Rezension zu Der Kuss der Lüge: Die
Chroniken der Verbliebenen von Mary E. Pearson
Verlag:
One (Bastei Lübbe)
Seitenzahl: 559
Format: Hardcover
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 978-3-8466-0036-8
Übersetzer: Barbara Imgrund
Altersempfehlung des Verlages: Ab 14 Jahren
Band 1
Inhalt:
Lia ist entsetzt. Als erste Tochter von
Morrighan soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie
zuvor noch nicht einmal in Augenschein genommen hat. Eine Zweckheirat, um die Macht ihrer Familie und des Königreiches
zu erweitern. Sie möchte nicht mit einem hässlichen, alten Mann
vermählt werden. Daher packt sie kurz vor der Abreise zu den
Feierlichkeiten ihre Sachen, besteigt noch im Hochzeitsgewand eines
der Pferde aus dem Stall und flüchtet gemeinsam mit ihrer treuen
Begleiterin und Freundin Pauline in das Nachbarland Terravin.
Hier möchte sie ein neues Leben in
Freiheit beginnen. Wie ein ganz normaler Bürger, ohne die
Privilegien, die eine Prinzessin üblicherweise genießt.
Doch der Prinz hat längst von Lias
Flucht gehört. Er reagiert weniger zornig als vielmehr amüsiert und
neugierig. So macht er sich auf, um der Zukünftigen die Leviten zu
lesen. Auch ein weiterer Mann begibt sich auf die Suche nach Lia,
doch er nimmt die lange Reise aus einem ganz anderen Grund auf sich:
Er hat einen Auftrag und zwar den, die Prinzessin zu töten.
Die Welt:
Die
Autorin eröffnet dem Leser eine zwar völlig fremde, doch letztlich
auch beeindruckende Welt.
Es gibt hier die verfeindeten Königreiche Morrighan und Dalbreck,
die jedoch bereit sind, eine zaghafte Allianz zu schmieden, um sich
gegen ein weiteres Reich, Venda, zu schützen. Venda wird im
Gegensatz zu den Nachbarländern nicht von einem König sondern von
einem Komizar angeführt. Die Vendaner lassen niemanden überleben,
wenn sie in den Krieg ziehen. Sie kennen keine Gnade. Sie sind als
Barbarenvolk verschrien.
Es heißt, dass die erste Tochter eines
Königreichs stets eine Gabe in sich trägt. Von Lia wird erwartet,
dass sie die Zukunft deuten und eine Gefahr bereits aus weiter Ferne
erkennen kann.
Von gefährlichen Waldlandschaften über
Wüstenregionen und verschlafenen Dörfchen findet sich in dieser
Welt alles wieder. Hier stößt man auf gefährliche Tiere wie zum
Beispiel Tiger. Man begegnet Vagabunden auf der Straße.
Schreibstil:
Mary E. Pearson führt ihren Roman in
einer sehr ruhigen und gemächlichen Tonlage voran. Ihr gelingt es
ihre Welt so ausschmücken, dass der Leser bald Teil einer großen
bildgewaltigen Reise wird.
Gemeinsam mit der Prinzessin Lia flieht
man hier aus dem eigenen Königreich vor der geplanten Vermählung.
Lia ist ein sehr starker und rebellischer Charakter. Sie geht ihren
eigenen Weg und spricht frei von der Seele. Ihre Last eine erste
Tochter zu sein, die mit einer Gabe, die sich bald entwickeln soll,
beschenkt wurde, wiegt schwer. Denn Lia merkt bald, dass sich diese
Gabe, von der alle sprechen, bei ihr nicht eingestellt hat. Doch
gerade diese Fähigkeit ist es, die ihren Wert in den Augen der
anderen ausmacht.
