Genre Krimi & Thriller? Warum nicht – z.B. Fantasy oder Love-Stories?

Love-Stories, also Liebesromane, sind ja zusammen mit Thrillern und Krimis das erfolgreichste Genre auf dem Buchmarkt.

Warum Thriller und Krimis erfolgreicher als z.B. Fantasy-Romane sind, liegt meiner Meinung nach an der Thematik und am Setting. Das Böse ist einfach faszinierend. Bei jedem Autounfall wollen wir gleichzeitig weg- und hinsehen. Diese Ambivalenz ist für uns faszinierend.

Im realen Leben gibt es Tabus, die wir beachten. Das Lesen eines Romans ist ungefährlicher, intimer und persönlicher. Hier brauche ich mir über Tabus keine Gedanken zu machen. Es ist also in gewissem Maße Voyeurismus, der durch Thriller und Krimis sehr ungefährlich befriedigt werden kann, was in der Realtität – gottlob – nicht so einfach möglich ist.

Hinzu kommt, dass Thriller und Krimis realitische Settings im Hier und Jetzt haben. Das mögen offensichtlich die meisten Leserinnen. Fantasy ist nicht jedermanns Sache.


Kannst du dir vorstellen auch mal ein Buch in einem ganz anderen Genre zu schreiben? Wenn ja, was am Ehesten?

Space Fantasy wie »Star Wars« oder »Dune« oder ein SF-Krimi im Stil von Isaac Asimov würden mich reizen. Aber Science-Fiction ist leider ein absolut totes Genre. Abgesehen davon liebe ich ja gute Thriller und fühle mich mit dem Genre ausgelastet.


Wie lange hast du gebraucht, dein erstes Buch herauszubringen? Wie lange hast du an der Idee gesessen, bevor du die erste gedruckte Version in den Händen halten konntest?

Bis zur gedruckten Version verging noch mal eine ganze Zeit mehr, weil ja mein erster Roman zunächst exklusiv als E-Book erschien.

Alles in allem waren es sechs Jahre. Allerdings habe ich in dieser Zeit nicht ausschließlich an dem Manuskript gearbeitet.


Hörst du Musik beim Schreiben oder lenkt dich das eher ab?

Mal so mal so.


Hast du einen festen Platz und bestimmte Zeiten, zu denen du schreibst?

Ja. In der Regel schreibe ich gleich nach dem Aufstehen zwischen vier und sechs Uhr morgens in meinem Lieblingssessel im Wohnzimmer.


Hast du ein Schreibritual?

Nicht wirklich. Die berühmte Tasse Kaffee halt.


Wieviel Stunden schreibst du in der Regel am Stück?

Selten mehr als zwei Stunden. Meistens eher weniger.


Wie gehst du mit negativen Kritiken um?

Ich nehme sie mir zu Herzen, denn fast immer haben sie recht. Bei den negativsten Kritiken stelle ich häufig fest, dass eine Leserin einfach zum falschen Buch gegriffen hat. Aber häufig sind ja negative Kritiken auch wohlwollende Kritiken. So nach dem Motto: »Der Roman hat mir gut gefallen, aaaaber ...« Und dieses Aber ist dann eigentlich auch das, was mich als Autor weiterbringt.


Wie recherchierst du für Krimis? Woher nimmst du das „Expertenwissen“, damit die Szenen authentisch wirken? Wie viel Prozent beim Schreiben bestehen aus Recherche und wie viel aus kreativer Arbeit … und wie viel Zeit braucht es für das Redigieren?

Meine Hauptquellen sind Dr. Google, Professor Wikipedia, Fachbücher und Freunde, die in diesem Bereich auch arbeiten. Außerdem habe ich das Glück, dass mein Writing Buddy Axel Hollmann ziemlich viel Expertenwissen angehäuft hat. Letztendlich ziehe ich auch viel aus der Lektüre anderer Thriller.

Mit der Authentizität ist das halt so eine Sache. Die meisten Leserinnen wollen meiner Ansicht nach ja keine Realität abgebildet haben, sondern das, was sie aus anderen Krimis und Thrillern kennen. Romane haben ja immer eine Form der fingierten Realität.

Ich denke, dass es so ein Verhältnis 30:70 zwischen Recherche und Schreiben gibt. Jedenfalls bei mir.

Das Redigieren ist zumindest bei meiner Arbeitsweise der Hauptteil der Arbeit. Für den ersten Entwurf benötige ich in der Regel – mit Planung und Recherche – ca. drei Monate. Für das Redigieren das Doppelte oder Dreifache.



Arbeitest du mit Scrivener oder in Word? Wie behältst du den Überblick über deine vielen Gedanken und Ideen?

Ich arbeite mit Scrivener. Nur damit behalte ich den Überblick. Alles andere führt nur dazu, dass ich mich verzettele.


Namensfindung – beruhen Namen auf Bekannten/Freunden oder googelst du bzw. schaust in speziellen Namensbüchern nach Inspirationen?

Manchmal habe ich bei einer Figur auch gleich den Namen dazu. Meistens bastle ich aber sehr lange an Namen und es gibt auch viele Änderungen bis zum finalen Manuskript. Die Hauptquelle für Namen sind für mich dabei die Credits bei Filmen. Ich schaue mir prinzipiell den Nachspann von Filmen an und merke mir dann die Namen, die mir aus irgendwelchen Gründen gefallen. Manchmal google ich auch die Bedeutung von Namen. Manchmal reicht es mir, wenn sie für meinen Geschmack einfach gut klingen.


Gibt es 1-2 Schreibbücher (z.B. James Frey), die du Schreibinteressenten ans Herz legen kannst?

»Das Leben und das Schreiben« von Stephen King ist für mich der eine Schreibratgeber, den man unbedingt gelesen haben muss. Darüber hinaus war für mich eines der wichtigsten Bücher James Freys »The Key«.


Wie wichtig sind heute Social-Media-Kanäle wie Facebook und Twitter für dich? Nutzt du sie aktiv für das Selbstmarketing und wären sie aus deinem heutigen Leben noch wegzudenken?

Ich verwende hauptsächlich Wordpress, Facebook, Twitter, YouTube und Instagram. Ja, ich nutze sie in gewisser Weise auch fürs Marketing, allerdings ist das nicht der Hauptgrund. Es ist wie mit allen anderen Werbemedien auch: Sie bringen eigentlich nur dann wirklich viel, wenn man bereits ein gewisses Maß an Bekanntheit erreicht hat.

Ich habe also mit Soial Media mit dem Marketinggedanken angefangen, wäre aber heute nicht mehr dabei, wenn es mir nicht einfach Spaß machen würde. Denn allein der Marketingerfolg würde die Zeit, die ich darin investiere, nicht rechtfertigen.

Nun ja, natürlich wären sie wegzudenken. Wahrscheinlich wäre es sogar besser, ich würde mich weniger dort tummeln, denn dann würde ich bestimmt doppelt so viele Romane schreiben. Aber, wie gesagt, sie machen halt Spaß.


Ich habe das Gefühl (ganz persönliche Meinung), dass es in den letzten Jahren im Krimi-Genre einen Wandel gegeben hat - mir kommen mehr Bücher mit einem hohen Gewaltfaktor unter die Augen, mit reißerischen, blutigen (und vielen) Morden. Der klassische ermittlungsgetriebene – und inhaltlich intelligent aufgebaute – „Who Dunnit“ Krimi scheint ausgedient zu haben bzw. weniger häufig oder weniger besser vermarktet zu werden. Wie siehst du das?

Melanie Raabe zum Beispiel schreibt ja weniger blutige Suspense und ist damit sehr erfolgreich. Auch der letzte Roman von Fitzek »Das Paket« ist kein Roman, in dem die Gewaltdarstellung im Vordergrund steht. Und in Nika Lubitschs Thrillern geht es auch weniger um Gewalt, um ein Beispiel aus dem Selfpublishing zu nennen. Und das sind nur so die ersten Beispiele, die mir einfallen.

Gewalt ist halt plakativ und wir merken uns schnell drastische Darstellungen. Subtileres geht in der Wahrnehmung eher unter. Ich vermag nicht zu sagen, ob blutigere Thriller erfolgreicher sind als andere.


Würdest du rückblickend (inhaltlich) etwas ändern an deinen Büchern?

Ja. Immer. Zum Glück. Denn das bedeutet, dass ich mich als Autor weiterentwickle.


Noch eine ganz klassische Frage: was sind deine 3 liebsten Autoren und 3 liebsten Bücher?

Thomas Harris‘ »Das Schweigen der Lämmer«
Robert Blochs »Psycho«
Dan Wells‘ »Ich bin kein Serienkiller«


Ihr wollt noch mehr über Marcus Johanus und zum Thema Schreiben erfahren? Prima, dann schaut doch morgen wieder vorbei :o)

Ihr seid neugierig auf die Person hinter den Namen Marcus Johanus geworden? Auf seinen Internetseiten findet ihr einige Informationen über den Autor und weitere wertvolle Tipps zum Thema Schreiben:

 

Kommentare:

  1. Wow liebe Tanja

    Was für ein riesiges, spannendes Interview, was für ein toller, sympathischer Autor und die Fragen sind einfach fantastisch, Gratulation.

    Schon seit Tagen sehe ich immer wieder den "Bloggerbrunch"-Banner bei dir und ärgere mich, dass niemand kommentiert und ich drücke so fest die Daumen, dass ihr ein paar Teilnehmer findet. Ich arbeite leider morgen Nachmittag, weshalb ich erst am Abend vorbeischauen kann, Musikerleben halt :-)

    Ganz liebe Grüsse dir und viel Spass morgen
    Livia

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    1. Hallo Livia,
      ich danke dir für deine lieben Worte zu unserem Interview. Dein Kommentar bedeutet mir viel. Dieser Artikel war eine Herzensangelegenheit von mir, zumal "Die Schreibdilettanten" im Wesentlichen dafür verantwortlich sind, dass ich auf die Plattform Lovelybooks gestoßen bin. Und ohne Lovelybooks wäre ich nie auf die Idee gekommen zu bloggen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Marcus Johanus sich für unsere Aktion zu diesem Interview bereit erklärt hat :o))

      Wenn du Lust und Zeit hast, dann kannst du natürlich auch gerne später noch unsere Fragen vom Bloggerbrunch in den Kommentaren beantworten. Leni und ich freuen uns auf jeden Fall :o)

      Ich wünsche dir in jedem Fall ein wunderschönes Wochenende :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. Schau mal, liebe Tanja.

    Ich habe dich getagt: Hier

    Ganz liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Hallo Gisela,
      ich danke dir fürs taggen :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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