Rezension zu Atemnot von Ilsa J. Bick
Seitenzahl: 352 Seiten
Format: Klappbroschur
Preis: 14,99 Euro
ISBN: 978-3-86396-064-3
Übersetzer: Anke Caroline Burger
Altersempfehlung des Verlages: 14 bis 17 Jahre
Abgeschlossene Erzählung
Inhalt:
Kommissar Pendleton händigt Jenna,
welche kurze Zeit zuvor von der Polizei aus dem Wasser gezogen wurde,
ein Aufnahmegerät aus und bittet sie der Polizei ihre Geschichte zu
erzählen. Nach und nach offenbart das Mädchen, was geschehen ist,
bis zu dem Zeitpunkt an dem der Polizeibeamte sie aus dem Wasser
fischte. Jenna gibt gleich von Anfang an zu, dass sie nicht unbedingt
ein Opfer ist. Sie gesteht eine Lügnerin zu sein. Sie offenbart eine
düstere und einsame Welt, in der sie jeden Tag einen stillen Kampf
auszufechten hatte. Sie erzählt von ihrem Vater, der stets die Augen
verschließen und eine heile Welt sehen wollte, von Eltern, die mit
den äußeren Umständen nicht zurecht kamen und Halt bei einem
fremden Partner gesucht haben. Jenna berichtet, wie sie Opfer eines
Hausbrands wurde und welche Narben ihre Vergangenheit bei ihr
hinterlassen hat. Sie ist sehr
stark, aber sie ist auch nicht unzerbrechlich. In dem Schulwechsel
sieht sie keine Hoffnung auf Besserung. Doch ihre Welt verändert
sich, als sie auf Menschen trifft, die es gut mit ihr meinen. So gibt
es zum Beispiel den Lehrer, Mr. Anderson, der eine Schwäche für
Mädchen mit Problem-Biografien
hat.
Wichtigste Charaktere:
Jenna ist
die Protagonistin der Geschichte. Sie musste in ihrer Vergangenheit
einiges über sich ergehen lassen. Einerseits ist sie stark und
tough, andererseits zeigt sie auch eine zerbrechliche Seite. Jenna
ist sehr klug und weiß sich zu helfen.
Mr Anderson ist
einer von Jennas Lehrern an der neuen Schule. Mr. Anderson ist sehr
feinfühlig und bietet dem Mädchen stets seine Hilfe an.
David begegnet
Jenna als einer der wenigen Menschen an der neuen Schule offen,
hilfsbereit
und freundlich.
Danielle steht
Jenna gleich von Anfang an feindsehlig gegenüber. Sie lästert über
Jenna und macht ihr das Leben gerne schwer.
Bob, auch
genannt Mr. Pendleton, ist der Kommissar, der Jenna aus einer Notlage
hilft. Er wurde mit ihrem Fall betraut und erhofft sich eine Aussage
von ihr.
Schreibstil:
Mit Atemnot schafft Ilsa J. Bick einen
Roman der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Sie schreibt
über Menschen, die an der Welt zerbrochen sind und die dennoch
versuchen weiterzumachen.
So
gibt es hier einen Lehrer, dessen Träume nach und nach zerplatzt
sind. Der jedoch versucht seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er
anderen Menschen helfen möchte, ihre kaputten Seelen zu heilen. Es
gibt einen Vater; der vordergründig brave Bürger, kompensiert
seine reale Ohnmacht um die Zerbrechlichkeit seines Familienglücks,
indem er Trost bei einer anderen Frau sucht.
Doch
gerade dieses Verhalten sorgt bei Frau und Tochter für ganz eigene
Probleme. Die Tochter wird gezwungen Geschehenes zu verschweigen, mit
der damit verbundenen schweren seelischen Belastung.
Die Mutter hingegen
versucht, dem Kummer und der Last, derer sie nicht Herr werden kann
ebenfalls zu entfliehen, indem auch sie sich eine Liason sucht und an
ihrem letzten großen Traum, einer Buchhandlung, festhängt, der die
Familie jedoch finanziell zu zerstören droht.
Die Probleme sind
so festgefahren, dass es keinen Ausweg außer dem eines großen
Knalls zu geben scheint.
Immer
wieder baut die Autorin Spannung auf, beginnt mit subtilen
Andeutungen,
die sich langsam verdichten und schließlich ihren Kulminationspunkt
im offen beschriebenen Grauen finden.
So gibt Jenna
bereits zu Anfang zu, dass sie nicht unbedingt nur ein Opfer ist. Sie
gesteht, eine Lügnerin zu sein. Der Kommissar bittet Jenna die
Geschichte zu erzählen, weil sie die Einzige ist, die noch lebt.
Alleine diese Andeutungen bleiben im Kopf und zerstören die
Hoffnung, die man immer wieder fassen möchte, im Keim und dennoch
klammert man sich als Leser daran. Genauso ergeht es auch der
Protagonistin und den Charakteren der Geschichte. Sie wissen, dass
das Leben ihnen nicht gut mitspielt und dennoch kämpfen sie sich
voran. Sie hoffen und versuchen etwas zu verbessern.
Fazit:
Ilsa
J. Bick berichtet in Atemnot von der Zerbrechlichkeit
familiärer Lebenssicherheiten, von Jenna, einem Mädchen, das für
eine Opfer-Geschichte
nicht taugt.
Sie
erschafft Menschen, die ein einfaches
Schema von Opfer-Täter
Beziehungen mehrfach durchbrechen. Menschen, die Jenna helfen wollen, aus ihrer Situation auszubrechen,
aber andererseits selbst am Leben gescheitert sind. Ilsa J. Bick
berichtet in Atemnot von Enttäuschung, Verlust, Hoffnung und Liebe
und schreibt eine fesselnde und psychologisch tiefgründige
Geschichte, die einen noch lange nicht loslassen wird.
In diesem Roman gibt es keine Gewinner oder Verlierer. Es gibt
Menschen, die auf ihre Art versuchen, ihr Leben zu meistern und nicht
selten daran scheitern.
Ganz großes Leseerlebnis!
Buchzitate:
In der Klapse hatten wir noch eine
andere Ritzerin. Sie hat Worte und Buchstaben geschnitten. Ich nicht.
Ich bin ein Glückskind, eine Lügnerin,
eine Streberin, eine Prinzessin, ich habe gestohlen - und getötet.
Und meine Geschichte – die Wahrheit – fängt mit Mr. Anderson an.
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Liebe:
Charaktere:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