Auf der Reise nach Terravin gemeinsam
mit ihrer Freundin Pauline fühlt Lia erstmals seit vielen Jahren
wieder ein Gefühl von Freiheit. Ihr bereiten die Gefahren, die in
den nahen Wäldern lauern kaum Sorge. Auch hat Lia keine Angst davor
sich die Finger schmutzig zu machen. In Terravin treffen die beiden
Mädchen auf die rustikale „Tante Berdi“, eine enge Vertraute von
Pauline. Tante Berdi führt einen Gasthof, wo Lia und Pauline als
Hilfe beim Waschen, Kochen und Bedienen gerne gesehen sind.
Diese friedvolle und fast schon
harmonische Zeit findet bald ihr Ende, als zwei merkwürdige
Gestalten den Gasthof betreten. Beide Männer haben ein Auge auf Lia
geworfen. Auch Lia ist dem Fischer und dem Händler schnell
zugeneigt. Rafe und Kaden haben beschlossen sich ein Zimmer im
Gasthof zu nehmen und beide werben schon bald um die hübsche
„Schankmagd“.
Doch die Harmonie ist tückisch, denn
der Leser weiß schon bald, dass einer der beiden ein Prinz ist, der
ausgezogen ist, um die Prinzessin an seine Seite zu holen und der
andere, ein ausgesandter Attentäter, ihr nach dem Leben trachtet.
Doch wer von beiden hat welchen Auftrag? Das weiß auch der Leser
anfangs nicht.
Hier ist es die unterschwellige
Spannung, die man auf jeder Seite spürt und der gekonnte Schreibstil
der Autorin, der den Leser das Buch nicht aus der Hand legen lässt.
Die Gefahr lauert im Hintergrund und doch spürt man, dass sich
zwischen Lia, Kaden und Rafe zarte Bande schmieden. Rafe und Kaden
sind Konkurrenten, die beide um Lias Zuneigung kämpfen und das
mittlerweile nicht nur aus dem ursprünglichen Grund ihrer Reise. Was
wird mit Lia geschehen, wenn die Wahrheit irgendwann ans Licht kommt?
Mary E. Pearson verwendet für ihren
Roman drei verschiedene Perspektiven. Sie schreibt in erster Linie
aus der Sicht von Lia, in wenigen Kapiteln aber auch in der Ich-Form
aus den Augen des Prinzen und des Attentäters. Hierbei lässt sie
geschickt Details weg, die den Leser auf die Spur führen könnten,
bei wem es sich um Rafe und bei wem es sich um Kaden handelt, so dass
er bei jeder romantischen Szene einerseits hofft, aber andererseits
auch bangt.
Fazit:
Der
Kuss der Lüge entwickelt sich eher gemächlich, dafür aber
bildgewaltig. Die Tiefe
der Charaktere und der Geschichte ist der Beweis für das Talent von
Mary E. Pearson.
Im
Kern ist „Der Kuss der Lüge“ die Liebesgeschichte
ihrer Protagonisten. Darüber
hinaus eine Mischung aus Abenteuer und "Krimi".
Spannung erhält
dieser Roman nicht durch rasante Actionszenen, sondern eher durch
eine unterschwellige Gefahr, die stets im Hintergrund präsent ist.
Dieser erste Band
der Chroniken der Verbliebenen überzeugt mit einer bildgewaltigen
Sprache, spannenden Charakteren und einer konfliktreichen
Heldenreise. Absolute Leseempfehlung.
Buchzitate:
Pauline war einfallsreich,
aber ich wusste, dass sie nicht furchtlos war, und das machte ihren
Mut heute viel größer als meinen. Sie hatte alles zu verlieren. Ich
hatte alles zu gewinnen.
Das war es, was ich an Rafe
hasste und liebte. Er forderte mich bei allem, was ich sagte, heraus,
aber er hörte auch aufmerksam zu. Er hörte zu, als wäre jedes Wort
wichtig, das ich sagte.
Es kann Jahre dauern, bis
ein Traum Gestalt annimmt. Es dauert nur einen Sekundenbruchteil, um
ihn zu zerschmettern.
Kurzgefasst:
Spannung/Action:
Liebe:
Charaktere:
Weltenaufbau:
Handlungsstrang:
Schreibstil:
Im Gesamtpaket:
Ich danke dem Verlag herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars